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Risikoabsicherung

Internetunternehmen Spontan aufgetaucht, um zu handeln

Internetunternehmen eröffnen in Berlin immer öfter temporäre Ladengeschäfte. Manche wollen sich bekannter machen, andere verfolgen höhere Ziele. Einige erlangen ganz neue Einsichten.

© dpa Vergrößern Der Ebay-Kaufraum in Berlin

Als Benjamin Esser vor kurzem den ersten „Pop-Up-Store“ für sein Unternehmen Urbanara GmbH plante, nahm der Berliner Onlinehändler das Prinzip der spontan eingerichteten Ladengeschäfte beim Wort. Esser und seine Mitarbeiter gaben sich selbst nur wenig Zeit, um aus ihrer Internetverkaufsplattform für Wohnaccessoires und Heimtextilien ein richtiges Geschäft mit Verkaufsraum, Verkäufern, Kasse und Kunden aufzubauen.

Ladenaufbau im Hauruck-Verfahren

Martin Gropp Folgen:

„Wie für ein Start-up üblich, musste alles im Hauruckverfahren gehen“, erinnert sich Esser an die Zeit, als er unweit vom Hackeschen Markt in Berlin vom Online- zum Offlinehändler wurde. Von der ersten Idee bis zur Eröffnung Anfang November vergingen kaum sechs Wochen. Danach verkauften Esser und seine Mitarbeiter einen Monat lang ihre Alpakadecken, Sofakissen und Bettwäsche an real existierende Konsumenten.

Der Trend, dass Händler oder Designer mit eilends eingerichteten Spontangeschäften für Aufmerksamkeit sorgen, stammt wie so vieles aus Amerika. Dort tauchten vor gut zehn Jahren die ersten Pop-Up-Shops auf. In Großbritannien machte vor einem Jahr gar ein ganzes Pop-Up-Shoppingcenter aus Schiffscontainern Schlagzeilen. Inzwischen greift die Welle auch auf im Internet gestartete deutsche Händler über. Im März eröffnete etwa das deutsche E-Commerce-Unternehmen Zalando ebenfalls in Berlin-Mitte ein Geschäft, das drei Tage lang die neue Frühjahrsmode präsentierte.

Die Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft und Technik teilt mit, dass es zu Stoßzeiten in der Stadt „sicher mehr als 20 dieser Läden gibt, etwa vor Weihnachten oder zweimal im Jahr zur Berliner Modewoche“. Das Konzept passe besonders gut zu einer Stadt wie Berlin, die sich jeden Tag neu erfinde.

Auch Internet-Urgesteine nutzen den Trend

In der vergangenen Woche war es dann für ein Urgestein des Internethandels so weit, sich in diesem Umfeld runderneuert einem Laufpublikum zu präsentieren. Die 1995 als Auktionsplattform gestartete Ebay Inc. feierte am vergangenen Mittwoch ebenfalls in Berlin die Eröffnung des ersten Spontangeschäfts auf deutschem Boden. „Wir sind der Meinung, dass der Handel an einem Wendepunkt angelangt ist“, sagt Martin Tschopp, der Geschäftsführer der deutschen Tochtergesellschaft. „Was wir sehen, ist, dass der E-Commerce und der Offline-Handel immer enger zusammenwachsen.“ Bei Ebay rede man daher schon seit längerem nur noch von „dem Handel“ und lässt jede weitere Unterscheidung einfach beiseite.

Mit dem Kaufraum in Berlin will Tschopps Unternehmen nun auf die weiter wachsende Nutzung des mobilen Internet reagieren und gleichzeitig Händlern und Endkunden zeigen, was heute schon möglich ist, um beide Parteien online wie offline zusammenzubringen. Um zu zeigen, wie so lästige Dinge wie etwa Ladenöffnungszeiten künftig nur noch eine Nebenrolle spielen, erzählt Tschopp die Geschichte von der Damenhandtasche. „Wenn der Händler es technisch einrichtet, kann der Kunde die Handtasche abends beim Schaufensterbummel scannen und reservieren“, sagt Tschopp. Über das Internet wird die Reservierung an den Händler weitergegeben. Wenn am nächsten Morgen der erste Mitarbeiter den Laden aufschließt, nimmt er die Tasche aus dem Schaufenster und direkten Kontakt zum Kunden auf.

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Während Ebay sich ohnehin in der jüngeren Vergangenheit stärker darauf fokussiert, sich mit solchen Beispielen als Dienstleistungspartner für Händler zu etablieren, verfolgte Benjamin Esser mit seinem Urbanara-Shop eine Handvoll höherer Ziele. „Bei uns stand vielleicht mehr als bei anderen im Fokus, Vertrauen und Kaufbereitschaft aufzubauen“, sagt Esser. Dass diese Empfindungen für Esser wichtig sind, liegt auch am Geschäftsmodell seines Unternehmens. Der Berliner setzt auf Eigenmarken statt darauf, die Produkte anderer Hersteller zu vertreiben. „Unsere Produkte sind anfangs einfach nicht so greifbar. Aber die Kunden brauchen das haptische Erlebnis, wollen etwa die Stoffe anfassen“, sagt Esser.

Schon bevor er im November den Pop-Up-Store eröffnete, hätte es deshalb auch immer wieder an seiner Bürotür geklingelt. „Da standen Neugierige, die sich versichern wollten, ob es uns tatsächlich gibt, bevor sie etwas bei uns bestellen.“

Für Modemarken besonders gut geeignet

Auch der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) sieht Spontanläden daher in erster Linie als Maßnahme an, um eine Marke aufzubauen, bekannter zu machen. Besonders prädestiniert für diese Vertriebsform sind nach Verbandsangaben Marken aus den Bereichen Mode, Lifestyle oder Kosmetik, da sie generell auf großes Verbraucherinteresse stoßen.

Vor allem für unabhängige Designer und kleine Fashion-Labels seien Pop-Up-Stores eine interessante Alternative zur kostenintensiven Filiale, sagt Thorben Fasching, der stellvertretende Leiter der Fachgruppe E-Commerce im BVDW. „Umsatz zu generieren spielt eine eher nachgelagerte Rolle“, sagt Fasching, „wenngleich der direkte Abverkauf für kleinere Marken oder selbständige Store-Betreiber durchaus ausschlagend sein kann.“

Für Urbanara hat sich der Ausflug in die reale Welt jedenfalls nach Angaben des Mitgründers durchaus gelohnt. „Für uns war es ein Erfolg“, sagt Esser. Der Laden habe einen positiven Cashflow erwirtschaftet und sei vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen „fast profitabel“ gewesen. Wichtiger war aber für das ganze Unternehmen die direkte Begegnung mit den Kunden. „Wenn man als Onlinehändler direkten Kontakt zu Käufern hat, dann sind sie meistens mit irgendetwas unzufrieden“, sagt Esser. Im Laden habe es dagegen auch einfach mal so lobende Worte gegeben.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 10.12.2012, 17:20 Uhr


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