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Kabel-Deutschland-Chef von Hammerstein „Wir gewinnen jeden Tag 2000 Kunden“

12.03.2009 ·  Der Kampf um Telefon- und Internetkunden ist in vollem Gang. Kabel Deutschland will es mit der Telekom aufnehmen. Von Krisenstimmung auf dem „Cable Congress“ in Berlin will Adrian von Hammerstein, Vorsitzender der Geschäftsführung, nichts wissen.

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Der Kampf um Telefon- und Internetkunden ist in vollem Gang. Kabel Deutschland nimmt es mit der Telekom auf. Von Krisenstimmung auf dem „Cable Congress“ in Berlin will Adrian von Hammerstein, Vorsitzender der Geschäftsführung, nichts wissen.

Herr von Hammerstein, Europas Kabelindustrie trifft sich in schwierigen Zeiten. Gibt es noch ein anderes Thema als die Finanzkrise?

Ja, trotz aller Dramatik der Finanzkrise gibt es Bereiche, in denen es ordentlich läuft. Für unsere Branche ist es ein gutes Jahr. Die Bundesregierung hat mit ihrer Breitbandstrategie eine klare Priorität gesetzt. Bis 2014 sollen 75 Prozent aller Haushalte Zugang zum Hochgeschwindigkeitsinternet mit mindestens 50 Megabit je Sekunde haben.

Die Zahl der reinen TV-Kabelanschlüsse sinkt, deshalb versuchen Sie es jetzt mit Triple Play, also Fernsehen, Telefonie und Internet. So richtig überzeugt sind die Kunden von diesem Komplettangebot aber noch nicht, viele scheuen schon die zweite Fernbedienung für die Settop-Box.

Deutschland ist spät in das Internet- und Telefongeschäft via Kabel eingestiegen. Der Grund hierfür liegt in der späten Privatisierung der Kabelnetze und den erst darauf erfolgten Investitionen für diese Anwendungen. In anderen Ländern war man da erheblich schneller. Deshalb haben wir noch nicht die Kunden- und Abo-Zahlen wie im Ausland.

Ihr Wettbewerber Unity Media gilt als erfolgreicher...

...dem kann ich nicht zustimmen. Die Kabelnetzbetreiber sind mit ihrem Internet- und Telefonwachstum alle sehr erfolgreich. Unity hat mit der Integration der sogenannten letzten Meile früher begonnen. Wir haben aber mit der Akquisition von etwa 1,1 Millionen Kabelhaushalten von Orion Cable im letzten Jahr stark aufgeholt.

Was kostet „Triple Play“ den Kunden?

In einem Mehrfamilienhaus sind die monatlichen Gebühren für den TV-Kabelanschluss meist in den Nebenkosten enthalten. Das „Double Flat“ -Paket für Internet mit 32 Megabit je Sekunde und Telefon kostet 22,90 Euro im ersten Jahr, danach 29,90 Euro. Wir bieten damit die doppelte Geschwindigkeit von DSL. Das Angebot beinhaltet außerdem eine Flatrate für das Telefonieren ins deutsche Festnetz.

Die Deutsche Telekom hat den Preis dafür gerade um 5 Euro gesenkt...

...verlangt aber immer noch deutlich mehr als wir.

Trotzdem fällt es auch der KDG schwer, Kunden vom neuen Angebot zu überzeugen.

Das sehe ich ganz anders. Zunächst haben wir das Kabelnetz aufgerüstet und konnten daher erst 2006 beginnen, Internet und Telefonie über das Kabelnetz zu vermarkten. Jetzt sprechen die Fakten klar für uns: Vor einem Jahr hatten wir 421 000 Kunden. Ende März 2009 werden es schon mehr als 750 000 sein. Damit sind wir größter Triple-Play-Anbieter in Deutschland, größer als die Deutsche Telekom. Derzeit gewinnen wir jeden Werktag bis zu 2000 neue Kunden, das sind über 10 000 neue Anschlüsse jede Woche. Unsere Penetration bezogen auf die vermarktbare Basis beträgt heute bereits 9 Prozent. Angesichts unseres begrenzten Marketingbudgets haben wir einen sensationellen Job gemacht, das erkennt selbst die Deutsche Telekom an. 25 bis 30 Prozent aller Kunden, für die unser Angebot verfügbar ist, entscheiden sich für eines unserer Internet-Produkte.

