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Jack Ma : „Wir werden vier Stunden am Tag arbeiten“

Jack Ma ist Gründer und Vorsitzender des chinesischen Internetunternehmens Alibaba. Bild: Reuters

Jack Ma ist Chinas bekanntester Unternehmer, Milliardär und Technologie-Visionär. Und er vertritt gewagte Thesen – nicht nur zur Zukunft der Arbeit, sondern auch zu einem möglichen nächsten Weltkrieg.

          Jack Ma ist auf großer Mission. Er reist um die Welt und wirbt für technischen Fortschritt und Globalisierung in einer Zeit, in der beides in die Kritik geraten ist. Gerade deswegen ist er unterwegs - nicht nur, um die Vorzüge von freiem Waren-, Dienstleistungs- und Datenverkehr zu preisen, sondern auch, um zu warnen. „Ich bin überzeugt davon, dass die Globalisierung gut ist. Aber sie muss besser gestaltet werden – Globalisierung sollte jeden einbeziehen“, sagte er nun in einem spannenden Interview mit dem amerikanischen Finanzsender CNBC.

          Alexander     Armbruster

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ma kennt dabei vieles aus eigener Anschauung. Er ist Internetunternehmer in China, hat die Online-Plattfom Alibaba gegründet und ist dadurch Milliardär geworden. Zum chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping soll er einen guten Draht haben.

          Eine Chance der Globalisierung sieht Ma gerade für kleine und mittelgroße Unternehmen, die lokal ihre Produkte herstellen, sie aber durch technischen Fortschritt auf der ganzen Welt vertreiben können (werden). Davon hängt seiner Ansicht nach gerade deswegen viel ab, weil ebenjener technische Fortschritt viele Berufe infrage stellen werde. „Wenn wir den lokalen Anbietern nicht dabei helfen können, globale Anbieter zu werden, wird das ein großes Problem werden. (...) Eine Möglichkeit, Arbeitsplätze zu schaffen, eine der besten, besteht darin, lokalen Anbietern zu ermöglichen, ihre Produkte überall zu verkaufen.“

          Ma hält dritten Weltkrieg für möglich

          Und wie ist das angesichts von Regierungen, die zunehmend die weltwirtschaftliche Verflechtung infrage stellen? Und wie er sich fühle, gegen so einen Strom zu schwimmen, wird er dann gefragt. „In den vergangenen 18 Jahren habe ich Internetgeschäft in China gemacht – und jeden Tag bekamen wir Kritik. Wenn du an etwas glaubst, gibt es immer viel Kritik. Aber wenn du wirklich überzeugt bist, verbessere es. (...) Letztes Jahr bin ich 870 Stunden mit dem Flugzeug geflogen, dieses Jahr werden es mehr als 1000 Stunden sein...“ Und warum?, fragt ihn der Moderator. Warum zum Beispiel die vielen Treffen mit ausländischen Regierungschefs? „Um sie davon zu überzeugen, dass die Globalisierung gut ist. Dass Freihandel gut ist. Davon, dass die kleinen Unternehmen Treiber der Globalisierung sein werden.“ Und dann redet er immer vehementer: „Du kannst die Globalisierung nicht stoppen, die Welt wird so klein. Das Internet, (günstige) Flugtickets und Menschen, die um die Welt reisen – wie kannst du das stoppen? (...) Und wenn du das nicht stoppen kannst, musst du es verbessern.“

          Er gab sich überzeugt davon, dass sich auch die im Januar ins Amt gekommene amerikanische Regierung des Präsidenten Donald Trump dem letztendlich nicht verschließen werde – trotz der von dieser Seite vielfach vorgebrachten Kritik. Die wachsende chinesische Mittelschicht habe etwa ein großes Interesse an mehr Produkten aus den Vereinigten Staaten. Am vergangenen Wochenende, erklärte Ma, seien beispielsweise zwei Millionen in Amerika hergestellte Lippenstifte über die Handelsplattform Alibaba verkauft worden – innerhalb von 15 Minuten. Im Gespräch mit Trump hatte Ma diesem bereits in Aussicht gestellt, in den kommenden fünf Jahren eine Million Arbeitsplätze in Amerika zu ermöglichen durch die Verkaufskanäle, die sein Unternehmen amerikanischen Firmen in China bieten könne.

          Die Umwälzungen durch technischen Fortschritt und Globalisierung werden, das erklärte er in dem Gespräch mit CNBC ebenfalls, allerdings gravierend sein. Künstliche Intelligenz etwa könnte Menschen gestatten, viel weniger als bislang zu arbeiten. „Glauben Sie es oder nicht, ich denke, in den nächsten 30 Jahren werden Menschen vier Stunden am Tag arbeiten und vielleicht vier Tage die Woche“, so Ma und fügte hinzu: „Mein Großvater arbeitete 16 Stunden am Tag in der Landwirtschaft und er dachte, er war sehr beschäftigt. Wir arbeiten acht Stunden am Tag und denken, wir sind sehr beschäftigt.“

          In den kommenden 30 Jahren wird künstliche Intelligenz seiner Ansicht nach menschliches Wissen überholen und ausstechen. Viele Arbeitsplätze würden dadurch wegfallen. Diejenigen, die mithalten können mit dieser Entwicklung, „werden reich, werden erfolgreicher sein“. Denjenigen, die dadurch zurückgelassen werden, sagt er, der Lehrer war bevor er Internetunternehmer wurde, eine „schmerzhafte“ Zeit voraus.

          Davon ausgehend zeichnet er auch ein sehr düsteres Szenario für den Fall, dass sich die Gesellschaften nicht rechtzeitig darauf einstellten. „Diese technologische Revolution könnten den dritten Weltkrieg auslösen“, so Ma. So wie vorangegangene große technologische Umwälzungen seiner Ansicht nach ebenfalls mitursächlich für Weltkriege waren. Er hält das nicht für das wahrscheinlichste Szenario, denn es gibt seiner Ansicht nach noch genug Zeit, das zu verhindern. Er fährt um die Welt, um nach eigener Aussage gerade auch Regierungen Dampf zu machen. Denn auch für Alibaba hängt schließlich viel davon ab.

          Quelle: FAZ.NET

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