10.08.2006 · Schlechter hätten die Zahlen der Deutschen Telekom kaum ausfallen können. Auch an der Stimmung des Vorstandchefs ist ablesbar, wie ernst es um den Konzern steht. Und um Rickes Zukunft an dessen Spitze.
Von Johannes WinkelhageKai-Uwe Ricke bleibt nicht mehr viel Zeit. Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom hat die Anleger mit den am Donnerstag vorgelegten Zahlen endgültig brüskiert. Schlechter hätten die Daten zum Quartal und der Ausblick kaum ausfallen können. Damit stellt sich die Frage nach dem Verbleiben von Ricke im Amt mit wachsender Dringlichkeit. Wenn es ihm nicht sehr schnell gelingt, eine klare Strategie für eine Wende zum Besseren zu vermitteln, dürften seine Tage als Telekom-Chef gezählt sein. Im Herbst sollen die Verhandlungen über die Verlängerung seines Arbeitsvertrages, der im Jahr 2007 ausläuft, beginnen.
Wer Ricke länger kennt, merkt, wie sehr ihm die Schwierigkeiten der Telekom derzeit zusetzen. Mit versteinertem Gesicht präsentierte er die schlechten Zahlen des Konzerns. Wo früher Enthusiasmus und Ideen dominierten sind heute manchmal Fatalismus und Ansätze von Resignation spürbar. Ricke macht diesen Job seit Ende des Jahres 2002. Er hatte in den ersten Jahren viele schlechte Ergebnisse zu verkünden und hat dies besser gemeistert. Auch an seiner Stimmung ist ablesbar, wie ernst es um die Telekom steht.
Interessante Familiengeschichte
Ricke wurde 1961 in Krefeld geboren. Das ist nicht gerade spektakulär. Interessant wird die Familiengeschichte aber, wenn man berücksichtigt, daß schon sein Vater Helmut Ricke die Deutsche Telekom von 1990 bis Dezember 1994 geführt hatte. Von ihm hat er auch die Leidenschaft für das Segeln geerbt, für das er im Moment aber wenig Zeit haben dürfte.
„Die paradiesischen Zeiten für die Wettbewerber sind vorbei.“ Mit diesen vollmundigen Worten ließ sich Ricke vor wenigen Tagen in einem Interview zitieren. Gut gebrüllt. Allein: Es sind bisher keine Ansätze erkennbar, wie die Telekom den Wettbewerbern den Wind aus den Segeln nehmen will, die ihr einen Kunden nach dem anderen abjagen.
Das Kernproblem des Konzerns
Darin liegt das Kernproblem des Konzerns und damit auch von Ricke. Rund eine halbe Million Kunden verliert die Telekom im Quartal an den Wettbewerb. Diese bleiben nicht, weil der Konzern in vielen Segmenten keine konkurrenzfähigen Angebote hat, weil er seine Synergien zwischen Festnetz und Mobilfunk nicht ausspielt und weil die Telekom oft schlicht der teuerste Anbieter im Markt ist. Darin aber liegt – so werfen es ihm die Kritiker vor – das größte Versäumnis Rickes. Es ist dem im Gespräch angenehmen und verbindlichen Manager nicht gelungen, die hartnäckige Kleinstaaterei, die die Telekom, wie die meisten aus Staatsunternehmen hervorgegangenen Konzerne, im Inneren kennzeichnet, zu unterbinden. Das Ziel, den ganzen Laden auf den Kunden zu konzentrieren, und alle Sparten an einem Strang ziehen zu lassen ist gescheitert – damit bleibt eine der wichtigsten Aufgaben von Ricke unerledigt. Das ärgert ihn selber wahrscheinlich am meisten.
Dabei bringt er gute Voraussetzungen mit, um dies Klein-Klein zu beenden. Der Telekom-Chef kann Leute überzeugen, mitreißen gar. Man nimmt ihm die ehrliche Haut ab, wenn er davon spricht, was sich alles im Konzern ändern muß. Auch wird er nicht müde, die Telekom als den vom Markt und dem Regulierer gleichermaßen gebeutelten Konzern darzustellen, daran glaubt er auch selber.
Nicht hart genug?
Aber auch Zuhörer sind bereit, Kai-Uwe Ricke einiges Vertrauen zu schenken. Viele haben das in den vergangenen Jahren getan. Auch Investoren und Anleger zum Beispiel während recht friedlichen der Hauptversammlung im Mai. Inzwischen zeigt sich aber immer deutlicher, daß Ricke in den eigenen Reihen in vielen Fällen offenbar nicht hart genug durchgreifen will oder kann. Der Moloch Telekom setzt sich zur Wehr. Die Sparten T-Com und T-Mobile bekriegen sich an vielen Fronten mit mehr oder weniger harten Bandagen.
Der Mobilfunk steht Ricke nahe. Er hat die Sparte selber von 1998 bis zum Jahr 2000 geführt und war dann bis 2002 im Konzernvorstand für dies Geschäft zuständig. Ihm gefällt die etwas lockerere Unternehmenskultur, die bei T-Mobile herrscht. Die T-Com-Kultur, das alte Festnetz mit vielen Beamten, einer ausgeprägten Beharrungskraft der Strukturen und viel Macht im Konzern liegt ihm sicherlich ferner. Hier fällt ihm der Zugang schwerer. Was keine Entschuldigung für versäumtes Durchgreifen ist. Die Zeit dafür wird für Ricke knapp. Wenn es ihm nicht gelingt die drängenden Probleme schnell in den Griff zu bekommen, darf und muß es demnächst ein anderer versuchen. Johannes Winkelhage
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.382,79 | +0,44% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2534 | −0,06% |
| Rohöl Brent Crude | 106,82 $ | −0,41% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
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