11.08.2006 · Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über enttäuschte Aktionäre, die neue Konzernstrategie und sinkende Preise für die Kunden.
Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke im Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ über enttäuschte Aktionäre, die neue Konzernstrategie und sinkende Preise für die Kunden.
Herr Ricke, wie erklären Sie Ihren Aktionären die schlechten Zahlen der Deutschen Telekom und die deutlich reduzierte Prognose für die Jahre 2006 und 2007?
Mit der Intensität des Wettbewerbs in Deutschland, wie wir sie in den vergangenen sechs Monaten in Deutschland gesehen haben, haben wir und viele externe Experten nicht gerechnet. Die Konkurrenz hat uns im ersten Halbjahr eine Million Festnetzkunden abgenommen. Das sind deutlich mehr als die 750.000, die wir budgetiert hatten. Ich gehe kurzfristig sogar von einer weiteren Verschärfung des Wettbewerbs aus. Das ist einer der Gründe für die Korrektur der Prognose und die neue Guidance.
Wie reagiert die Telekom auf diese plötzliche Verschärfung des Wettbewerbs?
Wir werden mit aggressiven Preis-, Produkt- und Servicemaßnahmen an den Markt gehen. Auf der finanziellen Seite konzentrieren wir uns künftig nicht mehr vor allem auf die kurzfristige Steigerung des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sondern auf eine mittel- und langfristige Maximierung des Mittelzuflusses - aus dem dann attraktive Dividenden gezahlt werden können. Von denen profitieren sowohl die institutionellen als auch die privaten Anleger. Die Kernfrage der Investoren lautet heute, ob die Telekom in der Lage ist, langfristig einen hohen Mittelzufluß zu erzeugen aus dem stabile Dividenden gezahlt werden können. Die Telekom ist dazu in der Lage.
Das klingt wie ein Abschied von der Wachstumsgeschichte des High-Tech-Konzerns.
Absolut nicht. Fakt ist aber, daß der Konzern zur Kenntnis nehmen mzß, daß er in Deutschland nicht mehr wächst. Wir erwarten jeweils ein moderates Wachstum im Mobilfunk und im Festnetzgeschäft. Das heißt: Wir sind hier mitten im Verdrängungswettbewerb. Im Ausland sieht es allerdings etwas anders aus.
Wird die Telekom damit zu einem Versorgungsunternehmen mit moderater Entwicklung des Aktienkurses?
Derzeit scheinen wir dem Profil eines Versorgers mit moderat wachsenden Umsätzen, einem stabilen Mittelzufluß und einer stabilen Dividendenrendite ähnlich zu werden. Aber unsere Branche ist doch viel stärker von Phantasien geprägt, die von Innovationen, Technologiesprüngen und neuen Wachstumschancen gespeist wird.
Ist Ihr Verhältnis zu Klaus Zumwinkel, dem Aufsichtsratsvorsitzenden der Telekom, denn noch so ungetrübt, wie vor der Vorlage der Quartalszahlen?
Ja. Herr Zumwinkel ist ein hervorragender Aufsichtsratsvorsitzender.
Und das Verhältnis zum Großaktionär Bund. Wie unglücklich ist die Budnesregierung über den Kursverlauf der Aktie?
Das Verhältnis ist gut. Daneben besteht meine Aufgabe für alle Aktionäre, den Aktienkurs zu steigern.
Was ist denn mit dem neuen Großaktionär Blackstone? Der hat seit seinem Einstieg viel Geld verloren.
Da müssen Sie Blackstone selber fragen. Mein Job ist, das Vertrauen auf der Basis der neuen Ausrichtung des Konzerns zurückzugewinnen. Ich bin überzeugt davon, daß mir das gelingen wird.
Sie haben ein Sparprogramm für die Deutsche Telekom angekündigt. Welche Unternehmensbereiche werden davon betroffen sein?
Wir werden uns alle Budgets ansehen und dann schauen, ob sie der neuen Marktsituation noch gerecht werden. Davon sind die Produktion und Informationstechnik ebenso betroffen wie die Werbung, der Vertrieb und auch die Investitionen.
Werden die Investitionen denn weiter zurückgefahren?
Die Investitionen werden sich den neuen Zielen unterordnen. Aber wir sparen uns nicht zu Tode. Sie müssen der Absicherung der Umsatzbasis dienen, also auch auf innovative Produkte einzahlen. Nehmen Sie das neue VDSL-Hochgeschwindigkeitsnetz in 10 Städten. Investitionen dienen auch der Rationalisierung wie bei der Umstellung des Netzes auf das Internet-Protokoll. Natürlich sehen wir uns jede Investition aber zwei Mal an. Noch eins: Mit 9 Milliarden Euro investieren wir 2006 so viel wie 2005 und 3 Milliarden Euro mehr als 2004.
