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Veröffentlicht: 29.07.2017, 16:10 Uhr

Kasparow über KI „Wir haben alle diese Ängste, aber ...“

Elon Musk hat die Diskussion neu belebt, wie gefährlich Künstliche Intelligenz ist. Nun schaltet sich der frühere Schachweltmeister Garri Kasparow ein - mit Optimismus, aber auch mit einer Warnung.

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© dpa Garri Kasparow war Schachweltmeister und hat gerade das Buch „Deep Thinking“ veröffentlicht, in dem er sich Gedankten über die Intelligenz von Maschinen macht.

In die gerade vom schillernden Technologie-Unternehmer Elon Musk neu belebte Diskussion darüber, wie gefährlich das Voranschreiten Künstlicher Intelligenz ist, hat sich nun auch der frühere Schachweltmeister Garri Kasparow eingeschaltet - und dem Tesla-Gründer widersprochen. „Das Problem ist nicht, dass Maschinen menschliche Arbeitsplätze ersetzen und nun Menschen mit College-Abschlüssen und Twitter-Accounts angehen“, sagte er während der Hacker-Konferenz DefCon in Las Vegas nach einem Bericht der britischen BBC: „Technologie zerstört immer Jobs bevor sie neue erschafft, das hat sie immer getan.“

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Kasparow, der Künstliche Intelligenz ganz persönlich erlebte, als ihn der Computer Deep Blue in den neunziger Jahren in einem Schachwettstreit besiegte, hat für den vielfältigeren Einsatz Künstlicher Intelligenz ein Szenario vor Augen, in dem Menschen befähigt werden, selbst höhere Leistungen zu erbringen. Als Beispiel nannte er die Fähigkeit schlauer Computerprogramme, Krankheiten treffsicherer zu diagnostizieren und Therapien vorzuschlagen, die dann von menschlichen Ärzten und Pflegern umgesetzt werden.

Künftige Generationen würden verwundert zurückblicken, wie „menschen-zentriert“ das 21. Jahrhundert war besonders auch in Bereichen wie dem Autofahren, in denen die „menschliche Fehlbarkeit“ mehr Leben aufs Spiel setze als nötig. Kasparow warb dafür, auf die großen Chancen zu setzen, die sich aus der Zusammenarbeit zwischen Menschen und klugen Maschinen ergäben. „Wir haben alle diese Ängste, dass Maschinen uns ersetzen wir ausgelöscht werden, aber ich glaube, dass es viel Raum für Kreativität gibt. Und viel Kreativität.“

„Selbstlernende Softbots“

Tesla-Gründer Musk, der selbst eine auf Künstliche Intelligenz spezialisierte Unternehmung namens Open AI auf den Weg brachte, hatte unlängst während eines Auftritts vor Gouverneuren amerikanischer Bundesstaaten seine Warnung bekräftigt, Künstliche Intelligenz sei die „größte Bedrohung, der wir als Zivilisation gegenüberstehen“. Er löste damit eine durchaus kontroverse Debatte aus, in der sich zahlreiche Fachleute zu Wort meldeten.

Sogar Facebook-Gründer Mark Zuckerberg schaltete sich ein, als er - während einer Facebook-Live-Unterhaltung auf Musks Äußerungen angesprochen - sagte: „Wer gegen künstliche Intelligenz argumentiert, argumentiert gegen sicherere Autos und gegen bessere Diagnosen für Kranke. Ich sehe einfach nicht, wie jemand guten Gewissens das tun kann.“ Reaktionen folgten schnell. „Hut ab, Mark Zuckerberg, dafür dass du dich gegen Künstliche-Intelligenz-Panikmache ausgesprochen hast“, teilte daraufhin Andrew Ng über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. Er gehört zu den angesehensten Fachleuten für Künstliche Intelligenz auf der ganzen Welt. „Ich denke, dass Arbeitsplatzverluste ein großes Problem sind und wünschte mir, dass wir uns eher darauf fokussieren als abgelenkt zu sein von diesen dystopischen, science-fiction-ähnlichen Elementen“, sagte er  während eines Vortrags für die „Harvard Business Review“.

Musk wiederum ließ die deutliche Kritik Zuckerbergs nicht an sich abperlen, sondern reagierte mit ebenso klaren wie persönlichen Worten. Auf Twitter teilte er mit, er habe mit „Mark“ über die Sache gesprochen. „Sein Verständnis davon ist begrenzt.“

© Twitter

Wolfgang Wahlster, der Präsident des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI), kommentierte die Diskussion gegenüber FAZ.NET so: „Elon Musk erklärt, dass Roboter alles werden besser machen können als wir - als jeder von uns. Aber damit unterschätzt er den Menschen und die Komplexität, die Menschen tagtäglich dank ihrer sozialen und emotionalen Intelligenz bewältigen.“

Gerade die Auswirkungen auf die Arbeitswelt nehmen indes auch die führenden KI-Leute sehr ernst. „Die Herausforderungen, mit denen die Gesellschaften umgehen müssen, sind erstens die Beschleunigung des technischen Fortschritts, welche die Zahl derjenigen erhöhen wird, die umlernen müssen, um neues Wissen und neue Stellen zu bekommen. Und zweitens die Tatsache, dass der Wohlstand, der durch technischen Fortschritt entsteht, mit der gesamten Gesellschaft geteilt werden sollte“, sagte Yann LeCun, Facebooks KI-Forschungschef, gerade in einem Interview mit FAZ.NET. Der frühere Schachweltmeister Kasparow warnte nun in Las Vegas ebenfalls vor großen sozialen Veränderungen dadurch, dass die „zitternden Hände“ der Menschen ersetzt werden - zumindest während einer Übergangsphase.

„Mit Künstlicher Intelligenz wird menschliche Arbeit in Zukunft stark unterstützt, aber nicht völlig ersetzt“, sagte DFKI-Chef Wahlster und bekräftigte: „Dies gilt sowohl für körperliche Arbeit zusammen mit kollaborativen Robotern als auch vermehrt für geistige Arbeit zusammen mit selbstlernenden Softbots. Neue Berufsbilder werden entstehen und alte Berufsbilder werden verschwinden wie bei jeder technischen Revolution.“

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Und noch in einem anderen Punkt widersprach Wahlster Musk: „Er votiert für eine proaktive Regulierung von KI, präzisiert dabei aber nicht, welche konkreten KI-Systeme oder KI-Entwicklungen er meint. Und er möchte den wissenschaftlichen und erkenntnisorientierten Wettbewerb einschränken, obwohl die Ergebnisse noch nicht vorliegen, die es zu evaluieren und zu reflektieren gilt. Mit diesen Aussagen schießt er über das Ziel hinaus.“

KI-Forschung dürfe jedoch keinesfalls reguliert werden, so Wahlster, „sie muss im Gegenteil stark ausgebaut werden und durch Begleitforschung müssen frühzeitig mögliche gesellschaftliche Auswirkungen analysiert und gemeinsam mit Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft diskutiert werden“.

Musk hatte im Gespräch mit den amerikanischen Gouverneuren gesagt: „Künstliche Intelligenz ist einer der seltenen Fälle, in denen ich denke, dass wir eine proaktive Regulierung brauchen eher als eine reaktive.“ Diese Äußerung ist in der Fachwelt wiederum aber auch als warnender Hinweis verstanden worden, dass sich seiner Ansicht nach die Verantwortlichen in der Gesellschaft noch zu wenig mit Künstlicher Intelligenz befassen und auskennen.

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