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Internethandel Handelsvolumen auf Ebay wächst um fast 40 Prozent

26.10.2004 ·  Während viele Konkurrenten schwächeln, wächst Ebay scheinbar unaufhaltsam weiter. Handelsvolumen und Nutzer sind um fast 40 Prozent gestiegen. Schon 40 Prozent des Internet-Handels in Deutschland entfallen auf Ebay.

Von Holger Schmidt
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Der Anteil des Internet-Marktplatzes Ebay am elektronischen Handel in Deutschland wird immer größer. Während der Online-Handel in diesem Jahr nach Schätzungen des Einzelhandelsverbandes HDE um 17 Prozent zulegt, ist Marktführer Ebay im dritten Quartal deutlich schneller gewachsen.

"In Deutschland haben wir ein gutes drittes Quartal hinter uns. Das Handelsvolumen auf Ebay ist gegenüber dem Vorjahr um 39 Prozent auf rund 1,75 Milliarden Dollar und die Zahl der registrierten Nutzer um mehr als 38 Prozent auf 15,7 Millionen gestiegen", sagte Ebay-Geschäftsführer Stefan Groß-Selbeck dieser Zeitung.

Damit ist das Handelsvolumen im dritten Quartal um rund 500 Millionen Dollar gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen und erreicht den gleichen absoluten Zuwachs wie in den Jahren 2001 bis 2003. Im gesamten Jahr 2003 betrug das Handelsvolumen auf Ebay rund 5 Milliarden Dollar in Deutschland, was rund einem Drittel des gesamten Internet-Handels entsprach. Bleibt das Wachstumstempo so hoch, dürften in diesem Jahr bis zu 40 Prozent des Internet-Handels auf Ebay entfallen.

Deutschland wichtigster Auslandsmarkt

Zum Umsatz, der sich vor allem aus einem kleinen Anteil an jeder Handelstransaktion zusammensetzt, machte Groß-Selbeck keine Angaben. Nach Schätzungen von Branchenkennern dürfte der Umsatz in einer ähnlichen Größenordnung wie das Handelsvolumen auf 120 bis 130 Millionen Euro gestiegen sein.

Damit ist Deutschland der wichtigste Auslandsmarkt für Ebay: Im dritten Quartal wurden 21 Prozent des gesamten Ebay-Handelsvolumens hierzulande abgewickelt und schätzungsweise 16 Prozent des Umsatzes erzielt. In Deutschland verdienen mehr als 10 000 Menschen ihren Lebensunterhalt mit Ebay. "Das Interesse an unseren Seminaren zur Existenzgründung ist ungebrochen hoch", sagte Groß-Selbeck.

So hoch wie Siemens bewertet

Vor allem das starke Wachstum im internationalen Geschäft hat die Ebay-Aktie in der vergangenen Woche auf den höchsten Stand aller Zeiten gebracht: Nach Bekanntgabe der Quartalszahlen überstieg der Kurs erstmals die 100-Euro-Marke, fiel danach aber wieder leicht. Das Unternehmen ist an der Börse inzwischen rund 63 Milliarden Dollar wert und damit etwa so wertvoll wie der Elektronikkonzern Siemens.

Für Groß-Selbeck ist das Ende des Wachstums noch nicht erreicht: "Viele Nutzer kennen die ganze Bandbreite unserer Produkte noch gar nicht. Darin liegt unser größtes Wachstumspotential." Neben Autos und Autoteilen sei der Bereich Haus, Garten und Familie im dritten Quartal gut gelaufen.

"Die Menschen erschließen sich inzwischen Lebensbereiche auf Ebay, die ihnen vorher gar nicht präsent waren. Alle acht Minuten wird auf Ebay ein Sofa verkauft", sagte der ehemalige Unternehmensberater, der seit 2002 für Ebay arbeitet.

„Weihnachtskampagne steht noch bevor"

Deutschland hat als drittes Land nach den Vereinigten Staaten und Kanada die dritte und höchste Stufe des "Ebay-Drehbuchs" erreicht: "Wir haben in den vergangenen Jahren bevorzugt auf Neukundengewinnung gesetzt. Aber irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem weiteres Wachstum mehr aus der Kundenbindung als aus der Neukundengewinnung kommt", sagte Groß-Selbeck.

