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iPhone-Bewegungsprofile „Weder neu, noch geheim“

22.04.2011 ·  Das iPhone und iPad speichern die Aufenthaltsorte ihrer Nutzer. Mit dieser Information haben Softwarespezialisten für einen Aufschrei gesorgt. Doch die Tatsache, dass Apple die besagten „Geheimverzeichnisse“ unterhält, sei weder neu noch geheim, bemängeln nun andere Computerexperten.

Von Stephan Finsterbusch
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Apple steht in der Kritik. Nach Rekordergebnissen im vergangenen Quartal, einem Kurshoch an der Börse und weiterhin guten Aussichten auf Wachstum und Gewinn sieht sich das IT-Unternehmen nun Vorwürfen ausgesetzt, es sammle und archiviere millionenfach Informationen von Nutzern von iPhones und iPads und nutze dafür eine Art Geheimverzeichnisse in den Betriebssystemen seiner Computer.

Die Softwarespezialisten Alasdair Allan und Pete Warden hatten Mitte der Woche während der Vorstellung eines neuen Computerprogramms erklärt, dass diese Geheimverzeichnisse detaillierte Daten zum Aufenthaltsort des Nutzers und zum Zeitpunkt und Datum der Anwendung seines iPhones oder iPads enthielten. Damit ließen sich Bewegungsprofile erstellen (iPhone und iPad merken sich Aufenthaltsorte).

Datenschützer in aller Welt schrien auf, sprachen vom „gläsernen Menschen“ und vom „Datencracker“ Apple. Das Unternehmen schweigt bislang dazu. Kein Wunder: Die Ordner, um die es geht, scheinen weder neu, noch geheim zu sein. Auch steht das Unternehmen mit seiner Methode des Sammelns von Kundendaten nicht allein da. Ist es doch in der Telekommunikationsbranche üblich, detaillierte Informationen zu den Aufenthaltsorten der Handy-Nutzer zu erfassen und zu speichern.

Die vermeintlichen Geheimordner sind gar nicht so geheim

„Apple betreibt keine gezielte Ernte der jetzt in Frage stehenden Daten“, schreibt der Programmierer Alex Levinson auf seiner Internetseite. Auch seien die vermeintlichen Geheimordner „seit Monaten bekannt“. Schon im vergangenen Jahr legte Levinson mit einem Kollegen entsprechende Ergebnisse vor. Hatte er doch mit dem Softwareprogrammierer Sean Morrissey im Sommer 2010 in einer Arbeit am Rochester Institut of Technology die verschiedenen Softwaresysteme von Apple analysiert.

Dabei stellten sie Spezialordner mit den Namen „consolidated.db“ ins Zentrum der Untersuchung. Die Ergebnisse stellten sie im Januar auf einer Fachkonferenz in Hawaii vor. Darüber hinaus hatte Morrissey im Dezember unter dem Titel „iOS Forensic Analysis“ ein Fachbuch über die Untersuchungen der komplexen Betriebssysteme der verschiedenen Apple-Gerätetypen herausgebracht. Dort geht er in Kapitel 10 „Network Forensic“ auf das nun ins Blickfeld der breiten Öffentlichkeit gerückte Sammeln von Kunden-Geodaten ein.

Die entsprechenden Dateiordner, die es in nahezu allen Betriebssystemen für Handys und mobile Computer aller Art gibt, sind notwendig, um einen stabilen Datenverkehr zu gewährleisten. Sie tragen allerdings unterschiedliche Bezeichnungen. Diese waren von Apple im vergangenen Jahr während der Veröffentlichung einer neuen Softwareversion von „h-cell.plist“ zu „consolidated.db“ umbenannt worden. Auf diese Ordner ist nun Alesdair Allan gestoßen und machte das mit großem Rummel publik.

Allan ist ein Spezialist für die Entwicklung von Computerprogrammen zur Sichtbarmachung von Handydaten. Er hatte eigenen Angaben zufolge vor wenigen Wochen entdeckt, dass es im Apple-Betriebssystem OSX eine Reihe von Dateien gebe, die massenhaft und unverschlüsselt Angaben von Orten, Daten und Uhrzeiten enthielten. Er fand heraus, dass diese Informationen aus der Ortungsfunktion von iPhones und iPads stammten, mit denen die über das Apple Betriebssystem OSX gesteuerten Apple-Computer verbunden seien.

