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Klage gegen Google „Oracle geht es immer nur ums Geld“

17.08.2010 ·  Der Datenbankanbieter Oracle verklagt Google auf Patentzahlungen. Doch weder Sieg noch Niederlage helfen dem Unternehmen. Die Zukunft der Programmiersprache Java steht auf dem Spiel.

Von Holger Schmidt
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Als der Datenbankspezialist Oracle den Java-Erfinder Sun Microsystems für 7,4 Milliarden Dollar im Januar übernahm, machte in der Branche vor allem eine Frage die Runde: „Wie will Oracle mit Java mehr Geld verdienen als Sun?“ Jetzt hat das Unternehmen eine Antwort gegeben: mit Patentzahlungen auf weit verbreitete Handy-Betriebssysteme wie Android von Google. Zu diesem Zweck hat Oracle jetzt den Internet-Suchmaschinenanbieter verklagt.

Dass Oracle diese Strategie verfolgt, glaubt zumindest Java-Miterfinder James Gosling, der mit der Sun-Übernahme zu Oracle gekommen ist, das Unternehmen danach aber sehr schnell verlassen hat. Suns genetischer Code habe keine Patentklagen zugelassen. Ganz anders Oracle: Die Patente auf Java - vor allem die Patentklage zwischen Sun und Google - seien wichtiger Teil der Übernahmegespräche gewesen. „Man konnte das Glitzern in den Augen der Oracle-Anwälte sehen“, schrieb Gosling auf seiner Internetseite. „Bei Oracle geht es immer nur ums Geld.“

Der Goldstandard im Internet

Kern des Streits ist die Programmiersprache Java, deren Ursprung Gosling 1991 bei Sun legte. Richtig in Fahrt kam Java Ende der neunziger Jahre, als die Programmiersprache die bis dahin statischen Internetseiten in Bewegung brachte. Animationen und interaktive Elemente ließen sich mit Hilfe von Java direkt in die Internetauftritte programmieren. Das Schöne daran ist, dass Java-Programme plattformunabhängig sind, also auf verschiedenen Computern und Betriebssystemen laufen. Da Java auch noch als vergleichsweise leistungsfähig, robust und sicher gilt, zudem als Software frei verfügbar ist, galt die Programmiersprache eine Zeitlang als der Goldstandard im Internet. Viele Unternehmen setzen Java ein. Das gilt auch für die mobile Java-Variante J2ME, dank der Java-Spiele große Verbreitung finden.

Allerdings sind nicht alle von Java begeistert, weil die Programmiersprache allzu enge Anpassungen an ein Betriebssystem nicht ermöglicht. Das konnte einem Unternehmen nicht passen: Microsoft als führender Betriebssystemhersteller der Welt setzt lieber auf eine eigene Variante. Auch Apple startete 2007 einen Gegenangriff: Sein internetfähiges Handy iPhone verzichtete ganz auf Java. Beide Unternehmen kochen lieber ihr eigenes Süppchen.

Googles Chef verantwortete jahrelang die Java-Entwicklung bei Sun

Dagegen basiert Googles mobiles Betriebssystem Android auf Java. Android ist bewusst als offenes System angelegt, damit möglichst viele Software-Ingenieure das Projekt schnell vorantreiben. Dazu hat Google auch einige hochkarätige Java-Programmierer angeheuert, die vorher bei Sun gearbeitet haben. Prominentester Wechsler von Sun zu Google - allerdings mit einem Intermezzo bei Novell - ist der Chef selbst: Eric Schmidt war Suns „Chief Technology Officer“ und bis 1997 für die Entwicklung von Java verantwortlich. Kein Wunder, dass er auch heute noch als großer Befürworter der Programmiersprache Java gilt.

Als Oracle Sun übernahm, tauchte sofort die Frage nach der Zukunft von Java auf. Oracle versprach, Java weiterzuentwickeln. Doch ganz beruhigt sind die Java-Entwickler von diesem Bekenntnis nicht. Auch Java-Vater Gosling traut dem Frieden nicht so ganz. Für Unternehmenssoftware werde Java sicher weiterentwickelt. Für Endanwender, also für Personalcomputer und mobile Geräte, sieht Gosling allerdings keine rosige Zukunft für Java voraus. „Oracle macht einen exzellenten Job mit Java auf Servern in Unternehmen. Aber alles andere, zum Beispiel Desktops oder Mobiltelefone, das finden sie sehr verwirrend. Das ist eine fremde Welt für sie“, sagte Gosling auf einer Konferenz zur Informationstechnik Ende Juni in Kalifornien.

Welche Zukunft hat Java wirklich?

Die Zukunft von Java hängt nicht unwesentlich vom Fortgang der Klage gegen Google ab. Gewinnt Oracle, wird eine starke Botschaft an die Entwicklergemeinde geschickt, Java sei doch nicht so offen wie gedacht, schreibt Gartner-Analyst Mark Driver in seinem Blog. Google müsse Lizenzgebühren zahlen, aber die Motivation für andere Entwickler, auf Java zu setzen, sinke. Denn neben Google setzen auch viele andere Mobilfunkunternehmen auf Java. Sie werden das Risiko, ebenso wie Google von einer Patentklage überrascht zu werden, gerne vermeiden wollen. Wenn Google dagegen gewinnt, werden sich andere Lizenznehmer fragen, warum sie für Java an Oracle zahlen sollen. Diese Frage werde sehr schnell in der ganzen IT-Welt gestellt und stelle die gesamten Lizenzeinnahmen für Java in Frage, meint Driver - allerdings mit dem Zusatz, die Sache möglicherweise etwas zu dramatisch zu sehen.

Die Softwareentwickler sind sich auch untereinander nicht einig, welche Zukunft Java hat. So fragen Studenten in den ersten Semestern inzwischen oft, ob sich das Erlernen von Java noch lohnt. Die Antworten sind nicht eindeutig. Befürworter sehen die universelle Einsetzbarkeit, die große Entwicklergemeinde und die leichte Erlernbarkeit als Vorteile. Als Nachteile werden die langsame Weiterentwicklung, der Trend zu speziell entwickelten Applikationen und eben der Versuch von Oracle, Java zu Geld zu machen, genannt. Doch die Entwicklung geht schnell weiter. Inzwischen gibt es Erweiterungen für Java wie Scala, die schon als neuer Stern am Java-Himmel gefeiert werden. Java bleibt als Standard auch unter Oracle wohl noch eine Weile erhalten.

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