01.09.2009 · Anstelle eines Börsengangs kommt der Telefondienst nun zunächst einmal in andere Hände. Neue Eigentümer werden der Internetunternehmer Marc Andreessen und eine Gruppe von Investoren. Ebay behält 35 Prozent.
Der amerikanische Internetmarktplatz Ebay Inc. macht eine Kehrtwende bei seiner zur Disposition gestellten Tochtergesellschaft Skype: Der Internet-Telefoniedienst wird nun nicht wie im April angekündigt an die Börse gebracht, sondern mehrheitlich direkt verkauft. Ebay teilte mit, einen 65-Prozent-Anteil an Skype für 1,9 Milliarden Dollar in bar an eine Gruppe von Investoren abzugeben, zu der unter anderem der Internetunternehmer Marc Andreessen gehört. Den verbleibenden Anteil von 35 Prozent will Ebay behalten.
Mit dem Verkauf kann Ebay nun schneller einen Schlussstrich unter ein unrühmliches Kapitel ziehen, denn die für viel Geld gekaufte Tochtergesellschaft erwies sich als Fehlschlag. Ebay hat Skype im Jahr 2005 erworben. Der britisch-luxemburgische Telefoniedienst galt damals als eines der begehrtesten Übernahmeobjekte der Branche, viele andere Unternehmen wie Google, Yahoo oder Microsoft sollen ebenfalls Verhandlungen geführt haben. Das große Interesse trieb den Preis nach oben, obwohl Skype zu diesem Zeitpunkt kaum Umsätze erzielte und Verluste machte. Ebay griff schließlich für mindestens 2,6 Milliarden Dollar zu (inklusive erfolgsabhängiger Zahlungen wurden daraus später 3,1 Milliarden Dollar). Das Interesse von Ebay verblüffte die Branche, denn das Unternehmen wagte sich damit auf ein von seinem Kerngeschäft als Internetmarktplatz recht weit entfernt erscheinendes Geschäft vor. Aber die damalige Vorstandschefin Meg Whitman versprach Synergien, außerdem suchte Ebay nach neuen Wachstumsfeldern.
Die Synergien stellten sich nicht ein
Die Synergien stellten sich aber nicht ein, und vor rund zwei Jahren sah sich Ebay zu einer Abschreibung von 1,4 Milliarden Dollar auf Skype gezwungen. Seither galt Skype als die ungeliebte Tochtergesellschaft, zumal Ebay zunehmend andere Sorgen hatte und in seinem Kerngeschäft als Internetmarktplatz mit einer deutlichen Abschwächung kämpfte. Die Spekulationen verdichteten sich, wonach die Tage von Skype bei Ebay gezählt sind, und im April dieses Jahres kam die Bestätigung: Ebay teilte mit, Skype bis Mitte nächsten Jahres an die Börse bringen zu wollen.
Der heutige Vorstandsvorsitzende und Whitman-Nachfolger John Donahoe gab zu, zwischen Skype und dem Rest des Geschäfts habe es nur „begrenzte Synergien“ gegeben. Auch nach dieser Ankündigung sondierte Ebay aber nach möglichen Kaufinteressenten für Skype. So sollen Niklas Zennström und Janus Friis, die Skype im Jahr 2003 gegründet haben, zwischenzeitlich Interesse gezeigt haben. Offenbar hatten sie aber Schwierigkeiten, genug Geld aufzutreiben. Auch mit Google soll es wieder Gespräche gegeben haben.
Netscape-Mitbegründer Andreessen gehört zu der Investorengruppe
Zu der Investorengruppe, die nun den Zuschlag erhält, gehört die erst kürzlich ins Leben gerufene Wagniskapitalgesellschaft Andreessen Horowitz, zu deren Mitgründern Marc Andreessen gehört. Andreessen kam in der Technologiebranche als Mitgründer des Internetzugangsprogramms Netscape zu Prominenz. Netscape war einst der dominierende Internetbrowser, wurde dann aber vom Internet Explorer des Softwarekonzerns Microsoft verdrängt. Andreessen hat danach einige andere Unternehmen wie den später an Hewlett-Packard verkauften Softwarespezialisten Opsware gegründet. Neben Andreessen Horowitz gehören zur Gruppe der neuen Skype-Eigentümer die britische Wagniskapitalgesellschaft Index Ventures, der Finanzinvestor Silver Lake sowie ein Pensionsfonds aus Kanada.
Obwohl Skype nicht zu Ebay passte, hat sich das Unternehmen in den vergangenen Jahren doch gut entwickelt. Im Jahr 2008 erhöhte sich der Umsatz von Skype um 44 Prozent auf 551 Millionen Dollar. Die Nutzerzahlen wachsen kontinuierlich: Ende des zweiten Quartals hatte Skype mehr als 481 Millionen Nutzer, ein Jahr zuvor waren es 338 Millionen. Skype erzielt Umsätze mit Gesprächen über das Internet in das Festnetz oder in das Mobilfunknetz. Gespräche zwischen Computernutzern sind kostenlos.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
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