Ständig neue Kategorien wie Büromöbel sollen das Handelsvolumen je Kunde in die Höhe treiben. Das vierte Quartal verlaufe bisher gut. "Unsere Weihnachtskampagne steht aber noch bevor", sagte Groß-Selbeck.

Medikamenten- und Immobilienverkauf laufen zäh an

Aber nicht jedes neue Geschäftsfeld läuft reibungslos an. Der Verkauf von Medikamenten entwickelt sich zäh: "Das Geschäft ist noch nicht da, wo es sein soll. Inzwischen nutzen mehr als 30 Apotheken die Möglichkeit, Medikamente über Ebay zu verkaufen. Die Zahl der Anbieter steigt nach einem vorübergehenden Höhepunkt inzwischen wieder an", zeigt sich Groß-Selbeck optimistisch.

Auch das Immobiliengeschäft, in dem Ebay erstmals in den Markt der rubrizierten Kleinanzeigen eingestiegen ist, läuft noch nicht rund: "Im Immobilienmarkt haben wir noch nicht die Angebotsdichte wie in anderen Kategorien. Aber das Anzeigengeschäft ist für uns ein neues Format, in dem wir Erfahrungen sammeln. Wir arbeiten aber daran, die Produktfunktionen zu verbessern", sagte Groß-Selbeck. Planungen für andere Rubrikenmärkte im Internet habe Ebay aber nicht.

Dagegen zeigte sich Groß-Selbeck mit dem Autogeschäft zufrieden: "Wir verkaufen alle drei Minuten ein Auto. Wir wollen aber noch stärker wachsen. Das Geschäft mit den Autoteilen stellt uns schon sehr zufrieden." Die Gebühr für Privatkundeninserate, die Kunden der Ebay-Tochtergesellschaft Mobile.de zahlen müssen, soll erhalten bleiben.

„Betrug ist ein Problem für Ebay“

Der Erfolg der Ebay-Plattform zieht allerdings auch viele Betrüger an. "Betrug ist ein Problem für Ebay. Wir investieren sehr viel, um dieses Problem zu verringern", sagte Groß-Selbeck. Er sieht die vorbeugende Aufklärung als wichtigsten Hebel für mehr Sicherheit. "Die Menschen müssen lernen, daß es so etwas wie einen gesunden Internet-Verstand gibt. So wie es Regeln für die Offline-Welt gibt, bestehen Regeln für das Internet. Die Menschen müssen diese Regeln lernen."

Ebay setzt neben der Vorbeugung auch auf die Zusammenarbeit mit den Behörden. "95 Prozent aller Betrugsfälle auf Ebay wurden von der Staatsanwaltschaft in Hessen aufgeklärt. Betrug lohnt sich nicht, weil der Marktplatz zu transparent ist." Allerdings sei der Anteil der Betrugsfälle an den Transaktionen gering. "Wenn Ebay ein Dorf wäre, dann wäre der Bürgermeister stolz auf die niedrige Kriminalitätsrate", zieht Groß-Selbeck als Vergleich heran.

„Keine dicken Mauern um den Marktplatz ziehen“

Mit neuer Technik wie einer sicheren SSL-Verschlüsselung der Paßworteingabe, die seit der vergangenen Woche möglich ist, hat Ebay auf die Kritik vieler Sicherheitsfachleute reagiert. Allerdings seien der Technik auch Grenzen gesetzt: "Wir dürfen auch keine dicke Mauern um den Marktplatz ziehen. Dann haben die Nutzer keinen Spaß mehr an Ebay", sagte Groß-Selbeck.

Das Problem, daß gefälschte Markenartikel auf dem Marktplatz angeboten werden, möchte Ebay zusammen mit den Herstellern lösen. "Nur die Markenartikelhersteller können sagen, welche Produkte Plagiate sind und welche echt. Je mehr Markenartikler sich unserem Markenschutzprogramm anschließen, desto sauberer wird der Marktplatz", sagte Groß-Selbeck.

"Alle drei Minuten wird auf Ebay ein Auto verkauft. Und alle acht Minuten ein Sofa"

Quelle: ht., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.10.2004, Nr. 249 / Seite 21
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