30.01.2006 · Marissa Mayer ist die Chefentwicklerin von Google. Sie ist für viele der neuen Produkte und Dienste verantwortlich, mit denen Google beinahe im Wochenrhythmus die Konkurrenz erschreckt.
Eigentlich wollte Marissa Mayer nach ihrem Studium an der kalifornischen Eliteuniversität Stanford Hochschullehrerin für Computerwissenschaften werden. Ihr Berater schickte sie aber bei zwei jungen Doktoranden vorbei.
Mayer, damals 23 Jahre alt, traf sich - eher widerwillig - mit Larry Page und Sergey Brin, die nichts Geringeres planten, als alle Informationen der Welt mit Hilfe einer Internet-Suchmaschine zu organisieren. Mayer ließ sich von der Idee überzeugen. Sie gab ihre Universitätskarriere auf und unterschrieb - als eine von damals 20 Mitarbeitern - Anfang 1999 einen Arbeitsvertrag als Entwicklerin bei dem unbekannten Start-up Google.
Entwicklungen in Rekordzeit
Dieser Mut hat sie reich gemacht. Denn Google wird an der Börse heute mit 130 Milliarden Dollar bewertet. Mayer, die beim Börsengang reichlich mit Aktien belohnt wurde, hat großen Anteil an dem Erfolg. Als heute 30 Jahre alte Chefentwicklerin ist sie für das Feuerwerk neuer Produkte und Dienste verantwortlich, mit dem Google beinahe im Wochenrhythmus den Aktienkurs antreibt.
„Ich liebe es, Produkte früh und oft auf den Markt zu bringen. Das ist mein Mantra“, sagt Mayer. Als sie 2003 in einem Chat von der Idee eines australischen Entwicklers las, alle Dateien auf einem Computer zu durchsuchen, reagierte sie schnell: Sie heuerte den Australier an, stellte ihm ein Entwicklerteam zur Seite, und in Rekordzeit kam die Suchfunktion „Google Desktop“ auf den Markt - zwei Monate vor dem vergleichbaren Programm des Rivalen Microsoft.
Mayer arbeitet meist von morgens, neun Uhr, bis Mitternacht. Ruhepausen gibt es in dem harten Wettbewerb mit Yahoo und Microsoft um die Vorherrschaft im Internet nicht. Die Konkurrenz schläft auch nicht: Gerade erst hat Softwaregigant Microsoft angekündigt, zwei neue Forschungslabors zu gründen, um seinen Rückstand im Internet aufzuholen.
Nur eine von fünf Ideen kommt durch
Angelockt vom Erfolg des Geschäftsmodells Internetsuche, erhöhen neue Anbieter wie Technorati zusätzlich den Druck. Dieser Wettstreit - da ist sich Mayer sicher - wird von den Entwicklungsabteilungen der Unternehmen entschieden. „Dieser Wettbewerb ist für die Nutzer wichtig, da hier über Dienste entschieden wird, die sie täglich einsetzen. Es wäre ein Fehler, wenn dieser Wettbewerb von den Marketingabteilungen entschieden würde“, sagt Mayer im Gespräch mit dieser Zeitung.
Damit die Produktpipeline nicht abreißt, hat Google den gesamten Innovationsprozeß auf sie zugeschnitten. Ihr Büro ist die zentrale Anlaufstelle für die mehr als 1.000 Entwickler im kalifornischen Mountain View, die alle einen Tag in der Woche nichts anderes tun, als über neue Produkte nachzudenken. „Viele Mitarbeiter kommen mit ihren Produktideen zu mir.
Es ist mein Job, diese Vorschläge zu prüfen, Verbesserungsvorschläge zu machen und zu schauen, ob die Produkte in unsere Strategie passen“, sagt Mayer. Das klingt bescheiden, denn sie allein entscheidet, welche Erfindungen das Zeug haben, bis zu den Gründern Page und Brin vorzudringen. „Eine von fünf Ideen leite ich weiter“, sagt Mayer, die nach Page, Brin und dem Vorstandsvorsitzenden Eric Schmidt inzwischen faktisch die Nummer vier im Unternehmen ist.
Brandneues Geschäftsmodell
Auf die Frage nach der besten Idee des vergangenen Jahres muß sie nicht lange überlegen: „Ganz klar Google Maps. Wer ein lokales Geschäft im Internet sucht, kann sich sehr leicht die passende Landkarte heraussuchen. Inzwischen sind wir Experten und haben die besten Landkarten der Welt“, sagt Mayer und verspricht, „bald gibt es Google Maps auch in Deutschland“, ohne allerdings konkret zu werden.
In der Verbindung zwischen lokaler Suche und dem Landkartendienst stecke viel Potential. „Wenn wir den genauen Aufenthaltsort eines Nutzers kennen, können wir ihm auch genaue Informationen geben, zum Beispiel über Shops in seiner Nähe. Die Verbindung zwischen Satellitennavigationssystemen, Google Maps und lokaler Suche werden wir sicher in der Zukunft sehen“, verrät Mayer.
Realität ist schon heute die Suche nach digitalen Medien, zum Beispiel nach Filmen. Wird Google jetzt auch ein Medienunternehmen? Nein, sicher nicht, wiegelt Mayer ab. „Wir wollen, daß der Nutzer seinen gewünschten Inhalt mit unserer Hilfe schnell findet und unsere Seite dann wieder verläßt, um zum Beispiel auf die Seite des Fernsehsenders weiterzuklicken, um dort ein Video zu kaufen. Die Erlöse teilen wir uns dann mit dem Inhalteanbieter“, beschreibt sie das brandneue Geschäftsmodell, das erstmals über den Verkauf der Online-Werbung hinausgeht, womit Google im vergangenen Jahr geschätzte sechs Milliarden Dollar Umsatz erzielt hat.
