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Internet Microsoft zahlt 6 Milliarden Dollar für Online-Werber Aquantive

 ·  Microsoft schlägt zurück: Für 6 Milliarden Dollar übernimmt der Softwarekonzern das Online-Werbeunternehmen Aquantive. Das ist die Antwort auf Googles Übernahme von Doubleclick. Auch AOL baut seine Stellung im Online-Werbemarkt aus.

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Der Softwarekonzern Microsoft Corp. hat eine milliardenschwere Akquisition angekündigt, um seine Internetsparte zu stärken und im Wettbewerb mit Google aufzuholen. Microsoft zahlt 6 Milliarden Dollar in bar oder 66,50 Dollar je Aktie für das Online-Werbeunternehmen Aquantive Inc. Der Preis entspricht einem Aufschlag von 85 Prozent auf den vorherigen Aktienkurs von Aquantive.

Mit der Transaktion kontert Microsoft den im April angekündigten Zukauf des Aquantive-Wettbewerbers Doubleclick durch Google. Diese Akquisition ließ sich Google 3,1 Milliarden Dollar kosten. Seither gab es eine ganze Reihe von Zukäufen von Unternehmen, die sich auf Online-Werbung spezialisiert haben. Yahoo zahlte 680 Millionen Dollar für Right Media. Erst in dieser Woche kaufte AOL den deutschen Werbespezialisten Adtech und die britische Werbeholding WPP blätterte für das Unternehmen 24/7 Real Media 649 Millionen Dollar auf den Tisch.

Kaufrausch in der Online-Werbung

Der derzeitige Kaufrausch spielt sich vor dem Hintergrund eines rasanten Wachstums im Geschäft mit Internetwerbung ab. Werbetreibende Unternehmen verlagern einen immer größeren Anteil ihres Budgets von traditionellen Medien wie Fernsehen oder Zeitungen ins Internet. In den Vereinigten Staaten sind die Ausgaben für Online-Werbung im vergangenen Jahr um 34 Prozent auf das Rekordniveau von 16,8 Milliarden Dollar gestiegen, haben der Branchenverband Interactive Advertising Bureau und der Wirtschaftsprüfer Pricewaterhouse Coopers ermittelt.

In Deutschland ist die Werbung im Netz im vergangenen Jahr sogar um 85 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro gestiegen, hat der Branchenverband BVDW errechnet. Da der Internetanteil an der Medienzeit der Menschen immer noch weit höher als der Anteil an den Werbeausgaben ist, erwarten Fachleute auch in den nächsten Jahren starke Verschiebungen der Werbebudgets in das Internet. Nach Schätzungen des Marktforschungsinstituts Emarketer wird der Markt bis Jahr 2010 allein in den Vereinigten Staaten auf 32,3 Milliarden Dollar zulegen.

Bewertungen schnellen hoch

Diese Entwicklung lässt die Bewertung von Online-Werbeunternehmen in die Höhe schnellen. Dabei haben einige der älteren Unternehmen in dem Geschäft, und dazu gehört auch die im Jahr 1997 gegründete Gesellschaft Aquantive, schwere Zeiten hinter sich. Der Kurs der Aquantive-Aktie fiel im Jahr 2001 einmal auf weniger als einen Dollar. Auch Doubleclick erlebte einen ähnlichen Absturz.

Heute ist Aquantive im Werbemarkt breit aufgestellt und einer der schärfsten Konkurrenten von Doubleclick und Adtech. Alle drei Unternehmen stellen die Technik zur Auslieferung der Online-Werbung bereit. Aquantive ist aber auch die Muttergesellschaft weiterer Internetunternehmen wie Avenue A/Razorfish, Atlas und Drivepm.

Werbenetzwerk ausbauen

„Die Werbeindustrie wächst mit einer unglaublichen Geschwindigkeit, sie bewegt sich Richtung Online und Hip-orientierten Plattformen, das erhöht drastisch die Wichtigkeit von Software für die Branche,“ schrieb der Microsoft-Vorstandsvorsitzende Steve Balmer in der Pressemitteilung. "Der Kauf von Aquantive repräsentiert den nächsten Schritt in der Evolution unseres Werbe-Netzwerks, vom ersten Investment in MSN, zum breiteren Netzwerk mit Xbox Live, Windows Live und Office Live, und jetzt zur vollen Kapazität des Internet.“

Der Online-Werbemarkt konzentriert sich zurzeit auf Google, Yahoo, AOL und Microsoft, die große Werbenetzwerke aufgebaut haben, die also zusätzlich zu eigenen Internetseiten auch Werbung auf Tausender anderer Seiten mit vermarkten.

Microsoft unter Druck

Für Microsoft ist die Übernahme ein Versuch, Boden gutzumachen. Microsoft hat in den vergangenen Jahren viel investiert, um das Internetgeschäft aufzubauen. So entwickelte Microsoft eine eigene Suchmaschine und ein eigenes System zur Plazierung von Anzeigen bei Internetsuchen. Bislang kommt Microsoft aber kaum voran, die Internetsparte ist noch immer defizitär, und das Wachstum bleibt weit hinter Wettbewerbern wie Google zurück.

Das Wachstum der Branche wurde bisher von den Suchmaschinen wie Google oder Yahoo getrieben, die neben den Trefferlisten der Suchanfragen die passende Werbung ausgeliefert haben. Allein Google hat mit diesen Werbehinweisen im vergangenen Jahr mehr als 10 Milliarden Dollar in aller Welt umgesetzt. Doch das Wachstumstempo dieser Werbeform scheint ihren Höhepunkt überschritten zu haben. Dank schneller Breitbandverbindungen gewinnen zurzeit grafische Werbeformen wie Videos schnell an Bedeutung.

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Jahrgang 1970, Wirtschaftskorrespondent in New York.

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