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iPhone Schlange gestanden? Selbst schuld!

30.06.2007 ·  Apple-Fans haben sich tagelang für das iPhone angestellt. Unnötig, denn es war leicht, eines zu kriegen. Aber die Schlangesteher hatten Spaß. Und einer bekam sein iPhone von Whoopi Goldberg geschenkt. Von Roland Lindner, New York.

Von Roland Lindner
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Die Szene wirkt fast zwielichtig. Greg Toft drückt einem jungen Mann ein kleines Bündel Geldscheine in die Hand, es werden keine großen Worte gewechselt, die beiden Männer blicken sich nur kurz an und verstehen sich. Nein, Greg Toft hat keine Drogen gekauft und auch sonst nichts Illegales getan, der 35 Jahre alte Lehrer hat einen Platz weit vorne in der Schlange vor dem Apple-Laden im New Yorker Stadtteil Soho erstanden.

Es ist Freitag um 15 Uhr, drei Stunden vor dem Verkaufsbeginn des Apple-Handys iPhone. Toft ist vor zehn Minuten angekommen und hat sich erst hinten angestellt - die Schlange ging zu diesem Zeitpunkt schon um zwei Häuserblocks herum, mit hunderten von Menschen. Der junge Mann habe ihn angesprochen und Platz Nummer sechs in der Schlange angeboten. Toft griff für 100 Dollar zu.

1500 Dollar für einen Platz in der Schlange

„Ein Schnäppchen ist das“, sagt Christine Wang, die neben ihm sitzt und Platz Nummer fünf hält. Die 20 Jahre alte Studentin will selbst gar kein iPhone für sich, sondern ist für die wohltätige Organisation „Keep the child alive“ da, die seit Dienstag morgen die ersten fünf Plätze besetzt. Die Gruppe beschafft Medikamente für AIDS-infizierte Kinder in Afrika und will ihre iPhones nachher versteigern. Wang erzählt, ihr habe schon jemand 1500 Dollar für ihren Platz angeboten. Was Greg Toft wirklich für ein Schnäppchen gemacht hat, kann er zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen. Denn ein paar Stunden später wird die Schauspielerin Whoopi Goldberg ein iPhone für ihn kaufen, das Gerät wird ihn keinen Cent kosten.

Es ist iPhone-Tag in Amerika. Um Punkt 18 Uhr werden die 160 Apple-Läden und die 1800 Geschäfte des exklusiven Mobilfunkpartner AT&T anfangen, die Geräte zu verkaufen, um die seit Wochen ein riesiger Rummel gemacht wird - so viel, dass sich im ganzen Land manche Menschen schon Tage vorher vor den Geschäften anstellen.

Unter polizeilicher Überwachung

Nicht überall ist der Andrang gleich groß. Während in Soho und beim zweiten New Yorker Apple-Laden an der Fifth Avenue die ersten Kaufwütigen schon seit Tagen ausharren, geht es bei AT&T gemächlich zu. Frank Gardner war am Freitag morgen um 7 Uhr der erste, der sich beim AT&T-Laden am Broadway etwas nördlich von Soho anstellte. Es hat fast eine Stunde gedauert, bis sich Martin Sachs zu ihm gesellte. Beide Männer sind vielleicht nicht ganz die typischen Apple-Fans, wie man sie sich vorstellt. Gardner ist 46 Jahre alt, Sachs sogar 65 Jahre und kann sich noch erinnern, als er zum letzten Mal bei einem Großereignis in der Schlange stand (der erste „Star Wars“-Film im Jahr 1977). Aber beide bezeichnen sich als Technik-Freaks, und Sachs meint, das iPhone sei bestimmt das wichtigste neue Gerät, das seit langem auf den Markt gekommen ist. Hier bei AT&T ist es recht ruhig: Um halb vier Uhr stehen rund 40 Menschen an.

