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Veröffentlicht: 10.05.2011, 17:08 Uhr

Internettelefonie Microsoft kauft Skype für 8,5 Milliarden Dollar

Teuerster Kauf der Firmengeschichte: Microsoft übernimmt den Internettelefonie-Anbieter Skype für 8,5 Milliarden Dollar. Damit will der Windows-Hersteller im Wettbewerb mit Google und Apple bestehen.

© reuters Internettelefonie: Microsoft kauft Skype für 8,5 Milliarden Dollar

Microsoft kauft den Internettelefonie-Anbieter Skype für 8,5 Milliarden Dollar in bar (5,9 Milliarden Euro). Das teilte der amerikanische Softwarehersteller Microsoft am Dienstag mit. Skype soll demnach eine neue Geschäftseinheit im Microsoft-Konzern werden. Dies ist der teuerste Zukauf in der 36 Jahre dauernden Unternehmensgeschichte des Windows-Herstellers - und drastisch mehr als bei bisherigen Skype-Verkäufen fällig wurde.

Microsoft kann den Dienst für sein aktuell schwächelndes Smartphone-Geschäft gut gebrauchen. Microsoft will Skype mit seinen bestehenden Produkten rundum vernetzen: Von der Spielkonsole Xbox über das Smartphone-Betriebssystem Windows Phone bis hin zum E-Mail-Programm Outlook. „Zusammen werden wir die Zukunft der Unterhaltung in Echtzeit entwickeln“, sagte Konzernchef Steve Ballmer. Der bisherige Skype-Chef Tony Bates werde nun als Chef einer neuen Microsoft-Sparte direkt Ballmer unterstellt sein - ein deutlicher Hinweis auf die Bedeutung, die der Software-Konzern seinem Zukauf beimisst.

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Mit Skype können Nutzer untereinander kostenlos über das Internet telefonieren, auch mit Videoübertragung. Geld verdiente das Unternehmen bisher vor allem mit günstigen Anrufen zum herkömmlichen Telefonnetz. Der Dienst hat nach eigenen Angaben mehr als 660 Millionen registrierte Nutzer. In Microsofts Mitteilung ist allerdings nur noch von 170 Millionen Nutzern die Rede, die Skype untereinander verbinde - offenbar wurden dabei nur die aktiven Kunden berücksichtigt.

Gehören bald zusammen: Skype und Microsoft © dpa Vergrößern Gehören bald zusammen: Skype und Microsoft

Immer weniger PCs werden verkauft

Am Tag der Bekanntgabe berichteten schon zuvor Medien von der nahenden Übernahme (siehe Internettelefonie: Microsoft steht vor der Übernahme von Skype). Zuletzt hatte es auch Berichte über Gespräche von Skype mit Google und Facebook gegeben.

Die Übernahme ist die größte in der 36-jährigen Firmengeschichte des Windows-Herstellers. Angesichts rückläufiger PC-Verkäufe investiert Microsoft seit längerem außerhalb seines Kerngeschäfts in Internetaktivitäten, um sich eine Scheibe vom boomenden Markt für Smartphones und Tablet-Computer abzuschneiden (siehe Weniger Windows, mehr Office: Schwaches PC-Geschäft trifft Microsoft). Microsoft will so im Wettbewerb mit den Internetgiganten Google und Apple nicht weiter ins Hintertreffen geraten (siehe Blog Netzökonom: Was Microsoft mit Skype anfangen könnte)

In der Vergangenheit günstiger zum Kauf angeboten

Die 8,5 Milliarden Dollar sind ein starker Aufpreis im Vergleich zu dem, was bisher für Skype bezahlt wurde. Der Online-Auktionsspezialist Ebay hatte Skype 2005 für 2,6 Milliarden Dollar von den Gründern übernommen und sich 2009 für 1,9 Milliarden Dollar wieder davon getrennt. Der Internettelefonie-Dienst passte doch nicht so gut zum Geschäft der Handelsplattform wie erwartet. Ebay behielt aber einen Anteil von 30 Prozent, der jetzt doch noch viel Geld bringen könnte.

Skype hatte im vergangenen August einen Börsengang angekündigt, aber nie einen genauen Zeitpunkt genannt (siehe Mehr Skype-Kunden sollen zahlen). Dem „Wall Street Journal“ zufolge sollte die Aktienplazierung eine Milliarde Dollar einbringen. In der Vergangenheit habe das Unternehmen sich aber schon für 5 bis 6 Milliarden Dollar zum Kauf angeboten.

Skype-Gründer hielten noch 14 Prozent

Im Februar hatte das Skype-Management beim Mobile World Congress in Barcelona Verkaufsüberlegungen noch zurückgewiesen. Nach Informationen des gut vernetzten Technologie-Bloggers Om Malik - der auch als erster von den Gesprächen mit Microsoft berichtet hatte - haben vor allen die Finanzinvestoren um die Firma Silver Lake, die 2009 eingestiegen waren, auf einen Verkauf gedrungen.

