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Internet Europa-Geschäft von AOL steht zum Verkauf

14.06.2006 ·  Freenet und United Internet zeigen Interesse: Die Bereitschaft des Medienkonzerns Time Warner, das Europa-Geschäft seiner Internet-Tochter AOL zu verkaufen, hat Bewegung in den deutschen Markt gebracht.

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Die Bereitschaft des amerikanischen Medienkonzerns Time Warner, das Europa-Geschäft seiner Internet-Tochtergesellschaft AOL ganz oder in Teilen verkaufen zu wollen, hat Bewegung in den deutschen Markt gebracht. Der Hamburger Internet-Zugangsdienst Freenet hat dem Vernehmen nach schon die Angebotsunterlagen für das Deutschland-Geschäft angefordert. Freenet-Chef Eckhard Spoerr hat in der Vergangenheit schon mehrfach die Absicht geäußert, AOL übernehmen zu wollen. Auch United Internet zeigt sich interessiert. Nach Angaben eines Sprechers wird sich das Unternehmen aber auf keinen Bieterwettbewerb um AOL einlassen.

AOL ist mit rund 1,2 Millionen DSL-Kunden die Nummer vier im deutschen Markt hinter T-Online, United Internet und Arcor, aber klar vor Freenet und Hansenet. Da Freenet im vergangenen Jahr gegenüber den drei Erstplazierten an Boden im wichtigen DSL-Geschäft verloren hat, wäre ein Kauf von AOL die große und wohl einzige Chance, zu United Internet aufzuschließen. United-Internet-Chef Ralph Dommermuth wiederum könnte mit einem AOL-Kauf der Konkurrenz fast uneinholbar davonziehen, ohne allerdings die Kundenzahl des Marktführers T-Online zu erreichen.

AOL mit neuer Struktur

AOL hat sich erst in den vergangenen Wochen eine neue Struktur gegeben. Das Unternehmen besteht nun aus zwei Teilen: In der Sparte "Access", die von Thomas Hohlfeld geleitet wird, soll das Geschäft mit Internetzugängen gebündelt werden. Torsten Ahlers verantwortet das Segment "Audience", in dem Inhalte, Werbung und Bezahldienste zusammengefaßt sind. Die Neuausrichtung steht im Zusammenhang mit der Strategie, Inhalte künftig nicht mehr nur den eigenen Kunden exklusiv in einem geschlossenen Bereich anzubieten, sondern allen Internetnutzern in einem offenen Portal. Die Strategie soll helfen, den Kundenschwund vor allem in Nordamerika zu stoppen. Die Aufteilung könnte aber auch die Vorbereitung sein, nur das Geschäft mit Internetzugängen zu verkaufen, während die margenstärkere Sparte "Audience" in Eigenregie weiterentwickelt wird.

Charles Fränkl, der erst Ende vergangenen Jahres, von Vodafone kommend, auf den Posten des AOL-Chefs in Deutschland gewechselt ist, setzt vor allem auf Inhalte für die Online-Gemeinschaften. "Im DSL-Geschäft wird es in diesem und auch im nächsten Jahr noch ordentliche Zuwächse geben, bevor die Sättigung einsetzen wird. Aber für uns sind Bezahlinhalte wie Musik, Spiele und Sicherheitspakete der größte Treiber", sagte Fränkl der F.A.Z. ( siehe: "AOL geht klar in Richtung Web 2.0")

Quelle: ht., F.A.Z., 14.06.2006, Nr. 136 / Seite 19
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Von Holger Steltzner

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