07.01.2009 · Apple hatte auf der Macworld wenig zu bieten. Der Verzicht auf den Kopierschutz in iTunes sollte die große Sensation sein. Sie ist es aber nicht. Die wenigsten Kunden werden davon etwas mitbekommen. Und die Musikindustrie muss erst einmal abwarten.
Von Marco DettweilerApple konnte auf der Macworld die Welt wenig beeindrucken. Es gab letztlich nur zwei „One-more-things“ von Apples Vize-Präsident Phil Schiller während der Eröffnungsrede: das neue MacBook Pro mit 17-Zoll-Display und die Befreiung des iTunes-Store von der Kopierschutz-Fessel. Ab sofort können deutsche iTunes-Kunden acht Millionen Titel ohne Kopierschutz (also ohne DRM-Format) kaufen, weitere zwei Millionen Songs kommen bis Ende März dazu. „Wir haben die vier großen Musikverlage an Bord, dazu noch viele Independents“, sagte Phil Schiller in San Francisco.
Die Preise werden sich ebenfalls ändern: Nachdem es bisher nur einen Einheitspreis von 99 Cent pro Titel gab, werden nun ältere Songs meist nur noch 69 Cent kosten und aktuelle Hits in der Regel für 1,29 Euro verkauft. Ebenso können sich Kunden für 30 Cent pro Titel freikaufen vom Kopierschutz ihrer bereits erworbenen Lieder. Nun folgern Nutzer aus dieser Ankündigung möglicherweise, sie könnten mit ihren gekauften Alben tun, was sie wollen. Technisch gesehen ist das sogar richtig. Nach dem Download im iTunes-Store, der jetzt die Titel mit der besseren Bitrate von 256 Kilobits pro Sekunde anbietet, können die Dateien „frei“ kopiert werden: in Form von CD-Brennen, Speichern auf Festplatten, Transferieren auf Abspielgeräte, Verschieben auf FTP-Server oder Versenden per Mail.
„Das ist eine konsequente Entscheidung“, sagt Till Kreutzer von iRights.info, einem Internetportal, das sich mit dem „Urheberrecht in der digitalen Welt“ beschäftigt. Die Musikindustrie sei schon mit einem Kopierschutz für Audio-CDs gescheitert. Nun habe sie wohl auch eingesehen, dass das DRM-Modell bei Online-Musik ebenfalls nicht funktioniere. Warum solle ein Kunde etwa bei iTunes für ein Album bezahlen, wenn die Dateien auch noch kopiergeschützt sind, sagt Kreutzer.
Tot, aber nicht frei
Auch wenn der Kopierschutz nun „beerdigt“ (Spiegel Online) ist: Gesetzlich gesehen sind die gekauften Titel keineswegs frei von Fesseln. Jedenfalls vor dem Gesetz nicht. Denn das Urheberrechtgesetz schränkt die Anfertigung von Kopien ein. Für die Online-Alben von iTunes gelte gesetzlich nun das Gleiche wie für Audio-CDs, sagte Kreutzer. Die Daten, sei es in CD- oder Dateiform, dürfen - sofern sie keinen Schutz haben - für den Privatgebrauch kopiert werden. Darin sind nicht nur Sicherungskopien oder Kopien fürs Autoradio gemeint, sondern auch Kopien für die Familie oder Freunde. Die Befugnis, Privatkopien zu machen, bleibt laut Urheberrechtgesetz aber immer noch auf „einige“ eingeschränkt. Die Anzahl von sieben Kopien sei dabei nur eine Richtlinie, die sich aufgrund eines BGH-Urteils fälschlicherweise als vom Gesetz vorgegeben in der Öffentlichkeit durchgesetzt hat. Von maximal sieben Kopien stünde aber nichts im Gesetz, so Kreutzer von iRights.
Die Musikindustrie selbst hat sich zu Apples Entscheidung, den Kopierschutz fallen zu lassen, bisher noch nicht geäußert. Zu diesem Thema sind kaum Statements der großen Musiklabels wie Universal, Sony BMG oder Warner zu bekommen. Der Bundesverband Musikindustrie hält sich ebenfalls zurück. „Ob der weitgehende Verzicht auf eingeschränkte Kopiermöglichkeiten wirklich ein zusätzlicher Turbo für den schnell wachsenden Online-Markt ist, werden wir erst in einigen Monaten wissen“, sagte Geschäftsführer Stefan Michalk. Das zugrundeliegende Modell könnte eine Chancen-Risiko-Abwägung sein. Es wäre etwa denkbar, so Michalk, dass die Labels aufgrund höherer Preise und fehlenden Kopierschutzes mehr umsetzen, als sie nun durch möglicherweise zunehmende Verbreitung verlieren.
Sensation, die keine ist
Marketing-Chef Phil Schiller hat also auf der Macworld ganz im PR-Stil Steve Jobs' eine Sensation angekündigt, die letztlich gar keine ist. Einerseits hat Apple schon Ende Mai 2007 iTunes Plus eingeführt. Für diese „Premium Downloads“ galten genau die gleichen Kriterien, die jetzt für alle iTunes-Titel gelten sollen: Sie kosten 1,29 Euro und haben eine Bitrate von 256 KBit/s. Jedoch war das Musikangebot auf die Künstler des Majorlabels EMI eingeschränkt. Andererseits werden die meisten iTunes-Nutzer von der „Beerdigung“ des Kopierschutzes wenig spüren.
Denn bisher durften die iTunes-Nutzer ihre gekauften Alben auf fünf - frei wählbaren - Geräten abspielen und eine Playlist, also etwa ein Album, sieben mal auf CD brennen. Wer sich allerdings im Netz informierte, wusste seine Möglichkeiten zu erweitern. So konnte man ein Album brennen und gleich wieder importieren, somit waren die Titel von ihrer elektronischen Fußfessel befreit. iTunes ließ irgendwann in der Version 7 zu, dass Lieder vom iPod auf den Rechner transferiert werden können. All dies dürfte für die meisten Käufer ausgereicht haben, um uneingeschränkt mit ihrer Musik umzugehen. Es werden in Zukunft wahrscheinlich keine Käufer hinzukommen, nur weil es jetzt keinen Kopierschutz mehr gibt.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3195 | −0,67% |
| Rohöl Brent Crude | 117,61 $ | −0,91% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |