01.09.2006 · Der weltgrößte Musikkonzern Universal Music hat die Branche mit der Ankündigung eines Online-Dienstes verblüfft, der Nutzern kostenloses Herunterladen von Titeln ermöglichen soll. Die Online-Plattform soll in diesem Jahr starten, hat aber ihre Haken.
Von Roland Lindner, New YorkDer weltgrößte Musikkonzern Universal Music hat die Branche mit der Ankündigung eines neuen Online-Dienstes verblüfft, der Nutzern kostenloses Herunterladen von Titeln ermöglichen soll. Das ist eine dramatische Kehrtwende, denn die Musikindustrie hat in den vergangenen Jahren erbittert gegen Gratis-Plattformen gekämpft.
Das neue, von Universal gestützte Angebot bringt der Musikindustrie allerdings Umsätze, und zwar in Form von Werbung. Während des Herunterladens von Musik wird dem Nutzer Werbung gezeigt. Die Idee folgt damit vielen anderen Geschäftsmodellen in der Internetbranche, bei denen die Nutzung eines Angebots umsonst ist und der Umsatz aus der Werbung kommt, angefangen von der Suchmaschine Google bis zu erfolgreichen Online-Foren wie Myspace.
Ein Gratis-Angebot mit Haken
Die neue Seite wird nicht von Universal selbst betrieben, sondern von dem kleinen New Yorker Unternehmen Spiralfrog. Universal lizenziert die Titel seiner Künstler, zu denen die Rockgruppe U2 und die Sängerin Gwen Stefani gehören, für die Seite. Spiralfrog hofft, neben Universal auch andere Musikkonzerne wie Sony BMG oder Warner für sein Angebot zu gewinnen. Die Seite soll noch in diesem Jahr in Nordamerika ins Netz gehen, im kommenden Jahr soll das Angebot auch in Europa verfügbar sein.
Gratis-Musikdienste gibt es auch heute schon von Unternehmen wie Napster oder Yahoo, allerdings erlauben diese bislang nur das Abspielen von Musik auf der jeweiligen Internetseite und nicht das Herunterladen auf die Computerfestplatte oder auf einen digitalen Musikspieler - wie dies nun Spiralfrog anbieten will. Die von Spiralfrog heruntergeladenen Titel können allerdings nicht auf dem dominierenden Musikspieler iPod des Unternehmens Apple abgespielt werden. Der iPod und der dazu gehörende Musikdienst iTunes sind ein geschlossenes System, das nicht mit anderen Musikspielern und Online-Plattformen arbeiten kann. iTunes ist im Gegensatz zum neuen Spiralfrog-Service kostenpflichtig, das Herunterladen eines Titels kostet in Amerika 99 Cent (99 Euro-Cent in Deutschland).
Mit dem kostenlosen Angebot von Spiralfrog sind allerdings einige Haken verbunden: Im Gegensatz zu iTunes können die heruntergeladenen Titel nachher nicht auf CDs gebrannt werden. Das Herunterladen soll außerdem 90 Sekunden und damit deutlich länger als bei iTunes dauern, in dieser Zeit soll der Nutzer auf der Seite Werbung zu sehen bekommen. Die Nutzer müssen außerdem regelmäßig die Seite von Spiralfrog besuchen, um den Zugang zu ihren Titeln nicht zu verlieren.
Die Musikindustrie kämpft um die Download-Hoheit
Spiralfrog und Universal hoffen mit dem neuen Angebot, Nutzer zu gewinnen, die ihre Musik bisher als Raubkopien von kostenlosen Internetplattformen heruntergeladen haben. Die Musikindustrie hat in den vergangenen Jahren diese Plattformen mit allen Mitteln bekämpft und sowohl die Betreiber der Seiten als auch deren Nutzer verklagt. Die Unternehmen haben Raubkopien für die geschrumpften Verkaufszahlen bei CDs verantwortlich gemacht. Der im Jahr 2003 gestartete Apple-Dienst iTunes bedeutete den Durchbruch für den legalen und kostenpflichtigen Online-Vertrieb von Musik. Den größten Teil ihrer Umsätze machen Musikunternehmen allerdings bis heute mit dem Verkauf von CDs.
Apple beherrscht das Geschäft mit digitaler Musik bis heute klar. So hat der iPod auf dem amerikanischen Markt für digitale Musikspieler nach Angaben des Marktforschungsinstituts NPD Group einen Anteil von mehr als 75 Prozent. Demnächst bekommt Apple weitere prominente Konkurrenz: Der Softwarekonzern Microsoft - ein langjähriger Rivale von Apple im Computergeschäft - plant noch in diesem Jahr den Start eines eigenen Musikspielers und einer zugehörigen Online-Plattform. Das Gerät und die Software von Microsoft sollen den Namen "Zune" tragen. In dieser Woche startete auch der Online-Dienst AOL, eine Tochtergesellschaft des Medienkonzerns Time Warner, einen neuen gebührenpflichtigen Musikdienst.
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