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Kommunikation im Internet Google verspielt Sympathien

16.02.2010 ·  „Buzz“ sollte die Antwort von Google auf den Erfolg von Online-Gemeinden wie Facebook sein. Doch Google erlebt damit ein Imagedebakel. Wieder einmal steht der Konzern als Unternehmen da, das den Datenschutz mit Füßen tritt.

Von Roland Lindner
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Es ist erst ein paar Wochen her, da konnte sich der amerikanische Internetkonzern Google über eine lange nicht gekannte Welle der Sympathie freuen: Zu diesem Zeitpunkt war vom freundlichen Image früherer Tage, das Google mit seinem obersten Unternehmensprinzip "Dont be evil" ("Tue nichts Böses") selbst kultivierte, nicht viel übrig geblieben. Die zunehmende Größe und die umstrittenen Geschäftsmethoden von Google haben die Öffentlichkeit immer argwöhnischer auf den Internetkonzern blicken lassen. Aber im Januar änderte sich das Bild schlagartig nach einer spektakulären Entscheidung von Google: Das Unternehmen teilte mit, Ziel von Hacker-Angriffen aus China geworden zu sein. Google nahm dies zum Anlass, eine Debatte um freie Meinungsäußerung in China anzustoßen. Das Unternehmen kündigte an, sich mit seiner chinesischen Suchmaschine künftig nicht mehr wie bisher der Zensur der dortigen Regierung unterwerfen zu wollen und sich womöglich sogar ganz aus China zurückzuziehen. Google wurde daraufhin gerade in der westlichen Welt dafür gefeiert, der chinesischen Regierung furchtlos die Stirn zu bieten.

Nur kurze Zeit später sind die zurückgewonnenen Sympathien aber schon wieder weitgehend verspielt. Mit seinem in der vergangenen Woche vorgestellten Dienst "Google Buzz" hat das Unternehmen ein Imagedebakel erlebt. Wieder einmal steht Google als Datenkrake da, die sich nicht um die Privatsphäre der Nutzer schert. Nach massiver Kritik sah sich das Unternehmen am Wochenende zu einem peinlichen Rückzieher gezwungen und kündigte drastische Veränderungen an dem neuen Programm an.

Buzz - diesmal die Brechstange

Buzz sollte die Antwort von Google auf den Erfolg von Online-Gemeinden wie Facebook sein. Google war mit seinen bisherigen Gehversuchen in diesem Bereich glücklos geblieben und wagte es daher diesmal mit der Brechstange: Buzz wurde nicht als isoliertes neues Produkt gestartet, sondern in den E-Mail-Dienst Gmail integriert. Damit konnte Buzz sofort auf eine bestehende Gemeinde von 176 Millionen Gmail-Nutzern zurückgreifen. Buzz funktioniert im Grundsatz ähnlich wie Facebook als eine Plattform für Nutzer, um Botschaften und Inhalte wie Fotos und Videos in einem Netzwerk von Kontakten zu veröffentlichen und auszutauschen. Ein wesentlicher Unterschied ist aber, wie dieses Netzwerk entsteht:

Facebook-Nutzer bauen ihren Kreis an Kontakten selbst auf, die Idee hinter Google Buzz war es, dies automatisch zu tun. Das Netzwerk sollte aus den Kontakten generiert werden, mit denen Gmail-Nutzer kommunizieren.

Dieser Automatismus sorgte für einen Aufschrei: So wurde argumentiert, dass viele Menschen bei E-Mails ein höheres Maß an Privatsphäre erwarten als in einem sozialen Netzwerk. Viele Nutzer zeigten sich entsetzt von der Vorstellung, dass Google aus den Gmail-Korrespondenzpartnern ein Netzwerk zusammenzimmert, das auch noch öffentlich einsehbar ist. Evgeny Morozov, ein Forscher an der Georgetown University, der sich mit den Auswirkungen des Internets auf totalitäre Staaten beschäftigt, meinte, Buzz lasse ihn daran zweifeln, dass Google es wirklich ernst damit meint, freie Meinungsäußerung verteidigen zu wollen: "Wenn ich für die Regierung in Iran oder China arbeiten würde, würde ich sofort meine Internetexperten damit beauftragen, Google-Buzz-Konten von politischen Aktivisten zu überprüfen, ob sie irgendwelche Verbindungen haben, über die die Regierung bislang nichts wusste", schrieb Morozov in einem Blog. Viel zitiert wurde in den vergangenen Tagen auch ein Eintrag einer Bloggerin, die unter der Überschrift "Fuck you, Google" erzählte, dass ihr gewalttätiger geschiedener Mann zu den Kontakten gehört, mit denen sie am häufigsten per Gmail kommuniziert - und er somit automatisch Teil ihres Buzz-Freundeskreises würde.

„Wir entschuldigen uns für die Bedenken, die wir verursacht haben“

Google sah sich mehrmals gezwungen, zurückzurudern: Zunächst kündigte das Unternehmen an, die Option, den Buzz-Freundeskreis nicht öffentlich einsehbar zu machen, prominenter zu plazieren. Nachdem dies die öffentliche Empörung nicht eindämmen konnte, teilte Google am Wochenende mit, das Netzwerk nicht mehr automatisch zusammenzustellen. Stattdessen werde Buzz Kontakte lediglich vorschlagen, ähnlich wie dies auch bei Facebook geschieht. Produktmanager Todd Jackson gab sich kleinlaut: "Wir haben schnell eingesehen, dass wir nicht alles ganz richtig gemacht haben. Wir entschuldigen uns für die Bedenken, die wir verursacht haben." Der Schutz der Privatsphäre in sozialen Netzwerken wird nicht erst seit Google Buzz diskutiert. Auch

Facebook ist schon mit manchen Angeboten auf Widerstand gestoßen: So stellte Facebook ein Werbesystem mit dem Namen "Beacon", das Daten von externen Internetseiten integrierte, nach heftiger Kritik wieder ein. Bei Google hat die Diskussion um Buzz aber trotzdem noch einmal eine andere Dimension, weil das Unternehmen schon häufig wegen seines Umgangs mit Daten unter Beschuss geraten ist. Datenschützer äußern zum Beispiel Sorge darüber, dass Google Suchvorgänge von Internetnutzern speichert. Google-Vorstandsvorsitzender Eric Schmidt handelte sich mit einer umstrittenen Äußerung in einem Fernsehinterview im Dezember den Vorwurf ein, er habe eine allzu sorglose Einstellung zum Datenschutz. Schmidt sagte: "Wenn es etwas gibt, von dem Sie nicht wollen, dass es jemand erfährt, vielleicht sollten Sie es dann gar nicht erst tun."

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