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Internet T-Online erzielt erstmals Gewinn

13.05.2003 ·  Der Internet-Zugangsdienst T-Online hat erstmals Gewinn erwirtschaftet. Das Unternehmen gibt zugleich das Ziel auf, 30 Prozent des Umsatzes mit Werbung, E-Commerce und Bezahlinhalten zu erzielen.

Von Holger Schmidt
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Für Thomas Holtrop, den Vorstandsvorsitzenden von T-Online, ist die Zeit des Wachstums um jeden Preis vorbei. Qualität ist angesagt. „Unser Fokus liegt auf Breitband-Kunden, deren soziodemographische Daten zu T-Online passen“, sagte Holtrop dieser Zeitung. T-Online zielt vor allem auf zahlungskräftige Kunden, die auch für Inhalte zahlen wollen. „Es nutzt uns wenig, wenn wir nur Kunden akquirieren, die sehr preisbewußt sind und an Zusatzangeboten nicht interessiert sind.“

22 Prozent Umsatzzuwachs

Seine Strategie scheint aufzugehen. „Wir haben in zehn aufeinanderfolgenden Quartalen das Ergebnis gesteigert“, sagte Holtrop. Zum ersten Mal in seiner Geschichte erwirtschaftete die Telekom-Tochtergesellschaft im ersten Quartal ein positives Ergebnis vor Steuern in Höhe von 2 Millionen Euro. Zwischen Januar bis März des Vorjahres hatte der Internet-Zugangsdienst, der sich gerne als größtes digitales Medienhaus Europas bezeichnet, noch ein Minus von 92 Millionen Euro bilanziert. Im Konzern wurde jedoch noch ein Verlust von 30 Millionen Euro erzielt, nach 90 Millionen Euro Verlust im Vorjahresquartal. „Die nächste Hürde ist ein positives Nettoergebnis, das wir gerne bis Ende 2004 ausweisen möchten“, kündigte Holtrop an. Der Umsatz stieg in den ersten drei Monaten um 22 Prozent auf 445 Millionen Euro. Während das Inlandsgeschäft nur um 20 Prozent zulegte, scheint das Auslandsgeschäft, bisher die größte Baustelle im Konzern, langsam rund zu laufen. Der Umsatz stieg binnen Jahresfrist um 59 Prozent auf 40 Millionen Euro.

Prognose auf dem Prüfstand

Das Unternehmen sieht sich auf einem guten Weg. Der Finanzvorstand Rainer Beaujean deutete an, die Ergebnisprognose nach einem guten zweiten Quartal anheben zu wollen. „Man kann davon ausgehen, daß wir Ende des zweiten Quartals mit einer neuen Prognose aufwarten werden“, sagte Beaujean dieser Zeitung. „Wir haben gute Chancen, die bisherige Prognose von 180 bis 210 Millionen Euro als Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen zu übertreffen. Wir sind aber vorsichtige Kaufleute und warten das zweite Quartal lieber noch ab“, sagte Beaujean. Auch an der Börse wurden die Zahlen von T-Online positiv aufgenommen. „Nach den heutigen Ergebnissen erscheint die Gewinnprognose für das Geschäftsjahr sehr konservativ“, sagte Kai Kaufmann, Internet-Analyst bei Dresdner Kleinwort Wasserstein. Der Aktienkurs stieg im Tagesverlauf um kanpp 3 Prozent auf 7,15 Euro.
Allerdings gelingt Holtrop nicht alles. Der Ex-Banker verabschiedete sich von seinem Ziel, bis zum kommenden Jahr 30 Prozent des Umsatzes mit Werbung, E-Commerce und Bezahlinhalten zu erzielen. „Ich erkläre mich lernfähig und nehme Abschied von der strikten Umsatzaufteilung auf 70 Prozent Zugangsentgelte und 30 Prozent andere Erlöse“, sagte Holtrop. Trotzdem baut T-Online das Geschäft mit Bezahlinhalten weiter aus. „Die neue Fußball-Saison beginnt im August. Dann steigen wir in die Abonnementwerbung für die Fußball-Zusammenfassungen im Internet ein, die bereits um 18.15 Uhr zur Verfügung stehen“, sagte Holtrop. Aber er gesteht ein: „Es ist ein mühsames Geschäft, den Geburtsfehler der Kostenlos-Kultur im Internet zu korrigieren.“

Online-Werbung lahmt noch

Auch die Online-Werbung entwickelt sich nicht so dynamisch wie geplant. Der Anteil von T-Online am Internet-Werbemarkt liegt deutlich unter der Position im Internet-Markt. „Wir können unsere Reichweite noch nicht adäquat am Markt absetzen. Wir wären in der Lage, wesentlich mehr Online-Werbung zu verkaufen. Aber die Vermarktungsstrukturen im Internet sind noch nicht so professionell wie im Fernsehen oder in den Zeitungen. Dafür ist die Internet-Industrie einfach noch zu jung.“
Wichtig sei allein die Marge, lautet nun die Zielvorgabe aus der T-Online-Chefetage. „Ich verzichte gerne auf Umsatz, wenn er nicht profitabel ist.“ Die Rohertragsmarge, also der Umsatz minus Materialaufwand, ist innerhalb eines Jahres von 42 auf 56 Prozent gestiegen, vor allem wegen einer besseren Kapazitätsauslastung im Zugangsgeschäft. Großes Potential sieht Holtrop aber nicht mehr: „56 Prozent ist bereits Olympianorm. Wir werden versuchen, diesen Wert zu halten.“
Die Strategie, auf die gutverdienende und wenig preisbewußte Kundschaft zu setzen, macht sich auch im Neukundengeschäft bemerkbar. Die Zahl der Menschen, die sich über T-Online in das Internet einwählen, ist in Deutschland binnen Jahresfrist um 10,4 Prozent auf 10,16 Millionen gestiegen. Das Wachstum ist damit deutlich niedriger als in der Branche üblich. Holtrop stört sich daran nicht, da vor allem die Zahl der lukrativen Kunden mit schnellem DSL-Zugang zum Internet noch kräftig wächst. Die 2,9 Millionen Kunden mit DSL-Zugang bringen T-Online ordentlichen Profit, da die Vorleistungen, die an die Muttergesellschaft Deutsche Telekom gezahlt werden müssen, deutlich niedriger als bei normalen Modem- oder ISDN-Verbindungen sind.

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