10.09.2008 · Steve Jobs ließ es abermals rocken in San Francisco: Apple hat fast allen iPod-Familienmitgliedern ein neues Gesicht verpasst und ihnen ein paar Gigabyte mehr beigelegt. Doch es zeigt sich, dass Apple ästhetisch an seine Grenzen stößt.
Von Marco DettweilerWenn Steve Jobs auf einer Veranstaltung wie „Let's rock“ in San Francisco auf die Bühne tritt, sind zwei Sachverhalte sicher: Er wird wie immer einen schwarzen Rollkragenpulli tragen und neue Apple-Produkte präsentieren. Was weniger sicher ist und die appleinteressierten Blogger nur vermuten können: Wie sehen die neuen Geräte aus und wie sind sie technisch ausgestattet? Der Apple-Chef hat das inszenierte Geheimnis in seiner gewohnten Art gelüftet.
Aus Kundensicht sieht Jobs' Botschaft so aus: Bis auf den Shuffle haben alle iPod-Modelle ihr Aussehen verändert, sind günstiger geworden und haben mehr Speicherplatz. Am wenigsten auffällig gestaltet sich die Produktauffrischung beim Classic: Etwas schlanker ist der Vater der iPod-Familie geworden. Dafür hat er beim Speicherplatz zugelegt. Von nun an gibt's für 239 Euro 120 Gigabyte. In schwarz oder weiß. Den ganz Dicken mit 160 Gigabyte nahm der Hersteller aus dem Programm. Seit der ersten iPod-Generation mit Clickwheel hat sich Apple hier mit Design-Attacken zurückgehalten und nur an den Details geschliffen.
Zufällig schütteln
Der Touch wurde von der Neugestaltung der iPod-Familie auch kaum berührt. Mit „schlankem neuem Design“ wirbt Apple. Und das ist es im Wesentlichen auch. Der kleine hat wie bisher 8 Gigabyte und der große 32. Die Preise beginnen bei 219 und enden bei 379 Euro. Allerdings sind ein paar technische Spielereien hinzu gekommen. So hat das Gerät von nun an einen Lautsprecher, an der Seite kann die Lautstärke unabhängig von Touchpad reguliert werden. Außerdem hat Apple Nike+ integriert, das bisher Jogger als zusätzliches Modul kaufen mussten. Jetzt muss nur noch der Sender im Schuh befestigt werden. Zudem soll aus dem MP3-Player auch eine Spielekonsole werden. Bekannte Spiele-Hersteller unterstützen Apple: „Spore Origins“, „Real Soccer 2009“ und „Need for speed“ können auch auf dem iPod Touch gespielt werden. Somit konkurriert das Produkt mit den Spielekonsolen von Sony und Nintendo.
Die auffälligste Änderung im Aussehen erfuhr der Nano. In neun Farben und neuer Form erinnert er an die erste Generation des Nano und letztlich an den Mini. Apple vollzieht somit eine Kehrtwende zurück zum ursprünglichen Design: rechteckig statt quadratisch, bunt statt schlichter Farben. Das aktuelle Modell hat eine leicht ovale Form. Was natürlich nicht fehlen darf: Der Nano ist noch dünner und hat noch längere Akkulaufzeit. Die Hersteller von Ski- oder Joggingkleidung hätten nur Geduld haben müssen. Die schmalen Taschen, die sie für den ersten Nano angefertigt hatten, würde jetzt wieder den richtigen Platz bieten. Vom Touch und iPhone hat der Nano noch zwei Merkmale geerbt: Per Schütteln des Players wird Zufallswiedergabe ausgelöst. Und die Darstellung des Displays passt sich an: Dreht der Nutzer seinen Nano, dreht sich die Darstellung mit. Aus Hochformat wird Querformat und umgekehrt.
Zurück zum Mini
Ansonsten hatte Steve Jobs noch ein paar Neuigkeiten über iTunes mitzuteilen. Der Online-Laden sei mittlerweile der weltgrößte Musikhändler. Für 65 Millionen Kunden stünden 8,5 Millionen Titel im Angebot. Musik ist das Kerngeschäft, doch Apple setzt weiterhin auf der Verkauf von Fernsehhäppchen. Bald können Kunden Sendungen in HD-Qualität kaufen. Die Software wurde ebenfalls erneuert. iTunes 8 hat eine Funktion namens Genius, die auf Wunsch automatisch Song-Listen ausgehend vom Musikgeschmack des Benutzers zusammenstellt.
Steve Jobs konnte also nicht wirklich überraschen. Die Spekulationen der Blogger erwiesen sich als ziemlich exakt. Sogar bei der Voraussage des Aussehens des neuen Nanos lag man fast richtig. Doch gerade dieses Modell zeigt auch, dass die Möglichkeiten mit neuen Formen zu überraschen, immer weniger werden. Mit dem iPod Mini brachte Apple eine schmale und dünne Variante zum klassischen iPod heraus. Dann würde das Display größer und der Player noch schmaler. Die Entscheidung, den Nano quadratisch zu gestalten, nahm Apple nun wieder zurück und orientiert sich am Design der Vorgängermodelle. Scheinbar hat man die Form nun endgültig gefunden - oder man ist sich nicht sicher, wo man hin will.