03.03.2008 · Tomorrow Focus beteiligt sich am britischen Unternehmen Adjug. Ziel ist der Aufbau eines Online-Werbemarktplatzes, bevor Google oder Yahoo das Geschäft machen.
Von Holger SchmidtDer Online-Werbevermarkter Tomorrow Focus beteiligt sich mit 17 Prozent an dem britischen Unternehmen Adjug. Das gemeinsame Ziel der Unternehmen ist der Aufbau eines Marktplatzes für Online-Werbung in mehreren europäischen Ländern. „Adjug ist für Tomorrow Focus eine strategische Investition, weil wir an Vermarktungsmarktplätze glauben. Das Unternehmen befindet sich aber noch in der Startphase, deshalb haben wir uns im ersten Schritt mit einem einstellingen Millionenbetrag 17 Prozent der Anteile gekauft. Mehr konnten wir leider auch nicht bekommen“ , sagte der Vorstandsvorsitzende von Tomorrow Focus, Stefan Winners, der F.A.Z.
Auf dem Marktplatz können Internetunternehmen freie Werbeflächen einstellen, die dann werbetreibende Unternehmen oder deren Agenturen erwerben können. Die Bündelung der freien Werbeflächen soll genügend große Reichweiten auch in eigentlich engen Zielgruppen ermöglichen.
Erste Werbemarktplätze sind gescheitert
Das Modell klingt logisch, ist aber ein schwieriges Unterfangen, an dem schon einige Unternehmen gescheitert sind. Weder der Online-Werber Wunderloop mit dem Marktplatz „Connect“ noch das Start-up Adscale – trotz Unterstützung von Holtzbrinck und der Samwer-Brüder – haben bisher ihre Marktplätze mit Leben erfüllen können.
Vor allem die großen Portale und Vermarkter halten sich zurück – auch aus Gründen des Datenschutzes, denn auf einigen Marktplätzen werden Informationen über Nutzer gesammelt, ohne dass diese es wissen. Die großen Vermarkter wie United Internet fürchten zudem um ihre Größenvorteile.
Europäische Kampagnen geplant
Winners kennt die Startschwierigkeiten und baut vor. „Einen Online-Werbemarktplatz hochzuziehen, ohne die Expertise von Fachleuten aus der Branche zu haben, ist zum Scheitern verurteilt. Außerdem ist es bisher keinem Unternehmen gelungen, eine kritische Größe auszubauen. Wir werden dem Marktplatz in Deutschland von Anfang an 100 Millionen Ad Impressions zur Verfügung stellen“, sagte Winners. Das bedeute, dass das Unternehmen dort seine nicht verkauften Online-Werbeplätze anbieten werde.
„Wir vernetzen zudem unsere Premium-Publishers-Online-Organisation, die auch in London sitzt, mit Adjug, damit Kampagnen, die auf europäischer Ebene nicht ausverkauft sind, auf dem Marktplatz mit vermarktet werden. Wir sprechen gerade mit den PPO-Partnern, ihr Inventar in Adjug einzustellen“, sagte Winners.
„Adjug muss Portalen mehr Geld als Google bringen“
Aber der Marktplatz soll natürlich nicht nur Werbeflächen von Tomorrow Focus verkaufen. „Wir haben mit anderen Portalen noch nicht über eine Kooperation mit Adjug gesprochen, werden das aber sehr schnell tun. Ich sehe gute Chancen, dass uns viele Portale auf den Marktplatz folgen werden, vor allem die Anbieter graphischer Werbeflächen. Dafür muss Adjug ihnen aber mehr Geld bringen als eine Vermarktung per Google – ganz einfach“, sagte Winners.
Viele Verlage, die gerade ihre Archive frei ins Netz gestellt haben, haben ihre vermarktbaren Werbeflächen damit stark erhöht. „Der Anteil des Google-Traffic auf nichtaktuellen Inhalten wie Archiven steigt zurzeit dramatisch. Wenn diese Umfelder noch nicht verkauft sind, lassen sie sich auf einem Marktplatz sehr gut monetarisieren“, sagte Winners.
Plattformen auch in Spanien und Frankreich
Adjug wurde im August 2007 von Michael Stephanblome und Satish Jayakumar gegründet. Stephanblome war davor fünf Jahre als Marketing-Direktor von Ebay in Deutschland und drei Jahre als Geschäftsführer von Gumtree in Großbritannien tätig. Jayakumar hat zuvor die europäische Strategie des Suchmaschinenvermarkters Miva verantwortet. Beteiligt an Adjug ist bereits Balderton Capital, das vom deutschen Investor Klaus Hommels vertreten wird.
Für Tomorrow Focus wird Vorstandsmitglied Christoph Schuh in den Verwaltungsrat einziehen. Voraussichtlich werde Adjug seine Tätigkeit in Deutschland am 1. Juli aufnehmen. „Im zweiten Quartal werden wir das Team zusammenstellen. Das englische Team steht bereits. Im kommenden Jahr werden wir die Plattform auf Frankreich und Spanien erweitern“, sagte Winners.
Konkurrenz von Doubleclick und Yahoo
Allerdings ist er sich dessen bewusst, dass Adjug sicher kein Selbstläufer wird, zumal jetzt auch starke Konkurrenten auf den Markt drängen. „Natürlich wird Adjug Konkurrenz bekommen. Aber es gibt genug Raum für mehrere Marktplätze. Ich erwarte, dass sich in den nächsten Jahren zwei oder drei Marktplätze in Deutschland etablieren werden. Unser Hauptkonkurrent wird sicher Doubleclick sein, aber wir werden an anderer Stelle natürlich weiter mit Doubleclick zusammenarbeiten“, sagte Winners.
Neben Doubleclick, das künftig wohl zu Google gehört, hat auch das Internetportal Yahoo seinen Marktplatz in Europa gestartet, der aus der Akquisition des Online-Werbeunternehmens Right Media stammt. Right Media hat bereits einen Sitz in Großbritannien und baut gerade in Hamburg die deutsche Niederlassung auf, steht dabei aber noch ganz am Anfang.
Microsoft hat kein Interesse an Marktplätzen
Microsoft hat zwar auch einen Marktplatz namens Ad ECN, aber dafür keine Pläne in Deutschland. „Das Thema Werbemarktplätze sehe ich extrem skeptisch. Wegen der Vielfalt der Formate würde eine Börse zu wenig unterstützt. Wir haben eher zu wenig Inventar und daher keinen Bedarf an einer Börse“, sagte Markus Frank, Director Sales and Trade Marketing von Microsoft Deutschland.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.383,57 | +0,49% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2536 | −0,04% |
| Rohöl Brent Crude | 106,85 $ | −0,38% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
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