26.09.2004 · Eigentlich schien die Zeit der Internet-Start-ups vorbei zu sein. Doch am 15. Oktober will Klaus Harisch die Zeit zurückdrehen. An diesem Tag kommt die Suchmaschine Goyellow.de. Als Konkurrenz zu den „Gelben Seiten“.
Eigentlich schien die Zeit der Internet-Start-ups, die mal eben im Handumdrehen eine Revolution auslösen wollen, endgültig vorbei zu sein. Doch am 15. Oktober will Klaus Harisch die Zeit ein paar Jahre zurückdrehen. Dann startet er die Suchmaschine Goyellow.de, die gegen keine geringere Konkurrenz als die Gelben Seiten der Deutschen Telekom oder große Suchmaschinen wie Google antritt.
Harisch will möglichst viele der drei Millionen Kleingewerbetreibende in Deutschland dazu bringen, ihre Produkte und Dienste für einen Euro am Tag statt in den Gelben Seiten lieber bei Goyellow einzutragen. Mit 40 Millionen Euro Werbebudget will er in den kommenden beiden Jahren dafür sorgen, daß Verbraucher auf der Suche nach einem Klempner, einer Autowerkstatt oder einem Feinkosthändler nicht in die Gelben Seiten schauen, sondern unter Goyellow.de im Internet nachschauen oder sich per SMS die Daten zusenden lassen. Seine Argumente klingen einfach: "Wir sind besser und billiger als die Konkurrenz."
Auf der Suche nach einer neuen Idee
Eigentlich war Harisch, der auch zu Analystenpräsentationen meist in Turnschuhen kommt, schon raus aus dem Geschäft. Nach dem Ausstieg aus dem Telefonauskunftsdienst Telegate war er aber nur für kurze Zeit von der Bildfläche verschwunden. Auf der Suche nach einer neuen Idee fand er die Gelben Seiten im Internet und in Varetis ein Softwareunternehmen, das die erforderliche Technik bereits entwickelt hat.
Varetis wurde 1983 als PC Plus in München gegründet, nannte sich aber kurz vor dem Börsengang im Jahr 2000 um. Das Unternehmen entwickelt Software, mit deren Hilfe große Datenbestände schnell durchsucht werden können. Bisher hat Varetis diese Software an andere Unternehmen - meist Telefongesellschaften - verkauft, aber kein eigenes Privatkundenangebot entwickelt. Das wird sich unter Harisch, der zum 1. Januar 2004 den Vorstandsvorsitz übernahm, ändern. Die Börse gibt ihm schon einige Vorschußlorbeeren mit auf den Weg: Der Aktienkurs hat sich seit Jahresbeginn vervierfacht.
„Noch hat Google kein Gelbe-Seiten-Modell“
Zum Start sind die Grunddaten der drei Millionen Kleingewerbetreibenden in Deutschland bereits in der Datenbank. Für einen Euro am Tag können die Händler zusätzlich Produktbeschreibungen, geführte Marken, Fotos und Anfahrtsbeschreibungen einstellen. "Die Händler können ihre Seite selbst pflegen, um zum Beispiel Sonderangebote zu bewerben", sagt Harisch. Der aktuellste Angebot erscheint jeweils oben in der Liste.
In drei Jahren will Harisch rund 300.000 Kleingewerbetreibende als Kunden gewinnen, also 10 Prozent Marktanteil erreichen. Damit der Umsatz bis zum Jahr 2007 wie geplant auf 110 Millionen Euro wächst, soll die Marke Goyellow bis zu diesem Zeitpunkt 70 Prozent aller Menschen in Deutschland bekannt sein. Bis dahin soll das Produkt auch technisch weiterentwickelt werden. Im kommenden Jahr werden Sprachanrufe möglich sein, verspricht Harisch. Auch an die Kombination mit einem Navigationssystem wie GPS ist gedacht.
Eine Unbekannte in den Plänen von Harisch ist allerdings Google. "Google wird auch in dieses Marktsegment einsteigen. Aber noch hat Google kein Gelbe-Seiten-Modell", gibt sich Harisch entspannt.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.382,81 | +0,44% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2534 | −0,06% |
| Rohöl Brent Crude | 106,70 $ | −0,52% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
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