Die ultimative Suchmaschine
Zur Zeit können die Nutzer Videos des Fernsehsenders CBS und Spiele der amerikanischen Basketball-Liga durchsuchen. „Weitere Inhaltelieferanten werden hinzukommen. Wir haben Abschriften der Filme in die Suche integriert, damit die Nutzer auch nach Worten suchen können, die zum Beispiel in einer Fernsehshow gefallen sind. Eines Tages sollte es möglich sein, das gesamte Fernsehprogramm nach Worten zu durchsuchen“, sagt sie.
Das Interesse von Google ist klar: Wer künftig einen Film sehen, Informationen aus einer Nachrichtensendung herausfiltern oder Dokumentationen finden möchte, sucht nicht mehr in der Fernsehzeitung, sondern bei Google nach der passenden Datei im Internet. Die traditionellen Medien geraten ihrer Meinung nach aber nicht in Gefahr: „Die Menschen werden immer Fernsehen schauen oder ein Buch lesen“, sagt Mayer.
Eine Vorstellung von der Suchmaschine der Zukunft hat sie natürlich auch: „In einer ultimativen Suchmaschine werden wir Texte, Videos, Musik und Fotos miteinander verknüpfen und auf die persönlichen Bedürfnisse des Nutzers zuschneiden. Manchmal kann das beste Suchergebnis ein Text, ein Foto oder ein Video sein. Zum Beispiel kann ein Nutzer, der einen Kuchen backen möchte, als Suchergebnis ein Video finden, in dem das erklärt wird“, sagt sie.
Google ist kein Portal
Das muß aber nicht unbedingt nur im Internet möglich sein. „Google wird es in Zukunft nicht nur im Internet geben. Die Suche wird dann auch mit einem Telefon möglich sein, mit Hilfe der Spracherkennung. Das ist ein wichtiges Entwicklungsgebiet, und daher investieren wir auch in diese Richtung“, sagt Mayer. Als Einsatzfeld für das Googlephone sieht sie auch die Menschen in Entwicklungsländern, die keinen Zugang zum Internet haben.
Mayer hat aber noch einen zweiten Job bei Google: Sie muß auf die Nutzerfreundlichkeit achten. Und das heißt bei Google, das puristische Design der Internetseite als heiligen Gral zu betrachten, an dem nicht gerüttelt werden darf. Auf die Frage, ob die Nutzer die vielen neuen Funktionen überhaupt noch finden, wenn nur sechs oder sieben auf der Homepage gezeigt werden, antwortet sie mit einer Gegenfrage:
„An wie viele Dienste auf der Yahoo-Homepage können Sie sich erinnern? Fünf, sechs, sieben...? Den meisten Nutzern fallen spontan nicht mehr ein. Yahoo listet aber 38 Dienste auf seiner Homepage auf. Die beste Antwort, die ich jemals erhalten habe, waren 23 Dienste - aber das war jemand, der bis kurz vorher für Yahoo gearbeitet hat“, sagt Mayer. Google sei kein Portal wie Yahoo, das allen Nutzern alle Dienste anbieten wolle.
Unterstützung von der Konkurrenz
„Wir verfolgen eine andere Philosophie: Wir bringen keinen Dienst auf den Markt, nur weil der Nutzer ihn interessant findet. Wir entwickeln Dienste, die uns helfen, die Informationen der Welt zu organisieren. Wir sind und bleiben eine Suchmaschine.“
Und das bedeutet: „Nur fünf bis sieben Dienste sind für die Nutzer wirklich wichtig. Die stehen auf unserer Homepage. Wenn neue Dienste angeboten werden, müssen wir uns überlegen, wie wir sie mit bestehenden Diensten verknüpfen, zum Beispiel Maps mit Local. Oder die Blog-Suche. Die ist wichtig, erscheint aber nicht auf der Homepage. Wir haben sie statt dessen mit der Google-Nachrichtensuche verknüpft.“ Gibt es intern eine Diskussion über das Homepage-Design? „Es gibt immer Wünsche, das Design zu verändern. Aber das halte ich für falsch.“
Unterstützung für ihre Linie bekam sie jetzt von der Konkurrenz. „Wir glauben nicht, daß es sinnvoll ist, anzunehmen, wir könnten Google wesentliche Marktanteile abnehmen“, erklärte Susan Decker, Finanzchefin von Yahoo, im Interview mit dem „Seattle Post Intelligencer“. „Es ist nicht unser Ziel, die Nummer eins der Internet-Suchmaschinen zu werden. Wir wären sehr zufrieden, wenn wir unseren Marktanteil halten können“, sagte Decker.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.738,47 | +0,68% |
| FAZ-INDEX | 1.504,02 | +0,59% |
| TecDAX | 775,33 | +0,71% |
| MDAX | 10.290,00 | +0,40% |
| SDAX | 5.011,74 | +0,53% |
| REX | 421,76 | +0,17% |
| Eurostoxx 50 | 2.491,54 | +0,43% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,48 | +0,59% |
| Dow Jones | 12.880,60 | +0,62% |
| Nasdaq 100 | 2.568,90 | +0,85% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.999,18 | +0,58% |
| EUR/USD | 1,3211 | −0,21% |
| Rohöl Brent Crude | 117,95 $ | +0,04% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,14 € | −0,35% |