Profitieren werden auch die Skype-Gründer Niklas Zennström und Janus Friis: Sie hatten seinerzeit beim Verkauf an Ebay kassiert und hielten zuletzt noch 14 Prozent, weil ihnen eine Schlüsseltechnologie des Dienstes gehört. Dieser Anteil ist jetzt wieder gut eine Milliarde Dollar wert.

Zusammenarbeit mit Nokia

Microsoft, dessen größtes Geschäft nach wie vor das Betriebssystem Windows und die Office-Büroprogramme sind, versucht schon seit Jahren, mit Milliarden-Investitionen neue Geschäftsbereiche zu erschließen, mit wechselhaftem Erfolg. Aktuell setzt der früher auf fest installierte Software fixierte Konzern auf das sogenannte Cloud Computing - die Bereitstellung von Software und Daten aus dem Internet (siehe Cloud Computing soll der IT Flügel geben).

Nach einer jahrelangen Durststrecke läuft auch das Spiele-Geschäft mit der Xbox-Konsole, die Microsoft zudem als Unterhaltungszentrale im Wohnzimmer etablieren will. Bei der Internet-Suche knabberte Microsofts Suchmaschine Bing in einer Allianz mit Yahoo zuletzt dem Marktführer Google einige Prozentpunkte Marktanteil ab - das Geschäft steckt aber weiter in den roten Zahlen.

Bei den derzeit boomenden Smartphones war Microsoft einer der Pioniere - wurde zuletzt jedoch von Apple mit seinem iPhone und dem Google-Betriebssystem Android abgehängt. Eine Partnerschaft mit dem ebenfalls schwächelnden Handy-Weltmarktführer Nokia soll die Wende bringen (siehe Smartphones: Nokia und Microsoft gegen Google und Apple). Erste Nokia-Handys mit dem Microsoft-Betriebssystem Windows Phone dürften allerdings erst im kommenden Jahr auf den Markt kommen.

Milliarden-Bewertungen von Internet-Firmen

Facebook: Am 3. März wird das Soziale Netzwerk laut einem Bericht des US-Fernsehsenders CNBC vom Finanzinvestor General Atlantic mit 65 Milliarden Dollar bewertet. Im Januar waren es noch 50 Milliarden Dollar gewesen. Das von Mark Zuckerberg in einem Studentenwohnheim gegründete Online-Portal hat binnen weniger Jahre mehr als eine halbe Milliarde Nutzer gewonnen und wird voraussichtlich 2012 an die Börse gehen.

Twitter: Der Kurznachrichtendienst Twitter ist nach einer Versteigerung von außerbörslichen Firmenanteilen am 4. März schätzungsweise 7,7 Milliarden Dollar wert. Das ist mehr als doppelt so viel wie bei einer Bewertung im Dezember für die Zusammenstellung einer Finanzspritze. Der Dienst, über den 140 Zeichen lange Botschaften verschickt werden können, wurde 2006 gegründet. Im September vergangenen Jahres hatte Twitter rund 175 Millionen Nutzer.

Groupon: Das Online-Schnäppchenportal Groupon könnte Kreisen zufolge bei einem Börsengang mit 15 bis 20 Milliarden Dollar bewertet werden. Bis zu einer Milliarde Dollar könnte das Unternehmen bei seinem Sprung aufs Parkett einnehmen, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person Mitte April. Mit einem IPO wird frühestens in der zweiten Jahreshälfte gerechnet. Groupon hatte 2010 Medienberichten zufolge eine Übernahmeofferte des Internet-Giganten Google über sechs Milliarden Dollar ausgeschlagen. Groupon zählt mittlerweile 50 Millionen Nutzer und bietet weltweit in 500 Städten in 40 Ländern Rabattgutscheine für Waren und Dienstleistungen aller Art an.

Zynga: Der Online-Spiele-Anbieter Zynga könnte einem Zeitungsbericht von Mitte Februar zufolge bis zu neun Milliarden Dollar wert sein. Dies berichtete das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf nicht näher genannte Kreise. Das Unternehmen hat Spiele wie FarmVille oder Mafia Wars entwickelt. Über das soziale Netzwerk Facebook gewann Zynga etwa mit FarmVille Millionen neue Kunden.

LinkedIn: Die Internet-Netzwerkfirma LinkedIn soll bei ihrem Börsengang mit drei Milliarden Dollar bewertet werden. Dies ging aus Unternehmensangaben von Anfang Mai hervor. Dem Börsengang wird besondere Aufmerksamkeit zuteil, weil LinkedIn eines der ersten sozialen Netzwerke ist, das aufs Parkett strebt. Der Xing-Konkurrent gibt die Zahl seiner Mitglieder weltweit mit 100 Millionen an.

Reuters

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