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Internet Preisvergleiche im Netz bringen 30 Prozent Ersparnis

17.11.2003 ·  Im Internet tobt ein heftiger Preiskampf. Weil sich die Preise der Internet-Händler mit wenigen Mausklicks vergleichen lassen, ist der Konkurrenzdruck weit größer als im traditionellen Handel.

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Im Internet tobt ein heftiger Preiskampf. Weil sich die Preise der Internet-Händler mit wenigen Mausklicks vergleichen lassen, ist der Konkurrenzdruck inzwischen weit größer als im traditionellen Handel. Preisvergleiche bringen vor allem für Technikprodukte Ersparnisse von rund 30 Prozent gegenüber den Preisempfehlungen der Hersteller, hat die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen herausgefunden.

Zum Beispiel kostet eine Digitalkamera von Sony im Neckermann-Shop 799 Euro. Im Online-Shop von Karstadt ist die Kamera schon für 629 Euro zu haben. Der günstigste Händler auf dem Internet-Marktplatz Ebay verlangt nur 549 Euro. Aber die Preisspirale ist noch nicht am Ende: Eine Anfrage bei der Preisvergleichsmaschine Guenstiger.de zeigt ein Angebot für 525 Euro an. Wenige Klicks im Internet bringen in diesem Fall 34 Prozent Preissenkung.

Häufig deutliche Ersparnisse möglich

Ersparnisse von dieser Größenordnung sind kein Einzelfall, sagt Oliver Flaskämpfer, Gründer des Schnäppchenführers Geizkragen.de. "Die günstigen Preise stammen meist von kleinen und mittleren Händlern, die geringe Kosten haben und sich mit kleinen Margen zufriedengeben", sagt Flaskämpfer, dessen Suchmaschine die Preise von 180 Internet-Shops vergleicht.

Der Handel sehe diese Entwicklung natürlich nicht gerne. "Wir machen die bisher geltenden Marktpreise kaputt. Unverbindliche Preisempfehlungen sind Makulatur geworden. Hersteller und Handel müssen umdenken", sagt Philip Hartmann, Geschäftsführer der Produktsuchmaschine Guenstiger.de. In seinen Datenbanken sind rund 18000 Produkte von mehr als 2000 Händlern gelistet. Darunter befinden sich neben vielen kleinen Anbietern auch große Händler wie Amazon oder die Otto-Tochtergesellschaft Discount24. Meist sind auch direkte Verbindungen zum Online-Marktplatz Ebay geschaltet.

Von Computern über Haushaltsgeräten und Musikinstrumenten

Der bequeme Preisvergleich im Internet funktioniert besonders gut mit homogenen Produkten. Neben Unterhaltungselektronik, Kameras, Computern und Telefonen werden seit kurzem auch Haushaltsgeräte von der Kaffeemaschine bis zum Kühlschrank verglichen. "Neue Themen wie Musikinstrumente oder Finanzdienstleistungen kommen aber ständig hinzu", sagt Hartmann. Neben den Händlern sollen nun auch Hersteller animiert werden, ihre Angebote in den Vergleichsdatenbanken zu listen.

Die verschiedenen Suchmaschinen haben ihre Besonderheiten. Zum Beispiel vergleicht Kelkoo neben den Technik-Produkten auch Autos, Möbel, Reisen und Bekleidung. Die Franzosen summieren Produkt- und Versandkosten auf. Guenstiger.de verzichtet als einzige Suchmaschine auf Händlerprovisionen und vergleicht daher die meisten Händler. Die Redaktion testet die Händler vor der Aufnahme in die Datenbank. Guenstiger.de hat die Preissuchmaschine.de als Testlabor ins Internet gestellt.

Verhandlungsgrundlage für den Kauf im Laden

Die Produktsuchmaschinen gewinnen schnell an Bedeutung. Rund 1,5 Millionen Internet-Nutzer haben im September die Seite des Marktführers Guenstiger.de besucht. Auch Geizkragen.de und der französische Anbieter Kelkoo.de wiesen im September rund eine Million Besucher auf. Allerdings wollen nicht alle Besucher nach dem Preisvergleich auch im Internet bestellen. "Viele Verbraucher drucken sich den Preisvergleich aus, um später eine Verhandlungsgrundlage im Geschäft zu haben", weiß Flaskämper.

Damit überträgt sich der Preisdruck aus dem Internet auf den stationären Handel, der damit weiter unter Druck gerät. "Daß man den Aufschwung im Einzelhandel nicht sieht, liegt am E-Commerce", glaubt Flaskämper. Nach Schätzungen von Forrester Research werden die deutschen Verbraucher im Weihnachtsgeschäft in diesem Jahr 2,45 Milliarden Euro im Internet ausgeben. Dazu kommen noch schätzungsweise eine Milliarde Dollar, die auf dem Online-Marktplatz Ebay gehandelt werden.

Da die Produktsuchmaschinen zu Navigatoren im elektronischen Handel werden, nehmen sich inzwischen auch die großen Internet-Unternehmen des Themas an. Die Suchmaschine Google experimentiert mit einer Produktsuchmaschine namens Froogle, die nach Schätzungen von Branchenkennern im kommenden Jahr auch in Deutschland ins Netz gestellt wird. Der Internet-Händler Amazon hat im Silicon Valley ein Unternehmen mit Namen "A9" gegründet. Die Truppe soll eine Technik entwickeln, die nicht nur die Amazon-Website, sondern auch andere Händlerseiten nach Produktangeboten durchsuchen soll.

Vergleich ohne Händlerprovisionen

Den größten Respekt haben die etablierten Anbieter aber vor Froogle. "Wenn Froogle kommt, wird es heiß", erwartet Hartmann. Denn Froogle wird wie Guenstiger.de keine Provisionen von den Händlern verlangen, deren Angebote in den Datenbanken gelistet werden. Hartmann setzt allerdings auf Zusatzdienste wie Testergebnisse und Meinungen der Käufer zu Händlern, um gegen die scheinbar übermächtige Konkurrenz von Google zu bestehen.

Die nächste Stufe des "Smart-Shoppings" ist auch schon eingeleitet: die Preisvergleichsmaschinen werden mobil. Dann können die Kunden direkt im Geschäft per Handy den günstigsten Preis im Internet abrufen. Die Preistransparenz im Internet hat den traditionellen Handel dann endgültig erreicht.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.11.2003, Nr. 267 / Seite 19
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