26.03.2004 · Das französische Unternehmen Kelkoo vergleicht Angebote von Online-Händlern, um den günstigsten Preis im Internet zu ermitteln. Damit will Yahoo sein E-Commerce-Geschäft in Europa ausbauen.
Das amerikanische Internet-Portal Yahoo kauft für 475 Millionen Dollar in bar die französische Produktvergleichsmaschine Kelkoo. Das Unternehmen vergleicht in neun europäischen Ländern die Angebote von rund 2500 Online-Händlern, um den günstigsten Preis im Internet zu ermitteln.
„Wir wollen unser E-Commerce-Geschäft in Europa so schnell wie möglich ausbauen. Kelkoo kennt sich gut in der Produktsuche aus und hat großes Verständnis, wie dieses Geschäft in Europa entwickelt werden kann“, sagte John Marcom, der das internationale Geschäft von Yahoo verantwortet, der F.A.Z.. Die Kelkoo-Dienste werden in die Yahoo-Suche in Europa eingebunden, sagte Marcom. "Wir wollen der Platz im Internet sein, an dem die Menschen ihren Einkauf beginnen. Mit Kelkoo gehören wir zu den drei größten E-Commerce-Anbietern in Europa", sagte Marcom.
Seit einem Jahr in Deutschland
Kelkoo ist in Deutschland erst seit gut einem Jahr aktiv. "In Deutschland haben wir zur Zeit rund 200 Händler unter Vertrag. Darunter sind fast alle großen E-Commerce-Anbieter. Die Händler zahlen an uns, wenn sich ein Nutzer von unserer Internet-Seite auf ihre Seite klickt", erklärt Pierre Chappaz, Gründer und Vorstandsvorsitzender von Kelkoo, das Geschäftsmodell. Seit dem vergangenen Juni arbeitet Kelkoo in Deutschland profitabel.
Kelkoo liefert sich einen harten Wettbewerb mit den Konkurrenten Guenstiger.de und Geizkragen.de, liegt in der Nutzergunst aber inzwischen vorne. Im Februar haben 2,6 Millionen Internet-Nutzer in Deutschland die Internet-Seite besucht, hat das Marktforschungsunternehmen Nielsen Netratings gemessen. "Kelkoo soll als eigenständige Marke aber weiter ausgebaut werden", sagte Chappaz.
Wettbewerb mit Google angeheizt
Mit der Übernahme von Kelkoo heizt Yahoo den Wettbewerb mit der Suchmaschine Google weiter an. In Deutschland hat Yahoo große Marktanteile an Google verloren. Zur Zeit nutzen knapp 18 Millionen Internet-Nutzer in Deutschland die Google-Suche, während Yahoo acht Millionen Nutzer hat. Nun will Yahoo verlorenes Terrain zurückholen: "Wir verbessern unsere Suchdienste und hoffen, damit Marktanteile zurück zu gewinnen. Aber auf einen festen Zeitplan möchte ich mich nicht festlegen. Der Markt ist sehr hart umkämpft", sagte Marcom.
Google betreibt in Amerika eine mit Kelkoo vergleichbare Einkaufsseite mit dem Namen Froogle. In Europa ist dieser Service noch nicht verfügbar. Sowohl Yahoo als auch Google haben das Angebot auf ihren Seiten in jüngster Zeit deutlich ausgeweitet. Erst vor wenigen Tagen hat Yahoo in Amerika die Nachrichtensuche umgebaut und greift auf einen deutlich vergrößerten Katalog an Quellen zurück.
Mit Akquisitionen verstärkt
Mehr als Google hat sich Yahoo mit Akquisitionen verstärkt. So übernahm Yahoo Ende 2002 den Suchtechnologiespezialisten Inktomi. Im vergangenen Jahr folgte der Kauf von Overture, einem Vermarkter von bezahlten Suchergebnissen. Die Übernahme der Inktomi-Technologie führte letztlich dazu, daß Yahoo im Februar seine Partnerschaft mit Google beendet hat. Zuvor hatte Yahoo auf seinen Seiten die Technologie seines Rivalen eingesetzt.
Als börsennotiertes Unternehmen konnte Yahoo bei seinen Zukäufen eigene Aktien einsetzen. Während Inktomi und nun auch Kelkoo reine Barkäufe sind, bezahlte Yahoo die weitaus größere Übernahme von Overture zum Teil mit Aktien. Dieser Weg bleibt Google verwehrt, solange das Unternehmen nicht an der Börse ist. Seit Monaten wartet die Wall Street mit Spannung auf den Börsengang von Google, der in der Vorbereitungsphase sein soll.
Mit Microsoft alles anders?
Eine völlig neue Konstellation könnte sich ergeben, wenn der weltgrößte Softwarekonzern Microsoft in den Markt für Internetsuche einsteigt. Microsoft-Chef Steve Ballmer hat bei einer Veranstaltung am Donnerstag bekräftigt, daß das Unternehmen innerhalb der nächsten zwölf Monate seine eigene Suchtechnologie starten will. Microsoft greift derzeit bei seinem Online-Dienst MSN noch auf eine Partnerschaft mit Yahoo zurück. Ballmer bezeichnete es als einen der größten Fehler von Microsoft in den vergangenen Jahren, nicht früher selbst in die Entwicklung einer eigenen Suchtechnologie investiert zu haben. Der Markteintritt von Microsoft gilt in der Branche als eine der größten Bedrohungen für die Zukunft von Google.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.383,57 | +0,49% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2536 | −0,04% |
| Rohöl Brent Crude | 106,85 $ | −0,38% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
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