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Internet Unerwünschte Werbe-E-Mails sind ein Millionengeschäft

19.03.2004 ·  Zwar klicken die Internet-Nutzer nur auf einen Bruchteil der millionenfach versendeten Werbebotschaften, doch das reicht, um den Versendern der als "Spam" bezeichneten Werbemails enorme Einnahmen zu garantieren.

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"Zwei Drittel aller unerwünschten Werbe-E-Mails werden heute von Internet-Nutzern versendet, die gar nichts davon wissen. Ihre Rechner werden ferngesteuert", sagte Mark Sunner, Chief Technology Officer des Internet-Sicherheitsunternehmens Messagelabs. "Die Spam-Versender haben sich bereits ein Netzwerk von Zehntausenden Computern in der ganzen Welt aufgebaut." Im Februar seien 65 Prozent aller E-Mails unerwünschte Werbung gewesen. Zwar klicken die Internet-Nutzer nur auf einen Bruchteil dieser millionenfach versendeten Werbebotschaften, doch das reicht, um den Versendern der als "Spam" bezeichneten Werbemails Millioneneinnahmen zu garantieren. "Das Geschäftsmodell der Spammer funktioniert und hat sich inzwischen zur organisierten Kriminalität entwickelt", sagte Eugene Kaspersky, Gründer des russischen Antivirenspezialisten Kaspersky, dieser Zeitung.

Die Spam-Versender haben sich mit den Urhebern der Computerwürmer verbündet. Würmer wie "Mydoom", "Bagle" oder "Netsky" machen seit Anfang des Jahres das Internet in einer bisher nicht bekannten Dimension unsicher. "Die Virenschreiber früherer Tage haben technisch aufwendige Viren geschrieben, die oft Dateien zerstört, aber sich nicht weit verbreitet haben. Die Urheber der heute aktuellen Computerwürmer zielen vor allem auf eine massenhafte Verbreitung. Die Würmer richten keine direkten Schäden an, öffnen aber Hintertüren für Eindringlinge", sagte Kevin Hogan, Cheftechniker des Antivirenspezialisten Symantec. Diese Hintertüren werden genutzt, um den Computer später als ferngesteuerten Spam-Versender zu nutzen. "Nach meiner Einschätzung existieren bereits mehrere dieser ,Zombie-Netzwerke'", sagte Kaspersky. "Da das Geschäftsmodell der Spam-Versender funktioniert, ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich neue Virenschreiber finden", sagte Gernot Hacker vom Sicherheitsspezialisten Sophos.

Virtuelle Eingangstür

Um der Flut der gefährlichen Viren Herr zu werden, ändern die Antivirenhersteller zur Zeit ihre Strategie: "Viren und Würmer lassen sich heute nicht mehr mit konventionellen Methoden bekämpfen. Moderne Würmer verbreiten sich über Netzwerkprotokolle. Erfolg verspricht daher nur die Durchsuchung aller versendeten Datenpakete im Internet", sagte Raimund Genes vom Sicherheitsspezialisten Trend Micro. Auch Sunner sieht in den Spam-Filtern und Virenscannern, die Unternehmen an ihrer virtuellen Eingangstür aufstellen, auf Dauer keinen Sinn. "Der Zeitpunkt zwischen dem ersten Auftauchen eines Wurms und seiner massenhaften Verbreitung wird immer kürzer. Die Unternehmen haben keine Chance, ihre Schutzprogramme ständig auf dem neuesten Stand zu halten. Wir verfolgen daher das Konzept, den gesamten E-Mail-Verkehr eines Unternehmens auf unseren ständig aktualisierten Rechnern zu filtern und erst den gesäuberten Datenverkehr weiterzuleiten", sagte Sunner.

In den Unternehmen richten Viren und Spam inzwischen erhebliche finanzielle Schäden an: "Die Mitarbeiter müssen inzwischen nicht unerhebliche Teile ihrer Arbeitszeit für das Säubern der Postfächer aufwenden. Zudem müssen die Unternehmen neue Netzwerkrechner kaufen und Übertragungskapazitäten aufbauen, um die E-Mail-Flut zu bewältigen", sagte Hacker.

Zugangsregeln

Als Reaktion auf häufige Attacken auf Windows-Computer wird der Softwarekonzern Microsoft in der ersten Jahreshälfte ein Aktualisierungsprogramm für das Betriebssystem Windows XP veröffentlichen. Das Windows XP Service Pack 2 verbessert nach Angaben des Softwarekonzerns vor allem den Schutz von Netzwerken. Das Service Pack 2 enthält zum Beispiel eine verbesserte Version der Windows Firewall, mit der Angriffe aus dem Netz abgeblockt werden können. Dieses Schutzprogramm soll künftig auch von Anfang an eingeschaltet sein. Die bisherige Firewall in Windows XP war standardmäßig ausgeschaltet und konnte deshalb bei unzähligen Windows-Anwendern eine Infektion des Systems durch Internet-Würmer wie "Blaster" oder "Mydoom" nicht unterbinden.

Neben besserer Technik fordern die Antivirenhersteller auch bessere Gesetze. "Der Spam-Versand muß teuer gemacht werden, indem die Strafen erhöht werden", sagt Hacker. Kaspersky will sogar neue Zugangsregeln für das Internet: "Zum Autofahren benötigt man einen Führerschein, damit die Behörden wissen, wer auf der Straße fährt. Ähnliche Zugangsregeln werden für das Internet benötigt", sagte Kaspersky. Wichtig ist auch die Erziehung der Internet-Nutzer, die nicht mehr auf Dateianhänge klicken sollen, so verlockend der Klick auch ist.

Der Bund mißt der Internet-Sicherheit eine hohe Bedeutung zu. Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) hat auf der Computermesse Cebit eine Sicherheitspartnerschaft mit dem Essener Sicherheitsspezialisten Secunet geschlossen. Secunet hat bereits alle deutschen Botschaften im Ausland mit sicherer Informationstechnik ausgestattet. Nun soll die Partnerschaft ausgeweitet werden. Der Bund möchte im Rahmen der Initiative "Bund-Online 2005" Verwaltungsprozesse in das Internet verlagern. "Diese Kommunikation wird nur akzeptiert, wenn die Sicherheit vorhanden ist", sagte Schily.

Quelle: ht. / Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.03.2004, Nr. 68 / Seite 17
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