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Internet StudiVZ überflügelt alle

18.06.2007 ·  Das StudiVZ funktioniert wie früher das Poesiealbum. Statt auf Papier steht nun alles im Internet. Erst zwei Jahre gibt es die Seite. Doch das Netzwerk hat schon jetzt den früheren Spitzenreiter T-Online bei den Seitenaufrufen überflügelt. Werbung wird trotzdem nur zu Dumpingpreisen geschaltet.

Von Patrick Bernau
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Das StudiVZ funktioniert eigentlich wie früher das Poesiealbum. Doch statt auf Papier steht nun eben alles im Internet, in kargem rot-weißem Layout. Auf der Website StudiVZ schreiben Studenten auf, was sie studieren und was sie gerne lesen.

Sie laden Fotos hoch und schicken Nachrichten an ihre Kommilitonen. Auch alte Schulfreunde lassen sich schnell wiederfinden. In speziellen Foren tratschen die Studenten über „Gott“, „Die Welt braucht kein Altbier“ oder „Schopenhauer“.

Mit 10.000 Euro Startkapital gegründet

Das Konzept ist wirkungsvoll: Erst im Oktober 2005 hatten zwei Studenten die Internetseite mit 10.000 Euro Startkapital gegründet. Jetzt hat StudiVZ schon Internet-Größen wie T-Online überholt: Keine deutsche Internet-Seite wird von den Nutzern öfter angeklickt.

Im Mai hat das StudiVZ seine Abrufe zum ersten Mal von der Werbevermarkter-Firma IVW messen lassen und sich gleich an die Spitze gesetzt. IVW berücksichtigt nicht alle Websites, aber Daten des Online-Informationsdienstes Alexa weisen in dieselbe Richtung. Nur amerikanische Websites wie Google sind noch weit voraus.

„Netzwerk-Effekt“ oder „sozialer Druck“

2,4 Millionen junge Leute machen nach Angaben von StudiVZ inzwischen mit. Rechnerisch ist das jeder Student im deutschsprachigen Raum. Jeden Tag soll die Hälfte der Nutzer online sein. Der Erfolg hat einen einfachen Grund: Mit jedem zusätzlichen Mitglied wurde die Seite auch für andere Studenten interessanter, weil immer mehr ihrer Freunde schon dabei waren.

Vor allem jüngere Studenten können kaum noch durch die Uni laufen, ohne auf das StudiVZ angesprochen zu werden. „Netzwerk-Effekt“ nennen das Ökonomen. „Sozialer Druck“ nennt das Konstantin Urban, Beteiligungs-Manager beim Holtzbrinck-Verlag, der StudiVZ im Januar für geschätzte 80 Millionen Euro gekauft hat - die genaue Kaufsumme ist nicht bekannt.

Werbung zum Dumping-Preis

Damals, als sich der Verlag StudiVZ schnappte, machte die Internetseite keinen Umsatz. Zudem beschwerten sich Nutzer über mangelnden Datenschutz. Besonders Mitgründer Ehssan Dariani war negativ aufgefallen: Er hatte eine Bekannte auf einer Party bis in die Toilette verfolgt und ein Video davon ins Internet gestellt. Dariani ist inzwischen in den StudiVZ-Aufsichtsrat weggelobt.

Nun will der Holtzbrinck-Verlag seinen Kaufpreis wieder hereinholen. Im ersten Quartal 2008 werde das StudiVZ zum ersten Mal seine Kosten decken, prophezeit Verlags-Manager Urban. Dazu verkaufen die Betreiber jetzt Werbung. Doch das ist nicht einfach. Denn das StudiVZ wird zwar oft aufgerufen und lange genutzt, aber eben immer wieder von denselben Studenten.

Das mögen Werbekunden nicht. Zwar werden Online-Anzeigen im Prinzip pro Abruf verkauft und bezahlt, doch die Zahl der unterschiedlichen Nutzer ist den Kunden wichtig. Und die ist etwa bei T-Online deutlich höher. Deshalb verkauft das StudiVZ seine Werbung zum Dumpingpreis: 1000 Einblendungen einer großen Anzeige kosten bei T-Online 45 Euro, beim StudiVZ 15 - vor Rabatten.

Kosten sind gering

So lasse sich die Werbung wieder gut verkaufen, sagt Christoph Mecke, der für die Werbeagentur BBDO Werbeplätze aussucht. Für Elektronikmarken beispielsweise seien Studenten ganz wichtig: „Die fangen in wenigen Jahren an, Geld zu verdienen. Die Firmen müssen dafür sorgen, dass die Studenten bei der Stange bleiben.“

Doch auch wenn StudiVZ nur billige Werbung verkaufen kann - zum Geldverdienen wird es wohl reichen. Denn die Kosten sind gering. Die meiste Arbeit erledigen die Nutzer nämlich selbst, indem sie Nachrichten schreiben. Nach Holtzbrinck-Angaben kostet das StudiVZ weniger als zehn Millionen Euro im Jahr. Um die zu decken, reichen fünf Prozent der Werbeeinnahmen von T-Online locker.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
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