07.03.2005 · Professionelle Internetkriminelle statt jugendlicher Virenschreiber: Von steigender Nachfrage nach Sicherheit profitieren Unternehmen wie Symantec, Kaspersky, Trend Micro, Messagelabs oder F-Secure.
Als Eugene Kaspersky, russischer Antiviren-Spezialist, Anfang Januar in seinem Internet-Tagebuch über Computerviren in der Bordelektronik einiger Modelle der japanischen Automarke Lexus spekulierte, sorgte er für große Aufregung. Sind nach Computern und Handys nun auch Autos nicht mehr vor Schädlingen aus Bits und Bytes sicher? Lexus dementierte die Gefahr zwar, doch der Computerkonzern IBM legte in einem Sicherheitsbericht noch einmal nach: Computerschädlinge machen bald auch vor Autos nicht mehr halt, lautete die Warnung.
Im Durchschnitt gebe es schon heute in jedem Auto 20 Prozessoren und 60 Megabyte Software, die anfällig seien für Viren. "Die Gelegenheiten für Attacken auf Sicherheitssysteme in Autos haben sich vervielfacht", sagt IBM-Sicherheitsspezialist Stuart McIrvine. Als mögliche Einfallstore gelten die Navigations- und Kommunikationssysteme, die häufig mit gewöhnlichen Betriebsystemen für Kleincomputer ausgerüstet sind. Ob die Viren von dort in die Fahrzeugelektronik gelangen können, ist unter Fachleuten aber noch umstritten.
Bot-Netze, Werbe-Mails, Phishing
Sicher ist dagegen bereits, daß die Gefahren im Internet stetig größer werden. Statt der jugendlichen Virenschreiber vergangener Jahre sind heute eher professionelle Internetkriminelle am Werk, die über das Netz spionieren, Unternehmen erpressen oder schädigen wollen, hat eine Studie der ETH Zürich im Auftrag des amerikanischen IT-Sicherheitsunternehmens McAfee herausgefunden. Vor allem sogenannte Bot-Netze, die gezielte Massenattacken auf Unternehmen ausführen, aber auch unerwünschte Werbe-Emails und Phishing-Mails in großem Stil senden können, gewinnen täglich an Bedeutung. Diese Bot-Netze werden inzwischen für Preise um die 80 Euro je Stunde vermietet, hat der Züricher Computerkriminologe Peter Troxler herausgefunden. Besonders beliebt unter den Internetkriminellen scheinen zur Zeit auch die Phishing-Sites zu sein, mit deren Hilfe Bankkunden oder Ebay-Nutzern ihre geheimen Paßwörter entlockt werden sollen. Nach Angaben der Anti-Phishing Working Group ist die Zahl der Phishing-Sites im Januar sprunghaft auf 2560 Seiten gestiegen.
Sicherheit oben auf der Prioritätenliste
Sicherheit steht daher in diesem Jahr abermals ganz oben auf der Prioritätenliste der Informationstechniker, hat eine Umfrage der Unternehmensberatung Cap Gemini unter den IT-Chefs großer Unternehmen ergeben. Im hausinternen Verteilungsstreit um die stets knappen IT-Budgets wollen mehr als die Hälfte der Verantwortlichen großer deutscher Unternehmen in den kommenden Jahren mehr Geld ausgeben als bisher, hat Cap Gemini herausgefunden. Nur 3 Prozent der Unternehmen wollen an der Sicherheit sparen. Auch die Mittelständler müssen das Thema inzwischen ernst nehmen: "Viele Unternehmer wissen noch gar nicht, daß gesetzliche Sicherheitsvorschriften einzuhalten sind und daß sie sogar persönlich haften können, wenn diese Vorschriften nicht eingehalten werden. Zu diesen Vorschriften gehören die Gewerbeordnung, das Datenschutzgesetz, das Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG) und sogar die Eigenkapitalvorschriften nach Basel II", sagt Petra Jenner, Geschäftsführerin des israelisch-amerikanischen Sicherheitsunternehmens Checkpoint.
Von der steigenden Nachfrage nach Sicherheit profitieren Unternehmen wie Symantec, Kaspersky, Trend Micro, Messagelabs oder F-Secure, die sich auf der Cebit in der Halle 7 tummeln. Allerdings hat der Milliardenmarkt Sicherheit auch die Begehrlichkeit der Branchengiganten Microsoft, IBM und Cisco geweckt. Mit Allianzen und Akquisitionen holen sich die drei Unternehmen zur Zeit das notwendige Wissen an Bord, um ihre Standardprodukte um Sicherheitsfunktionen zu erweitern. Die Bereinigung auf dem Markt für IT-Sicherheit hat gerade erst angefangen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.382,79 | +0,44% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2534 | −0,06% |
| Rohöl Brent Crude | 106,82 $ | −0,41% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
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