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Internet Frauen machen Blogs zum Geschäft

 ·  Über Mode diskutieren, Rezepte austauschen und den neuesten Klatsch weitertratschen: Blogs für Frauen erobern das Internet. Ihr Zusammenschluss „Glam“ gehört zu den beliebtesten Websites überhaupt. Und macht sogar Gewinn.

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So können Blogs zu einem lukrativen Geschäft werden: Da schließt eine Firma unterschiedliche Blogs zu Frauen- und Lifestyle-Themen zusammen und verlinkt deren Beiträge auf einer gemeinsamen Website. Sie verkauft Werbung auf diesen Blogs, die Einnahmen gibt sie zur Hälfte an die Blogger ab. Diese Firma heißt „Glam“.

Drei Jahre nach dem Start stehen die Blogs von „Glam“ in der Hitliste amerikanischer Websites auf Platz 9 – noch vor Wikipedia. Auch die 60 deutschen „Glam“-Blogs sind schon ein halbes Jahr nach dem Deutschland-Start die wichtigste Frauenzentrale im deutschen Internet. Die amerikanische Zentrale von „Glam“ macht Gewinn.

In der Vermarktung steckt selten viel Zeit

Das schafft längst nicht jeder. Auch in der zweiten Welle der Internet-Gründungen verdienen viele Firmen noch kein Geld. Die populären Online-Gemeinschaften StudiVZ und Facebook zum Beispiel schreiben Verluste. Und über die mickrigen Einnahmen der Videoseite YouTube, einer Tochter von Google, hat sich der Google-Chef schon öffentlich beschwert.

Blogger können in Deutschland nur selten von den Anzeigen auf ihrer Website leben – auch, weil sie selten viel Zeit in die Vermarktung gesteckt haben. Das deutsche Vorzeige-Blog „Basic Thinking“, auf dem Robert Basic seine Gedanken aufschrieb, erzielte 2008 lediglich 37.000 Euro Umsatz. Diese Zahl wurde bekannt, nachdem Basic das Blog kürzlich verkaufte. Der deutsche Blog-Vermarkter Adnation erzielt nur „einen deutlich sechsstelligen Umsatz“ im Jahr für rund 40 prominente Blogs, so lässt sich ausrechnen: Durchschnittlich bringt ein Blog um die 10.000 Euro.

Lausige Pennies

So geht es auch anderswo: Die „New York Times“ verliert in der Rezession online Werbeumsätze. Und Zeitschriftenverleger Hubert Burda beschwert sich: „Mit Online-Werbung lassen sich nur lausige Pennies verdienen.“ Sie gilt derzeit nicht als lukrativ. Und wer eine neue Internetfirma nur durch Werbung finanzieren will, ist in der Branche schnell unten durch.

Gut für Hubert Burda, dass er jetzt einen Anteil an „Glam“ hat. Dessen Gründer Samir Arora stellte nämlich das Geldverdienen in der Prioritätenliste ganz nach oben. Zuerst entschied er, Anzeigen an Markenartikler zu verkaufen. Die sind schließlich auch in den gedruckten Zeitschriften ziemlich lukrativ.

Ein gutes Thema gesucht - und die Frauen gefunden

Erst danach suchte Arora ein gutes Thema für die Artikel neben den Anzeigen. Und fand die Frauen. Denn die entschieden über 80 Prozent der amerikanischen Konsumausgaben, sagt Arora, also sind sie eine attraktive Zielgruppe für Werber – und Frauenthemen gut für Blogs.

2005 ging die Seite an den Start, das Themenspektrum ist breit. Für Arora gehört vieles zu den „Frauenthemen“: Mode und Schönheit, aber auch Luxus, Gesundheit, Ernährung, selbst Kino und Klatsch sind für ihn klassische Frauenthemen. In den „Glam“-Blogs finden die Leserinnen hübsche Handschuhe und Mützen für kalte Tage, Rezepte für Süßkartoffel-Muffins und auch Fotos von Prominenten bei der Amtseinführung von Barack Obama.

Über Mode diskutieren

Damit ist „Glam“ nicht weit weg von den Websites klassischer Frauenzeitschriften. Die Website der Frauenzeitschrift Brigitte hat ebenfalls 30 Blogs von anderen Autoren auf ihrer Website, kommt allerdings längst nicht auf die Nutzerzahlen der „Glam“-Blogs. „Glam“-Gründer Arora glaubt, dass es den Redakteuren der Frauenzeitschriften schwerfalle, blogtauglich zu schreiben: also kurz und subjektiv.

Die Werbekunden jedenfalls freuen sich über den zusätzlichen Platz für ihre Anzeigen. Blogs seien spannend, weil sich mit den Anzeigen schnell Geld verdienen lasse, findet Marc Schwieger, Partner bei der Werbeagentur Scholz und Friends. „Hinter jedem Banner ein Warenkorb – das funktioniert im Print nicht.“ Außerdem diskutierten Frauen gern über Mode, da seien Blogs die richtige Umgebung.

Hohe Anzeigenerlöse

Auch die Blogbetreiber freuen sich. Carsten Jutzi beispielsweise, der sich mit seinem Hobby-Blog „Pinkmelon“ an „Glam“ angeschlossen hat, ärgert sich zwar über technische Anlaufschwierigkeiten in Deutschland. Er freut sich aber über die Anzeigenerlöse, die für die Blogger sehr hoch ausfielen. Und der Betreiber des Luxus-Blogs „Richtig Teuer“ berichtet, er verdiene mehrere tausend Euro im Jahr, obwohl sein Blog nur ein Hobby sei.

In diesem Jahr noch soll „Glam“ auch weltweit schwarze Zahlen schreiben, verspricht „Glam“- Gründer Arora. Nur eine Gefahr bleibt: dass in der Rezession weniger Anzeigen auf seinen Seiten geschaltet werden. Arora gibt sich aber zuversichtlich: In der Modebranche gingen erst zwei Prozent der Werbeausgaben online, in anderen seien das teils schon mehr als 15 Prozent. Die Mode hätte noch einiges nachzuholen, darum würden die Firmen auch in der Krise vermutlich nur wenig ihrer Internet-Werbung streichen. In den Vereinigten Staaten macht „Glam“ nun schon die nächste Seite auf: „Brash.com“ für Männer. Mit Artikeln über Autos, Technik und hübsche Schauspielerinnen.

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Jahrgang 1981, verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

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