Home
http://www.faz.net/-gqm-u8il
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Kleine Bürocomputer Dickes Wachstum für dünne Rechner

13.03.2007 ·  Jetzt hat der Diätwahn sogar schon die Computerwelt erreicht. Bürorechner müssen nicht groß und dick sein, lautet der neueste Trend. Denn Speicherkapazität lässt sich ins Netz auslagern. Nischenanbieter machen sich das zunutze.

Von Patrick Bernau
Artikel Bilder (3) Lesermeinungen (0)

Mit alten, dicken Computern schafft man so ein schnelles Wachstum nicht mehr: Rund 20 Prozent mehr verkaufte Geräte 2006 als 2005. Dazu müssen es schon „Thin Clients“ sein: schlanke Computer, reduziert auf die allernötigsten Bauteile.

„Thin Clients“ funktionieren nicht wie Laptops, die letztlich zusammengequetschte normale Computer sind. Sie verzichten auf einige Teile ganz, zum Beispiel haben sie ihre Programme nicht selbst gespeichert, sondern holen sie sich über das Netzwerk von zentralen Rechnern.

Die Computer specken ab

Die „Thin Clients“ machen derzeit nur einen kleinen Anteil an den verkauften Computern aus, nach Zahlen der Marktforscher von IDC rund drei Prozent der jährlich verkauften Schreibtisch-Rechner. Doch sie legen enorm zu. Mit der Geschwindigkeit des vergangenen Jahres werde es weitergehen, erwartet IDC, die Verkaufszahlen der normalen Schreibtischrechner wachsen nur halb so schnell.

Denn die Idee von den abgespeckten Rechnern hat einiges für sich. Schon seit Jahren arbeiten sich die Computertechniker an dieser Vision ab, Daten und Programme zentral abzulegen. Zumindest für die Leute, die auf ihren Computern die normale Büroarbeit erledigen: Texte schreiben und das Internet nutzen. Durch die Zentralisierung können Computer auf Schreibtischen einfacher werden. In der Summe ist das billiger und spart Strom. Durch die zentrale Steuerung wird das System auch einfacher zu warten - und sicherer.

Neue Phantasien bei Anwendern und Einkäufern

Bisher brauchen die „Thin Clients“ ihre Speicherzentrale in der Firma, für den Privatnutzer zu Hause eignen sie sich nicht - zwar ließe sich theoretisch eine Datenzentrale im Internet bereitstellen, doch die gibt es bisher kaum. Weil die Internetanbindungen aber besser werden, lässt sich das Prinzip jetzt weiter ausbauen. Und das bringt das Thema wieder neu in die Köpfe von Anwendern und Einkäufern.

Inzwischen stellt Google sogar ein Schreib- und ein Rechenprogramm ins Internet, das die Nutzer von zu Hause aus bedienen können. Auch einige Unternehmen nutzen dieses Prinzip - der Softwarehersteller Salesforce zum Beispiel stellt seine Unternehmenssoftware zur Auswertung von Kundendateien nur über das Internet bereit. In dieser Welle können auch abgespeckte Geräte bei den Kunden Interesse finden, für unterwegs zum Beispiel das Handy, das ein kleiner Computer ist - für den Schreibtisch haben die „Thin Clients“ gute Chancen auf einen weiteren Aufschwung.

Möglicher Störfaktor für traditionelle PC-Hersteller

Das wiederum könnte die traditionellen PC-Hersteller stören. Die spielen nämlich auf dem Thin-Client-Markt kaum eine Rolle, nur Hewlett-Packard hat ordentliche Verkaufszahlen. „Wir haben schon vor einigen Jahren gesehen, dass der Markt wachsen wird“, sagt Sparten-Deutschlandchef Ingo Gassmann.

Das interessiert aber außer HP bisher vor allem kleine Firmen; sie heißen Wyse oder Neoware. Einige dieser Anbieter verkaufen die Geräte nur nebenbei, ihr wichtigstes Geschäft ist die Beratung von Unternehmen, wie sich die dünnen Computer am besten einführen lassen.

IBM: „Zu früh in diesem Markt“

Auf diese Beratung hatte sich auch IBM vor einigen Jahren zurückgezogen, nachdem der Konzern lange "Thin Clients" angeboten hat. „Wir waren damals zu früh in diesem Markt“, sagt ein IBM-Sprecher jetzt. Einige Ideen, mit denen IBM jetzt andere Unternehmen berät, setzen wieder auf diese Rechner - eingekauft von den neuen Herstellern.

„Das Bewusstsein zu diesem Thema hat sich geändert“, sagt der Sprecher. Inzwischen gibt es erste Versuche, auch private Nutzer mit den kleinen Rechnern auszustatten. Der Chef des deutschen Herstellers Igel, Heiko Gloge, freut sich schon auf das Geschäft mit den Privatkunden: „Wenn der Opa seiner Enkelin eine E-Mail schreiben möchte, braucht er dazu keinen riesigen Computer.“

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 11.03.2007, Nr. 10 / Seite 47
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Jahrgang 1981, verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

Jüngste Beiträge

Böses Spiel

Von Holger Steltzner

Mit größter Selbstverständlichkeit und in unerträglichem Ausmaß zahlt die Elite Griechenlands keine Steuern und flüchtet mit Milliarden ins Ausland - und jede griechische Regierung lässt sie gewähren. In den Geberländern wächst die Wut der Steuerzahler. Mehr 38 144

29.05.2012 12:16 Uhr
  Vortag
Dax 6.349,67 +0,42%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.383,92 +0,52%
Dow Jones 12.454,80 −0,60%
EUR/USD 1,2534 −0,06%
Rohöl Brent Crude 106,82 $ −0,41%
Gold 1.574,60 $ +0,32%
Umfrage

Anonym bewerben? Ist das gut?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.