15.06.2005 · Yahoo steigt mit der Dialpad-Übernahme in das Geschäft mit der Internet-Telefonie ein. Aus dem geplanten Kauf von Skype ist wohl nichts geworden.
Das amerikanische Internetportal Yahoo hat das kalifornische Unternehmen Dialpad Communications übernommen. Dialpad wurde 1999 gegründet und hat sich auf internationale Internet-Telefonie spezialisiert. Das Unternehmen hat 14 Millionen Kunden unter Vertrag, die über das Internet meist aus dem Ausland in die Vereinigten Staaten hinein telefonieren. Angaben zum Kaufpreis wurden nicht gemacht.
Yahoo hat mit dieser Akquisition endgültig den Einstieg in das Telekommunikationsgeschäft vollzogen. Schon im Mai hatte Yahoo eine Sprachfunktion in seinen Internet-Nachrichtendienst Instant Messenger eingebaut. Damit können Internetnutzer nicht nur Textnachrichten in Echtzeit austauschen, sondern auch miteinander telefonieren. Allerdings ist diese Funktion auf Telefonate im Internet beschränkt; normale Festnetztelefone lassen sich damit nicht anrufen.
Vom Internet in das Festnetz
Diese Lücke soll die Dialpad-Technik schließen. Dialpad-Kunden können mit Hilfe ihres Computers ganz normale Festnetztelefone in mehr als 200 Ländern der Welt anrufen. Da die Telefonate bis zum jeweiligen Ortsnetz des Gesprächspartners über die Internet-Datenleitungen transportiert werden, fallen lediglich Gebühren für die Nutzung der sogenannten letzten Meile in die Haushalte hinein an. Für dieses Geschäftsmodell sind neben der Sprachsoftware lediglich Verträge mit den nationalen Telekommunikationsgesellschaften notwendig. Dialpad hat 300 Millionen Gespräche abgewickelt, kommt dabei aber mit 40 Mitarbeitern aus. Das Unternehmen, das früher einen werbefinanzierten Telefondienst betrieben hat, ist erst im Jahr 2001 unter dem Vorstandsvorsitzenden Craig Walker auf das gebührenfinanzierte Modell umgestiegen.
Allerdings scheint Dialpad nicht der Wunschpartner für Yahoo gewesen zu sein. In den vergangenen Wochen waren Gerüchte laut geworden, Yahoo wolle das britische Internet-Telefonieunternehmen Skype kaufen. Allerdings scheint diese Übernahme nun gescheitert zu sein. Anders als Dialpad konzentriert sich Skype vorwiegend auf reine Internetgespräche von Computer zu Computer. Für diese Gespräche fallen keine Telefonkosten an, da das normale Telefonnetz umgangen wird. Das Unternehmen, das von dem Schweden Niklas Zennström geleitet wird, hat nach eigenen Angaben bisher 42 Millionen Nutzer in aller Welt gewonnen. Allerdings sind darunter nur gut eine Million zahlende Kunden, die für Gespräche aus dem Internet in das Festnetz Telefongebühren entrichten müssen.
Höchste Finanzierung seit dem Börsencrash
Die Internet-Telefonie ist in den Vereinigten Staaten ein heißes Thema. Erst im Mai hat das amerikanische Internet-Telefonieunternehmen Vonage 200 Millionen Dollar von der Risikokapitalgesellschaft Bain Capital erhalten. Diese Finanzierungsrunde hat die Summe, die Vonage als Startkapital erhalten hat, auf 408 Millionen Dollar erhöht, teilte das Unternehmen aus Edison (New Jersey) mit. Das ist die höchste Finanzierung, die ein Internet-Unternehmen nach dem Platzen der Börsenblase im Jahr 2000 erhalten hat. "Diese Finanzierungsrunde wird Vonage helfen, seine führende Position als Breitband-Telefonieanbieter in Nordamerika zu behaupten und in weitere Märkte zu expandieren", sagte der Mitgründer und Vorstandsvorsitzende Jeffrey Citron. Im nächsten Schritt wird Vonage wahrscheinlich in Märkte in Asien eintreten, wo die Internet-Telefonie bereits weit verbreitet ist.
Die Internet-Telefonie entwickelt sich zu einem Schlüsselthema für die Telekommunikationsbranche, da sie neuen Anbietern einen vergleichsweisen leichten Einstieg in den Telefonmarkt ermöglicht. Die Reihe der Interessenten ist lang: Die Internetportale Yahoo, AOL oder Microsoft Network (MSN) setzen ebenso auf die neue Technik wie die Zugangsdienste. In Deutschland haben zum Beispiel United Internet oder Freenet früh begonnen, Gespräche über das Internet anzubieten. Zudem drängen neue Anbieter wie Skype oder Sipgate in Deutschland in den Markt. Auch die Karlsruher Web.de AG ist nach dem Verkauf des Kerngeschäftes an United Internet eine reine Internet-Telefoniegesellschaft geworden. Nach Informationen aus unternehmensnahen Kreisen will das Unternehmen, das nach der Übernahme mehr als 300 Millionen Euro liquide Mittel zur Verfügung hat, ebenfalls ein Internet-Telefonieprodukt für den Massenmarkt entwickeln.
| Name | Kurs | Prozent |
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| FAZ-INDEX | 1.383,57 | +0,49% |
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| EUR/USD | 1,2536 | −0,04% |
| Rohöl Brent Crude | 106,85 $ | −0,38% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
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