Wird ein weiterer Stellenabbau - über das bisher bekannte Maß hinaus notwendig?
Unsere primäre Aufgabe besteht hier darin, den schon beschlossenen Personalumbau jetzt fortzusetzen. Wir gehen davon aus, daß wir im vierten Quartal auch Beamten eine Vorruhestandslösung anbieten können.
Es wird der Telekom häufiger vorgeworfen, daß sie sich in internen Grabenkämpfen verstrickt.
Wer jetzt noch nicht kapiert hat, daß wir alle an einem Strang ziehen müssen, hat in diesem Unternehmen keinen Platz mehr.
Das heißt auch die Spartenchefs Rene Obermann (T-Mobile) und Walter Raizner (T-Com) haben verstanden, worum es jetzt geht?
Wir liegen auf einer Linie. Walter Raizner und René Obermann haben klare Geschäftsfeldverantwortlichkeiten, sind aber in erster Linie Konzernvorstände
Das heißt, wird werden mehr Bündelprodukte der Telekom sehen, die von den verschiedenen Sparten des Konzerns bestückt werden?
Die Telekom wird nach der für den Herbst angekündigten neuen Tarifstruktur der führende Anbieter von Pauschalpreisen oder Flat-Rates in Europa sein. Wir werden ein Bündel aus Telefonanschluß, DSL inklusive aller Festnetzgespräche und dem Internetzugang für deutlich weniger als 40 Euro anbieten. Genaueres werden wir Anfang September vorstellen.
Sie verzichten künftig lieber auf Umsatz - indem Sie die Preise senken - als auf den Kunden, wenn dieser droht zur Konkurrenz abzuwandern?
Im Vordergrund steht die Absicherung der Kunden- und der Umsatzbasis und damit die Sicherung des Mittelzuflusses. Schon heute sind Teile des Umsatzverlustes selber induziert. Zum Beispiel durch unsere Optionstarife gehen die Einnahmen zurück - wir behalten aber den Kunden.
Gilt das auch für den Mobilfunk? Wann kommt dort die Flat-Rate?
Ich möchte hier jetzt noch nicht alles verraten. Aber wir werden mit Tarifen auf den Markt gehen, in denen die durchschnittliche Mobilfunkminute weniger als 10 Cent kostet. Unsere Marktforschung besagt, daß die Kunden anfangen, mehr mobil zu telefonieren, wenn die Mobilfunkpreise sich den Festnetzpreisen nähern.
Wo ist der Preispunkt, an dem die Leute damit beginnen, das Handy stärker zu nutzen?
Wir gehen davon aus, daß die Nutzung nach oben geht, wenn die Mobilfunkpreise zwei bis drei Cent über den Festnetzpreisen liegen.
Das würde Minutenpreisen von vier bis sieben Cent entsprechen und wäre von 10 Cent weit entfernt?
Ich sage ja weniger als 10 Cent.
Sie machen die Regulierung zumindest für einen Teil der Misere des Konzerns verantwortlich. Welche Änderungen der Regulierung fordern Sie denn von der Bundesnetzagentur?
Wir sind an dem Punkt angekommen, an dem man den teilweisen Ausstieg aus der Regulierung diskutieren muß.
Das ist Ihre Forderung?
Wir akzeptieren, daß es an Engpässen - wie zum Beispiel bei der letzten Meile - weiterhin eine Regulierung geben wird. Aber wir möchten auf der anderen Seite auch eine klare Ansage des Regulierers, nach welchem Marktanteilsverlust er bereit ist, uns auf den einzelnen Feldern aus der Regulierung zu entlassen.
Haben Sie in den vergangenen Tagen einmal an Rücktritt gedacht?
Nein, weil ich beweisen will, daß meine Strategie aufgeht. Wir sind Europas Nummer eins und wir werden es bleiben.
Tanker Telekom
Hubert Guetle (guetle)
- 11.08.2006, 23:59 Uhr
Was für ein Vertrauen?
Rudolf Zeinhofer (zeinhofer)
- 12.08.2006, 14:11 Uhr
Ein Beamtenladen wird niemals ein wettbewerbsfähiges Unternehmen
Rolf-Dirk Maehler (RDMAEHLER1)
- 12.08.2006, 16:23 Uhr
Welches Vertrauen ?
Michael Krause (MFK1)
- 12.08.2006, 20:59 Uhr
Vertrauen...
Martin Weigele (mgweigele)
- 13.08.2006, 01:19 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.382,81 | +0,44% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2534 | −0,06% |
| Rohöl Brent Crude | 106,70 $ | −0,52% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
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