Allan schloss daraus, dass sich die jeweiligen Geodaten beim Anschließen an den Computer über die Apple-Datenbank iTunes per Synchronisationsfunktion in den Back-up-Bereich übertrugen. „Es ist ziemlich offensichtlich, dass einige Leute von diesem System wussten, aber sie haben bislang nicht darüber gesprochen“, heißt es auf seiner Internetseite. Das stellt Levinson in Abrede. „Als Entwickler-Kollege finde ich ja gut, was die beiden machen. Aber ich muss sagen, da haben sie wohl unsere Ergebnisse übersehen.“

Viel Resonanz in der Öffentlichkeit

Dennoch trafen Allan und Ward mit ihren Resultaten auf viel Resonanz in der Öffentlichkeit. Steht Apple doch schon seit einiger Zeit heftig in der Kritik. Anders als viele andere Unternehmen der IT-Branche setzt Apple auf ein geschlossenes System zwischen Computer und Software. Das heißt: Apple-Programme laufen in der Regel nur auf Apple-Geräten. Alles, was das System aufbrechen könnte, wird vom Apple-Betriebssystem blockiert.

Darüber hinaus sammelt, anonymisiert und archiviert Apple seit drei Jahren hausintern über Millionen von iPhones seiner Kunden Informationen zu drahtlosen Netzwerken in aller Welt. Damit soll die stets reibungslose Nutzung der Geräte sichergestellt werden. Zur Verwaltung dieser Informationsberge baute Apple eine spezielle Datenbank auf, wie das Management des Unternehmens im vergangenen Jahr in einer Anhörung gegenüber Mitgliedern des amerikanischen Kongresses einräumte. Wichtige Funktionen der Datenbanksysteme des Unternehmens kommen von der deutschen SAP AG.

Wie diese Datenbank im Detail funktioniert - darüber hat Apple bislang keine Auskunft gegeben. Softwarespezialisten wie Levinson oder Allan hatten sich daraufhin an die Feinarbeit gemacht. Während Levinson das Thema vor allem theoretisch betrachtete, machte sich Allan an die Praxis. Er entwickelte gemeinsam mit dem Programmierer Pete Warden eine Software, welche die jeweiligen Datenordner im Computer ausfindig macht, die dortigen Angaben erfasst, sie auswertet und dann auf Landkarten überträgt. Dort lassen sich schließlich die Bewegungen der jeweiligen Nutzer der iPhones nachzeichnen. Nutzer von Geräten der Marke Apple mit einem Apple-Betriebssystem können sich die Software von Allan und Warden auf ihre Computer herunterladen und leicht aktivieren.

Keine Hinweise darauf, dass die Daten analysiert und weiterverwendet werden

Bislang gibt es sowohl nach Einschätzung von Allan, wie auch von Levinson keine Hinweise, dass die in den Apple-Geräten gesammelten Daten auf große Netzwerkrechner übertragen, analysiert und weiter verwendet werden. Warum Apple diese Informationen der iPhone- und iPad-Nutzer dann in den einzelnen Geräten archivieren lasse, sei nicht klar. Ein Problem ist nach den Worten von Allan und Warden, dass Apple anders als andere Telekommunikationsunternehmen, die Kundendaten unverschlüsselt in einfachen Back-up-Ordern speichern lasse. Das mache sie zugänglich für alle, die an die jeweiligen Geräte herankämen.

Auf Hunderten von Internet-Foren hagelte es Kritik. Datenschützer in Deutschland zeigten sich alarmiert. Politiker riefen nach strengeren Richtlinien. Warden, der laut Internetseite seines Kollegen Allan fünf Jahre lang als Programmierer für Apple tätig war und das Unternehmen vor drei Jahren verlassen hatte, erklärte, es sei höchst spekulativ, was Apple mit diesen Datensammlungen im Sinne habe.

So könne das Unternehmen möglicherweise an einem neuen System von Applikationen, zum Beispiel ortsgebundener Werbung arbeiten. Diese könne direkt auf das Mobiltelefon des jeweiligen Kunden gespielt werden. Dieses Verfahren gilt in der Werbewirtschaft als ein überaus gewinnversprechender Wachstumsmarkt.

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Jahrgang 1966, Redakteur in der Wirtschaft.

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