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Internet Reimporte treiben Autokauf im Internet an

20.09.2004 ·  Weil sich die meisten Autohersteller mit dem Direktvertrieb ihrer Wagen im Internet weiterhin zurückhalten, machen die Reimporteure im Netz das Geschäft mit den Neuwagen.

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Weil sich die meisten Autohersteller mit dem Direktvertrieb ihrer Wagen im Internet weiterhin zurückhalten, machen die Reimporteure im Netz das Geschäft mit den Neuwagen.

"Zwischen 150 000 und 200 000 reimportierte Neuwagen wechseln in diesem Jahr im Internet den Besitzer. Wegen der weiterhin hohen Preisunterschiede in Europa gewinnt das Online-Geschäft mit diesen Autos an Bedeutung", schätzt Ferdinand Dudenhöffer von der Fachhochschule Gelsenkirchen. Der Preisvorteil dieser Autos liege meist zwischen 15 und 25 Prozent im Vergleich zum Listenpreis in Deutschland.

Besonders groß sei der Preisvorteil der Neuwagen, die aus den neuen EU-Mitgliedstaaten im Osten zurück nach Deutschland kommen. Auch Thomas Pauschert vom Marktforschungsunternehmen Enigma GfK bestätigt den Trend zum Online-Neuwagenkauf: "1,35 Millionen Menschen in Deutschland haben in den vergangenen 5 Jahren im Internet ein Auto gekauft. Rund ein Fünftel dieser Autos waren Neuwagen", sagt Pauschert.

Die meisten Hersteller halten sich aus dem Geschäft heraus

Neben den Angeboten in den Internet-Autobörsen wie Autoscout24 und Ebay haben sich spezialisierte Unternehmen wie PKW.de oder Jütten & Koolen im Internetvertrieb reimportierter Autos etabliert. Auch große Händler wie Gottfried Schulz bieten auf ihrer Website reimportierte Neuwagen an.

Dagegen halten sich die meisten Autohersteller mit Rücksicht auf den Handel weiterhin aus dem Internetgeschäft mit Neuwagen heraus. "Ford verfolgt nicht die Philosophie, Fahrzeuge über das Internet direkt an Endkunden zu verkaufen", sagt zum Beispiel Wilhelm Wagner von Ford. In Großbritannien sieht die Strategie aber schon anders aus, denn dort verkauft Ford direkt an Endkunden. "Das ist auf Sicht aber kein Modell für Deutschland", sagt Wagner.

Die Wirkung der Direktvertriebsmodelle der Hersteller wie E-Seat schätzt Dudenhöffer als gering ein. "75 Prozent der Seat-Händler sind gegen den Direktvertrieb, da die Preisnachlässe im Internet die Rabattgespräche im Autohaus forcieren", sagt Dudenhöffer. Auch Quelle.de werde als Generator von Kundenkontakten langfristig keinen großen Erfolg haben. Dafür sei das Angebot zu begrenzt.

Viele Autohersteller nutzten die Potentiale des neuen Mediums nicht aus. "Einige Hersteller bieten auf ihrer Internetseite noch nicht einmal einen Auto-Konfigurator an, obwohl die Kunden diese Funktion stark nachfragen", sagt Dudenhöffer. Drei Viertel der Hersteller fragen auch nicht nach, wie die Händler mit den weitergeleiteten Online-Kundenanfragen umgehen. "Online-Marktforschung ist bei den Herstellern immer noch nicht etabliert", kritisiert Dudenhöffer. Die Hersteller seien der Ansicht, daß die Kunden ihre Autos auch im Jahr 2015 noch überwiegend im Autohaus kauften.

Internet als Informationsquelle beim Autokauf

Allerdings wächst die Bedeutung des neuen Mediums als Informationsquelle vor dem Autokauf stetig. "44,6 Prozent der Autokäufer informierten sich vor dem Kauf gezielt im Internet", hat Marktforscher Pauschert herausgefunden. Meist werden die großen Autobörsen als erste Anlaufstellen genutzt. Das haben auch die Hersteller erkannt: Es ist wichtig für Ford, den Händlern Zugang zu den Gebrauchtwagenbörsen zu ermöglichen, sagt Wagner.

Der Löwenanteil des Internetvertriebs entfällt weiterhin auf die Gebrauchtwagen. Rund 1,5 Millionen Autos werden im Netz angeboten. "Drei Viertel aller Autoverkäufe werden inzwischen im Internet angebahnt", schätzt Dudenhöffer. Das Internet hat die Preisausschläge auf dem Gebrauchtwagenmarkt stark reduziert. "Heute schaut jeder Händler, der einen Lexus in Zahlung nimmt, zuerst in der Lexus-Autobörse nach. Die Händler werden diszipliniert; Ausreißer nach oben oder unten werden vermieden", sagt Jörg Hasenclever, der den japanischen Lexus-Hersteller Toyota berät.

Den Großteil des Geschäftes vereinen die Marktführer Autoscout24 und Mobile.de auf sich. Seitdem Mobile.de Gebühren für die privaten Autoverkäufer eingeführt hat, ist der Vorsprung im Fahrzeugbestand gegenüber Autoscout24 in einen Rückstand umgeschlagen, der in den vergangenen Monaten größer geworden ist. "Die Schere zwischen Autoscout24 und Mobile.de wird weiter aufgehen. Mobile.de wird 80 Prozent des Privatmarktes verlieren. Und die Händler gehen dorthin, wo die Privaten sind", erwartet Dudenhöffer. Während die Umsätze im klassischen Autohandel sinken, rechnen Internet-Börsen wie Autoscout24 mit rund 40 Prozent mehr Umsatz in diesem Jahr.

Peter Schmid, Geschäftsführer von Autoscout24, freut sich über den Zulauf der privaten Nutzer, will die Gebührenfreiheit aber nicht auf Dauer beibehalten. "Jeden Monat geht viel Geld an uns vorbei. Deshalb denken wir auch über die Einführung der Gebühren nach", sagte Schmid dieser Zeitung. Schmid kann sich vorstellen, Gebühren zuerst in seinem neuen Geschäftsfeld Autoteile einzuführen. Das Geschäft mit den Autoteilen, das bisher der Konkurrent Ebay beherrscht, wachse sehr schnell, sagte Schmid. Nach Angaben von Pauschert haben 9,4 Prozent der deutschen Internetnutzer in den vergangenen fünf Jahren Autozubehör im Netz bestellt.

Neuwagen im Internet: www.pkw.de, www.juetten-koolen.de, www.ebaymotors.de, www.autoscout.de, www.e-seat.de, www.quelle.de

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.09.2004, Nr. 219 / Seite 19 , ht.
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