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Internet Yahoo setzt auf kontaktfreudige Singles

06.07.2003 ·  Mit einer verbesserten Suchfunktion will Yahoo Google Paroli bieten, neue Mail-Funktionen sollen Kunden binden, eine Partnervermittlung den Einstieg in neue Bezahl-Dienste einleiten.

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Der Portalbetreiber Yahoo hat sich in Deutschland ehrgeizige Ziele gesetzt. Mit einer verbesserten Suchfunktion will das Unternehmen dem Konkurrenten und Partner Google Paroli bieten, neue Funktionen rund um den Mailversand sollen Kunden binden, eine Partnervermittlung - wie zuvor bereits in Amerika - den Einstieg in eine Vielzahl kostenpflichtiger Dienste einleiten.

"Ich glaube, Deutschland hat ein sehr viel größeres Potential als die Vereinigten Staaten, weil der Markt noch nicht so weit entwickelt ist", sagte Deutschland-Geschäftsführer Franz Dillitzer im Gespräch mit dieser Zeitung. Die klassische Katalogfunktion hat sich seiner Einschätzung nach allerdings überlebt. "Diese Zugangsform wird vom Nutzer nicht mehr akzeptiert, aber man kann die Chance, genau das gewünschte Ergebnis bei einer Suche zu liefern, durch die Verbindung von Katalog und maschinenerstelltem Index deutlich erhöhen." Yahoo ist auf einen hohen Marktanteil bei der Internet-Suche angewiesen, weil sich die Anreicherung der regulären Suchresultate um von Unternehmen gekaufte Plazierungen zu einer wichtigen Einnahmequelle entwickelt hat.

Google: Konkurrent und Partner

Mit einer neuen Technologie, die Index- und Maschinensuche verbindet und in den Vereinigten Staaten derzeit schon erprobt wird, hofft das Unternehmen der Suchmaschine Google wieder Marktanteile abnehmen zu können. Mit Google steht Yahoo in einer besonderen Beziehung: Die populäre Navigationshilfe beliefert Yahoo mit Suchergebnissen, ist aber selbst mittlerweile zur weltweit wichtigsten Suchmaschine aufgestiegen. Der Geschäftsführer sagte, Google habe das Bedürfnis der Nutzer nach einer schlichten, klar verständlichen Suche erkannt. "Wir bereiten uns darauf vor, hier ein angemessener Wettbewerber zu sein."

Mehr Mailfunktionen

Weiter verbessern will der Geschäftsführer auch die Mailfunktionen. "Der deutsche Nutzer ist in dieser Hinsicht der anspruchsvollste der Welt." Er verwies auf den Erfolg von Web.de bei der Etablierung von Kommunikationsdienstleistungen über die reine Mail-Funktion hinaus. "Bislang haben wir nur ein Angebot für mehr Speicherplatz. Wir sehen uns genau an, was die Nutzer von einem E-Mail-Angebot erwarten und bauen diese Dienstleistungen sukzessive aus." Eine technische Neuerung ist schon beschlossen: Noch im dritten Quartal will Yahoo durch die Integration von Mail und SMS den Versand von Kurzmitteilungen über E-Mail ermöglichen. Noch nicht abschließend entschieden worden ist nach seinen Worten hingegen, ob Yahoo auch in Deutschland eine Internetstellenbörse einrichtet. Derzeit kooperiert das Unternehmen mit der Stellenbörse Jobpilot.

Während Yahoo in den Vereinigten Staaten bereits mit einigem Erfolg kostenpflichtige Dienste vermarktet und auf diese Weise die Abhängigkeit von den Werbe-Einnahmen verringert hat, ist Yahoo in Deutschland bislang über Angebote wie Klingeltöne oder Logos für Mobiltelefone nicht hinausgekommen, was der Geschäftsführer auch auf Mentalitätsunterschiede zurückführt: "Die amerikanischen Nutzer sind probierfreudiger, deutsche Nutzer wollen einen sofortigen Mehrwert."

Erfolge mit Partnervermittlung

Das amerikanische Management um den früheren Filmstudio-Chef Terry Semel hat nach seinen Worten Verständnis für die Unterschiede. "Zugleich gibt es aber auch globale Entwicklungen wie bei der Partnersuche. Dieses Bedürfnis wird gerade in urbanen Regionen immer stärker." Der Geschäftsführer sieht sich in dieser Auffassung durch die Resonanz auf eine von Yahoo Deutschland bis Herbst kostenlos angebotene Internet-Partnervermittlung bestätigt: "Seit dem Start vor vier Wochen haben sich mehr als zehntausend Benutzer mit ihrem Profil registrieren lassen; die Hemmschwelle gegenüber dieser Art von Dienstleistung ist gesunken."

Bei technisch komplexen Angeboten wie Vermittlungsdiensten profitiert Yahoo nach seinen Worten besonders von der großen Nutzerzahl auf den insgesamt 25 Websites. "Je mehr Nutzer wir haben, desto geringer sind die Beträge, die wir dafür erheben müssen. Viele Dienstleistungen lassen sich nicht nur in einem Markt refinanzieren. Für rein nationale Anbieter wird das immer wieder eine Herausforderung sein."

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.07.2003, Nr. 154 / Seite 18
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