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Internetgeschäft Microsoft streckt die Fühler nach Facebook aus

09.05.2008 ·  Der Softwarekonzern Microsoft ist mit seinem Übernahmeversuch von Yahoo gescheitert und sucht nun nach Alternativen. Eine Möglichkeit wäre Facebook. Aber ob die Online-Gemeinde zum Verkauf bereit wäre, ist unklar.

Von Roland Lindner, New York
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Nach der geplatzten Übernahme von Yahoo erwägt der Softwarekonzern Microsoft andere Möglichkeiten für Zukäufe. Nach einem Bericht des „Wall Street Journal“ hat Microsoft in den vergangenen Wochen seine Fühler nach der Online-Gemeinde Facebook ausgestreckt, nachdem sich ein Scheitern der Gespräche mit Yahoo abzeichnete. Auch Facebook wäre eine Großübernahme: Microsoft ist bereits 2007 bei Facebook eingestiegen und hat für einen Anteil von 1,6 Prozent 240 Millionen Dollar bezahlt. Dieser Betrag bewertete das Unternehmen mit 15 Milliarden Dollar. Dem Bericht zufolge soll es im Moment aber keine Übernahmegespräche zwischen den Seiten geben, und es sei unklar, ob Facebook zum Verkauf bereit wäre. Gründer und Vorstandsvorsitzender Mark Zuckerberg hat bisher einen Verkauf stets abgelehnt.

Microsoft hat am Samstag seinen mehrmonatigen Übernahmeversuch von Yahoo zurückgezogen, nachdem sich die beiden Seiten nicht auf einen Preis einigen konnten. Microsoft hatte sein ursprüngliches Angebot auf 47,5 Milliarden Dollar aufgestockt, Yahoo wollte aber weitere 5 Milliarden Dollar. Nach dem Rückzug wurde in der Branche sofort spekuliert, ob Microsoft sich nun nach anderen Akquisitionszielen umsieht. Zwar sagte Verwaltungsratsvorsitzender Bill Gates in dieser Woche, Microsoft werde sich nun darauf konzentrieren, seine Internetsparte aus eigener Kraft auszubauen.

Andeutungen von Steve Ballmer

Vorstandsvorsitzender Steve Ballmer hatte allerdings beim Abbruch des Übernahmeversuchs von Yahoo erklärt, neben organischem Wachstum kämen auch „strategische Transaktionen mit anderen Partnern“ in Frage. Einige Tage vorher sagte er, es gebe neben Yahoo eine Handvoll anderer Unternehmen, mit denen Microsoft im Internetgeschäft einen großen Sprung nach vorne machen könne. Dabei nannte er Facebook, dessen Wettbewerber Myspace sowie AOL.

An den Finanzmärkten wird auch noch immer darüber spekuliert, ob Yahoo sich unter dem Druck seiner Aktionäre doch wieder zurück an den Verhandlungstisch mit Microsoft begibt und einem Verkauf am Ende zustimmt. Facebook und Myspace gehören zu einer noch jungen Generation von Internetunternehmen, wo Nutzer Profile anlegen, andere Mitglieder kontaktieren und Inhalte tauschen. Diese Online-Gemeinden sind in den vergangenen Jahren sehr populär geworden.

Nach Angaben des Marktforschungsinstituts Alexa ist Myspace weltweit auf Rang sechs der meistbesuchten Internetseiten, Facebook folgt auf Rang acht. Ganz im Gegensatz zu Wettbewerbern wie Google sind diese Seiten aber bis heute keine Goldgrube. Facebook und Myspace machen ähnlich wie Google oder Yahoo ihre Umsätze mit Werbung, allerdings sind die Dimensionen noch viel geringer. Der Medienkonzern News Corp., zu dem Myspace gehört, hat bei der Vorlage seiner Quartalszahlen gerade sogar seine Umsatzprognosen für dieses Jahr reduziert.

Facebook erwartet 300 bis 350 Millionen Dollar Umsatz

Die Internetsparte Fox Interactive Media, die vor allem aus Myspace besteht, sollte ursprünglich in diesem Jahr einen Umsatz von einer Milliarde Dollar einbringen, nun werden es nach Angaben des Unternehmens wohl 10 Prozent weniger. Im abgelaufenen zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2007/2008 (30. September) hat die Sparte ihren Umsatz um 55 Prozent auf 210 Millionen Dollar gesteigert. Im vorangegangenen ersten Geschäftsjahresquartal gab es noch ein Plus von 87 Prozent auf 233 Millionen Dollar.

Auch Facebook ist nicht frei von Sorgen: So hat Facebook nach Zahlen des Marktforschungsinstituts Nielsen Online seine Besucherzahlen in Deutschland im ersten Quartal nur um vergleichsweise bescheidene 26 Prozent gesteigert. Insgesamt erwartet Facebook nach Angaben des „Wall Street Journal“ in diesem Jahr einen Umsatz von 300 Millionen bis 350 Millionen Dollar, nach 150 Millionen Dollar im Vorjahr.

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Jahrgang 1970, Wirtschaftskorrespondent in New York.

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