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Internet Geniestreich Marke Samwer - zweiter Teil

26.05.2004 ·  In der Blütezeit der New Economy machte ein Geniestreich die drei Brüder Alexander, Marc und Oliver Samwer berühmt: Ihr Internet-Auktionshaus Alando wurde vom Branchenprimus Ebay übernommen. Jetzt gab es mit die Fortsetzung mit Jamba und Verisign.

Von Holger Schmidt
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Im Jahr 1999, in der Blütezeit der New Economy, machte ein Geniestreich die drei Brüder Alexander, Marc und Oliver Samwer auf einen Schlag berühmt: Nur 100 Tage nach der Gründung des Internet-Auktionshauses Alando übernahm der amerikanische Branchenprimus Ebay das Berliner Start-up. Wohl für rund 47 Millionen Dollar, aber in solchen Dingen sind die Samwers verschwiegen - bis heute.

Einen Teil des Geldes steckten die Brüder in ihre neue Firma, das Handy-Portal Jamba. Die drei Kölner Juristen-Söhne versorgen seitdem die Bravo-Generation mit Klingeltönen und Handy-Spielen. Und wieder hat das unternehmerische Geschick der Jamba-Brüder das Interesse einer Firma aus dem fernen Silicon Valley erregt: Im zweiten Geniestreich verkaufen die Samwers Jamba für 273 Millionen Dollar an Verisign, sind aber - mit langfristigen Verträgen ausgestattet - weiter als Vorstandsmitglieder tätig.

Verschworene Einheit - ohne Tendenz zur Faulheit

Mit dem Alando-Coup gehörten die Samwers über Nacht zu den Popstars der New Economy. Doch das Klischee wird ihnen nicht gerecht. Denn die Brüder, die Schule und Studium mit brillanten Noten in Rekordzeit hinter sich gebracht haben und eigentlich schon immer Unternehmer werden wollten, lassen sich nicht mit den gefallenen New-Economy-Helden wie Paulus Neef (Pixelpark) oder Stephan Schambach (Intershop) vergleichen.

Zwar sind die Samwers, die als verschworene Einheit auftreten, schon kurz nach der Ebay-Übernahme ausgestiegen, weil sie dort eben nur noch abhängige Geschäftsführer, aber keine Unternehmer mehr waren. Aber die Brüder - heute alle um die 30 Jahre alt - waren und sind nicht die Typen, die sich mit den Millionen auf die faule Haut legen.

Zweites Start-up mitten in den Abschwung hinein

Nach dem Alando-Ausstieg zogen sie wieder aus, um in der Welt nach neuen Geschäftsideen zu suchen. Fündig wurden sie in Japan, wo das mobile Internet bereits Millionen Menschen begeisterte. Zurück in Deutschland, ernteten sie aber erst einmal viel Skepsis für ihre Geschäftsidee. Geld für Klingeltöne ausgeben? Japaner vielleicht, aber die Deutschen?

Den drei Samwers mit ihrem unerschütterlichen Selbstbewußtsein war es egal. Mitten in den Abschwung hinein gründeten sie ihr zweites Start-up namens Jamba. Rein äußerlich hatte sich nichts gegenüber den wilden New-Economy-Zeiten geändert: Ein Loft als Großraumbüro, Jeans und T-Shirt als Arbeitskleidung und Ikea-Möbel erwecken in Berlin auch heute noch den Eindruck, als ob die Samwers die Zeit anhalten wollten.

Geschäftschancen in China ausloten

Doch der Eindruck täuscht: Die Arbeitsbedingungen für die 300 Angestellten, die meist frisch von der Schule oder Uni kommen, sind härter geworden. "Wir arbeiten leistungsorientiert", nennt das Oliver Samwer, weiß aber auch, mit seinen Kräften ökonomisch umzugehen. Er arbeitet nur noch fünf Tage in der Woche und auch nicht mehr bis tief in die Nacht: "Für das UMTS-Geschäft braucht man einen langen Atem und darf sich nicht zu schnell verausgaben."

Ausruhen ist auch nicht ihre Sache. Alexander Samwer ist für neun Monate von seinen Vorstandsverpflichtungen freigestellt, um eben schnell seinen MBA-Abschluß an der Eliteuniversität Harvard zu machen. Ganz nebenbei lotet er aber Geschäftschancen in China aus. Da trifft es sich gut, daß Jamba demnächst in zwei großen asiatischen Ländern seine Dienste starten will. Wo, das wollen die Geheimniskrämer aus Berlin noch nicht erzählen. Aber vielleicht ist die Verschwiegenheit auch ein Teil des Erfolgsgeheimnisses der drei Brüder.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.05.2004, Nr. 121 / Seite 18
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