An der Fifth Avenue sieht es derweil ganz anders aus. Je näher die Uhr auf 18 Uhr zugeht, umso größer wird der Andrang. Vor dem unterirdischen Laden mit dem Glaswürfeleingang sind mittlerweile Absperrungen aufgebaut worden, die Schlange zieht sich über mehrere Häuserblocks. Massen von Fernsehkameras stehen vor dem Geschäft, die Polizei ist angerückt und überwacht das Treiben, die Kaffeekette Starbucks hat eine Abordnung von Mitarbeitern geschickt, die Kaffee an die Wartenden verteilen.

Vorhang auf

Um Punkt 18 Uhr öffnen sich die Türen des Glaswürfels. Eine Horde von Apple-Mitarbeitern kommt heraus und bildet ein Spalier. Die Wartenden werden jetzt nach unten gelassen, begleitet von großem Geschrei der Apple-Leute. Der Lärmpegel ist enorm, aber dafür, dass es sich hier um das Flaggschiff aller Apple-Geschäfte handelt, fühlt sich das Ganze trotzdem etwas flau an. Womöglich hatte man etwas zu viel erwartet nach dem Zirkus der vergangenen Wochen. Den Auftritt irgendwelcher Superstars vielleicht. Oder vielleicht sogar von Apple-Vorstandschef Steve Jobs. Oder irgendetwas, das totale Partystimmung vermittelt.

Stattdessen passiert nur dies: Die in der Schlange stehenden Leute gehen, umjubelt vom Apple-Personal, das offenbar nichts anderes zu tun hat, nach unten in das Geschäft. Und sie kommen, umjubelt vom Apple-Personal, mit einem iPhone wieder herauf. Damit hat es sich. Die ersten iPhone-Käufer werden von den Journalisten belagert. Zu einer Art Star wird dabei der in New York lebende Deutsche Norbert Pauli. Der 52 Jahre alte Diplomat war die Nummer sechs in der Schlange, und hat im Wechsel mit seinem Sohn Kai seit Mittwoch vor dem Laden ausgeharrt. Pauli lässt sich überreden, sein iPhone auszupacken und herzuzeigen, und in dem Moment stürzen sich massenweise Journalisten und Kameraleute auf ihn. Die nächsten 45 Minuten verbringt er damit, Fragen zu beantworten und wirkt dabei selbst ein bisschen verdattert von dem ganzen Theater, das um ihn gemacht wird.

„Die Aktion war ein großer Spaß“

Das lange Anstehen wäre nicht nötig gewesen. Der Apple-Laden hat offenbar genug iPhones auf Lager, und die Schlange bewegt sich sehr schnell, nachdem der erste Trubel vorbei ist. Wenn man sich um 19 Uhr ans Ende der Schlange stellt, ist man 10 Minuten später im Laden. Norbert Pauli ist das egal: „Natürlich hätte man sich nicht so lange anstellen müssen. Aber die Aktion war ein großer Spaß“.

Auch Greg Toft, die Nummer sechs vom Apple-Laden in Soho, ist selig. Einen Anruf am Freitag abend um halb neun beantwortet er mit einem freudigen: „Ich telefoniere gerade auf meinem neuen iPhone mit Dir“. Toft ist begeistert: „Das Ding ist der Wahnsinn. Ich spiele seit Stunden damit. Der Touchscreen funktioniert 1A“, sagt er und meint den berührungsempfindlichen Bildschirm, das charakteristische Merkmal des iPhone. Für Toft ist es noch aus anderem Grund ein Glückstag, wie er erzählt. Denn als er vor dem Laden anstand, kam auf einmal die Schauspielerin Whoopi Goldberg daher. Da jeder Schlangesteher zwei Geräte kaufen durfte, ließ er Goldberg auf seinem Ticket mitgehen. Die ließ sich nicht lumpen und zahlte für sein iPhone gleich mit.

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Jahrgang 1970, Wirtschaftskorrespondent in New York.

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