Und wann verdienen Sie mit Ihren Internet- und Telefonprodukten beim Kunden Geld?

Es dauert mehrere Jahre, bis wir die Investitionen für Aufrüstung, Installation und Kundengewinnung verdient haben. Wir legen daher großen Wert darauf, dass unsere Kunden mit unseren Leistungen zufrieden sind, denn dann bleiben sie uns erhalten.

Haben Sie nicht Angst, dass der Verbraucher in der Krise auch seine Ausgaben für Fernsehen, Internet und Telefon einschränkt?

Wohl kaum. Ich will die Wirtschaftskrise auf keinen Fall kleinreden. Für unser Geschäft gilt eher das Gegenteil: Gerade wenn es im Portemonnaie enger wird, gehen die Kunden weniger aus und nutzen unser Unterhaltungsangebot zu Hause. Telefon- und Internetanschlüsse stehen auch in der Krise in den meisten Haushalten nicht zur Disposition. Und mit unseren Angeboten können die Kunden im Übrigen auch noch sparen.

Womöglich trifft Sie die Finanzkrise an anderer Stelle: KDG ist hochverschuldet und erwirtschaftet Nettoverluste. Wie lange hat Ihr Eigentümer, der Finanzinvestor Providence, noch Geduld mit Ihnen?

Natürlich machen wir bilanzielle Verluste, das ist aber ganz normal angesichts unserer hohen Investitionen in den Netzausbau und in die Kundengewinnung. Unser operatives Geschäft läuft sehr gut. Der wesentliche Erfolgsindikator für ein Infrastrukturunternehmen wie KDG ist das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, also das Ebitda, und hier wachsen wir prozentual zweistellig. Unsere Finanzierungsstruktur sieht erstmalig eine Kreditfälligkeit im Jahr 2012 vor...

...wie viel muss die KDG dann zurückzahlen?

Im März 2012 werden Kredite über 1,15 Milliarden Euro fällig. Zumindest einen Teil davon werden wir voraussichtlich refinanzieren, obwohl sich unser Cashflow bis dahin sehr gut entwickeln wird.

Bleibt noch finanzieller Spielraum für weitere Übernahmen?

Attraktive Chancen würden wir natürlich nutzen. Aber wer im Moment verkauft, ist wahrscheinlich in Not. Grundsätzlich gilt: Die Preise für Unternehmen sind durch die Krise gesunken, gleichzeitig werden die Finanzierungen schwieriger.

In der Branche wird über einen horizontalen Zusammenschluss von KDG, Unity Media, Kabel BW spekuliert.

Es gibt in Deutschland eine industrielle Logik für einen starken Infrastruktur-Wettbewerber zur Deutschen Telekom. Die Finanzmarktkrise macht das natürlich nicht einfacher.

Das Kartellamt hätte nichts dagegen?

Ich kann jetzt nicht für das Bundeskartellamt sprechen, aber es wird zunehmend deutlich, dass der Breitband- und der Fernsehmarkt immer stärker konvergieren. Die Telekom hat das erklärte Ziel, im Fernsehmarkt Fuß zu fassen. Schon deswegen halten wir faire Chancen im Infrastruktur-Wettbewerb für angebracht.

Für Ihren Eigentümer dürfte der KDG-Verkauf die einzige Möglichkeit sein, eine angemessene Rendite aus dem Investment zu erzielen. Gleichzeitig gibt es Gerüchte, dass Vodafone sehr am Einstieg in den deutschen Festnetzmarkt interessiert ist. Passt das zusammen?

Ein internationaler Telekommunikationskonzern, der in Deutschland eine leistungsfähige und zukunftssichere Festnetz-Infrastruktur erwerben will, der hat nicht allzu viele Möglichkeiten: Da gibt es Kabel, und da gibt es Kabel. Mehr kann ich Ihnen dazu nicht sagen.

Das Gespräch führte Henning Peitsmeier.

Quelle: F.A.Z.
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