28.05.2007 · Klaus Hommels ist den meisten wohl kein Begriff. Dabei entdeckt der Deutsche die besten Internetfirmen. Mit Skype und OpenBC hat der Business Angel bereits Millionen gemacht. Manchmal reicht dafür einfach nur ein wenig Sturheit.
Von Patrick BernauKlaus Hommels kann auch stur sein, und das ist ganz gut für einen Business Angel wie ihn. Denn nur auf diese Weise konnte er sich an der Internettelefon-Firma Skype beteiligen, bevor sie groß und teuer wurde. Die Gründer hatten nämlich schon einen Business Angel. „Ich habe die Gründer zwei Monate lang gejagt. Wahrscheinlich habe ich denen jeden Tag auf die Mailbox gesprochen“, erzählt Hommels. „Irgendwann habe ich sie zu fassen gekriegt und ihnen gesagt: Ich helfe euch zwei Monate kostenlos. Wenn ihr dann sagst, das hat nix gebracht, schickt mich nach Hause. Ansonsten will ich investieren.“ Hommels hat geholfen: Rund 200 Millionen Menschen weltweit nutzen Skype, Ebay hat für das Unternehmen rund drei Milliarden Euro gezahlt.
Der 40-Jährige stärkt junge Firmen nicht nur mit Startkapital. Er hilft auch bei vielen Entscheidungen: „Ich bin ein ausgelagerter Geschäftsentwickler.“ Und das mit Erfolg. Hommels entdeckte nicht nur Skype, sondern auch die einzige Web-2.0-Firma, die bisher an die Börse gegangen ist: die Geschäftskontakte-Börse OpenBC, die inzwischen Xing heißt, rund zwei Millionen Menschen in Verbindung bringt und dabei profitabel ist.
„Dann habe ich gesagt: Super, hier bleibe ich“
An beiden Firmen beteiligte sich Hommels, als andere Investoren nichts mehr vom Internet wissen wollten. Wie so oft schwamm er gegen den Strom. Ihm blieb gar nichts anderes übrig, findet er. Nach einer Managerkarriere beim Internet-Dienst AOL und einer Zeit bei dem Private-Equity-Investor Apax dachte er sich: „Investieren kann ich selber“, und machte sich selbständig - im März 2000, ein paar Tage später brach der Neue Markt zusammen. „In so einer Situation muss man dabeibleiben.“
Immerhin hatte Hommels sich da gerade seinen großen Traum erfüllt: Er arbeitete endlich auf eigene Rechnung als Investor. Diesen Traum hat er von seiner Oma mitbekommen. Als er 14 war, gab sie ihm 20 000 Mark, die er in Aktien anlegen sollte - die Gewinne durfte er behalten, die Verluste übernahm die Oma, solange er seine Anlage-Entscheidungen nur begründete. Als ein paar Jahre später Puma auf den Markt kam, fiel ihm die Begründung zum Kaufen leicht, schließlich war er Rechtsaußen in der Fußballmannschaft und kannte die Schuhe. Mit diesen Aktien verdiente er 60.000 Mark, „dann habe ich gesagt: Super, hier bleibe ich“.
Hommels' Händchen bei der Auswahl von Firmen
Und so war er im März 2000 am Ziel, als kaum noch jemand an Internet-Start-ups glaubte. Als sich wenig später die neuen Internet-Firmen gründeten, war er da. Und er erwischte die richtigen, von denen ein paar Jahre später jeder sprach. „Wer bei Skype drin war, der wird zur Leitfigur für andere, die nicht so nah an der technischen Entwicklung sind“, sagt Peter Schüpbach, ein Schweizer Business Angel, der immer wieder mit Hommels zusammen investiert. Auch andere Finanziers loben jetzt Hommels' Händchen bei der Auswahl von Firmen - aber nur, wenn sie damit nicht zitiert werden. Schließlich arbeitet Hommels inzwischen bei der Konkurrenz.
Dem bekannten Risikokapital-Fonds Benchmark fiel nämlich ein paar Mal auf, dass Hommels in junge Firmen investiert hatte, die Leute von Benchmark sich gerade erst genauer ansahen, und sie holten Hommels an Bord. Jetzt pendelt der Familienvater seit einem Jahr am Montag und Dienstag vom Wohnort in Zürich zu Benchmarks Europa-Büro in London, gegenüber dem Edel-Kaufhaus Selfridge's. Das mache er, weil er über Benchmark mehr davon bekomme, was ein Business Angel unbedingt braucht: Kontakte.
„Seine Meinung ist immer fundiert“
Kontakte zu anderen Investoren, die er mit ins Boot holt - um mehr Geld zu bekommen und um zu verhindern, dass die ein Konkurrenzprojekt starten. Er bekomme Kontakte zu amerikanischen Managern, die ihm sagen, welche Ideen gerade diskutiert werden und wovon er besser die Finger lässt, weil ein anderer schon weiter ist. Und er knüpft Kontakte zur Finanzwelt, die später beim Verkaufen helfen.
Was er neu erfahren hat und was er sowieso weiß, gibt er an eine Handvoll Firmen weiter, um die er sich kümmert. „Er hat ein unglaubliches Gespür und bildet sich schnell eine Meinung“, sagt Lars Hinrichs, Gründer des Xing-Betreibers OpenBC (siehe auch: Porträt: Open-BC-Gründer Lars Hinrichs). „Man kann ohne Frage auch mal mit ihm sachlich aneinandergeraten, aber seine Meinung ist immer fundiert.“ Umgekehrt mag Hommels Leute wie Hinrichs, die schon mit einer Firma gescheitert sind. „Weil sie eine größere Demut haben und ein besseres Bewusstsein für die Kosten“, sagt Hommels. „Man lernt das Unternehmertum besser, wenn eine Firma nicht funktioniert, als wenn sie funktioniert.“
„Ich brauche immer wieder den Kick der neuen Idee“
Inzwischen drohen wieder einige Pleiten, denn in den vergangenen Wochen sind viele Kopien existierender Firmen auf den Markt gekommen. Da ist Hommels die Insolvenzgefahr wieder zu hoch. Gerade war ein bisschen Gründerstimmung aufgekommen, jetzt ist sie wieder bedroht. Dabei sei die Stimmung ganz wichtig. „Die besten Ideen kommen, wenn ein Mensch aus der Branche einen Mangel erkennt und etwas dagegen unternimmt“, sagt er - die Leute müssten eben daran denken und den Mut haben, eine Firma aufzubauen.
Also sind die Business Angels in der Pflicht, so sieht Hommels das. Die wüssten schließlich, wer gerade an welcher Idee arbeitet, und könnten auch mal einen Gründer stoppen - dann könne sich der Markt wieder besser entwickeln. Zumal es in Deutschland auch wieder Konzerne gebe, die die entstandenen Unternehmen möglicherweise einmal für viel Geld kaufen, also für mehr als 100 Millionen Euro - die Studentenseite „StudiVZ“ kostete rund 80 Millionen. Die Gründerstimmung selbst noch einmal nutzen, das will Hommels aber nicht. „Operativ bin ich zu schlecht. Ich brauche immer wieder den Kick einer neuen Idee.“
Wunderkind
Werner Schmidt (banker-schmidt)
- 27.05.2007, 22:50 Uhr
Klingt vielversprechend !
Bardo Nelgen (bardonelgen)
- 30.05.2007, 01:43 Uhr
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