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Internet Ebay steigt in das Geschäft mit Kleinanzeigen für Immobilien ein

29.03.2004 ·  Das Internetauktionshaus Ebay bietet künftig auch Immobilien-Anzeigen im Netz an. Die Rubrikenmärkte von T-Online, WAZ und Springer bekommen Konkurrenz.

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Der Internet-Marktplatz Ebay wird zum 1. April in das Geschäft mit rubrizierten Kleinanzeigen für Immobilien einsteigen. "Die neue Kategorie Immobilien wird sich von allen anderen Ebay-Kategorien unterscheiden, weil wir es dort mit Anzeigen und nicht wie bei Ebay üblich mit Transaktionen zu tun haben. Das Anzeigenmodell ist für uns neu in Deutschland", sagte der deutsche Ebay-Chef Philipp Justus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Die allgemeinen Geschäftsbedingungen von Ebay schließen Transaktionen mit Immobilien aus, da für die Eigentumsübertragung in Deutschland ein Notar eingeschaltet werden muß. Die neue Immobilien-Kategorie bei Ebay unterscheidet Wohnungen und Häuser zum Kaufen und Mieten. Daneben soll es Spezialthemen wie Auslandsimmobilien, Ferienwohnungen und gewerbliche Immobilien geben, sagte Justus.

„Privatleute kommen vor den Maklern“

Ebay tritt mit diesem Angebot in direkte Konkurrenz zu den drei großen Online-Immobilienbörsen Immobilienscout24 (T-Online), Immowelt (WAZ, Holtzbrinck, Ippen) und Immonet (Axel Springer Verlag und Ring Deutscher Makler), welche die Bereinigung im Internet-Geschäft überstanden haben. "Der wesentliche Unterschied gegenüber den anderen Anbietern werden die privaten Nutzer sein. Die Privatleute werden schneller als die Makler zu Ebay kommen, da sie das Kaufen und Verkaufen auf Ebay bereits gut kennen. Ich halte es auch für denkbar, daß unsere Powerseller in diesen Markt einsteigen", erwartet Justus.

Der Ebay-Marktplatz hat inzwischen den Zugangsdienst T-Online als Anbieter mit der größten Reichweite im deutschen Internet abgelöst. Zur Zeit besuchen jeden Monat mehr als 17 Millionen Internet-Nutzer die deutsche Ebay-Seite. Das Volumen der gehandelten Güter betrug im vergangenen Jahr geschätzte fünf bis sechs Milliarden Dollar.

Konkurrenz zu Regionalzeitungen

Ebay tritt mit seinem neuen Anzeigengeschäft aber auch in Konkurrenz zu den Regionalzeitungen, die einen großen Teil der lokalen Immobilienmärkte beherrschen. Justus sieht die Reichweite und den Anzeigenpreis als seine Wettbewerbsvorteile. "Im Normalfall kosten Immobilienanzeigen, die zehn Tage im Netz stehen, fünf Euro. Für Anzeigen, die 30 Tage im Internet zu sehen sind, berechnen wir zehn Euro. Das entspricht etwa dem Marktpreis im Internet, liegt aber deutlich unter den Preisen der Regionalzeitungen. Wenn wir den Preis auf unsere große Nutzerschaft umlegen, liegen wir deutlich unter dem Marktpreis im Internet", hofft Justus auf die preissensible Nutzerschaft.

Unter den Immobilienbörsen im Internet herrscht zur Zeit ein harter Preiskampf, da der Immobilienmarkt wegen der unsicheren wirtschaftlichen Lage recht träge ist. Justus ist sich aber sicher, daß die große Zahl der Ebay-Nutzer schnell für Bewegung in seiner Immobilien-Kategorie sorgen wird. "Wir starten das Anzeigengeschäft ganz kalt mit null Angeboten. Der Marktplatz wird sich aber sehr schnell füllen. Natürlich gibt es auch Makler, die darauf warten, daß die Seite live geschaltet wird", zeigt sich Justus überzeugt.

Zweites Standbein im Kleinanzeigengeschäft

"Die Makler stehen untereinander in einem harten Wettbewerb. Sie haben das Bedürfnis, gute Verkaufskanäle zu finden. Ich denke, daß viele Makler ausprobieren werden, wie viele Kundenkontakte sie über Ebay generieren können. Ebay wird aber keinen Parallelmarkt zu den Maklern aufbauen können", versucht er die Branche zu beruhigen. Die vergleichsweise kurze Laufzeit der Anzeigen von zehn Tagen soll das Angebot aktuell halten. "Damit stellen wir sicher, daß keine Ladenhüter im Angebot sind", sagte Justus.

Nachdem Ebay im Januar die Internet-Autobörse Mobile.de für 121 Millionen Euro gekauft hat, bedeutet der Einstieg in das Geschäft mit Immobilienanzeigen bereits das zweite Standbein im Kleinanzeigengeschäft. "Für Autos und Immobilien macht das Anzeigengeschäft viel Sinn, da das Modell erfolgreich eingeführt ist. Ein Ausbau für weitere Kategorien ist aber nicht geplant. Wenn sich aber herausstellt, daß das Anzeigenformat auch in anderen Kategorien geeigneter ist als das Transaktionsformat, kann ich nicht ausschließen, daß wir auch dort in das Geschäft einsteigen. Aber Nachfrage unserer Nutzer ist uns heute nur in den Kategorien Autos und Immobilien bekannt", sagte Justus.

Mehr Handelsvolumen als Quelle

Das Bundeskartellamt hat die Mobile-Übernahme in der vergangenen Woche genehmigt. In diesem Markt sollen die Geschäftsmodelle Anzeigen und Transaktion weiterhin parallel betrieben werden. "In Deutschland funktionieren zwei Modelle im Bereich der Gebrauchtwagen. Zwischen diesen beiden Modellen sehen wir keine Substitution; beide Modelle wird es langfristig geben. Wir haben die Kategorie Ebay Motors mit einigem Erfolg aufgebaut. Das Geschäft wächst rasch. In der Tat muß man aber sehen, daß sich das Anzeigenmodell in Deutschland durchgesetzt hat. Es ist von Händlern und Privaten angenommen worden", sagte Justus.

Mit dem Verlauf des vergangenen Geschäftsjahrs zeigte sich Justus sehr zufrieden. "Wir haben ein sehr erfolgreiches Jahr gehabt. Unsere Vorstandsvorsitzende Meg Whitman war explizit auch sehr zufrieden", deutete Justus an, ohne konkrete Zahlen zu nennen. Trotz des für Ebay-Verhältnisse eher schwachen Geschäftes im zweiten und dritten Quartal hatte Meg Whitman im vergangenen November im Gespräch mit dieser Zeitung angekündigt, daß Ebay in Deutschland im Jahr 2003 um 100 Prozent wachsen werde. Im dritten Quartal des Vorjahres war das Ebay-Handelsvolumen um 72 Prozent gegenüber 2002 auf 1,26 Milliarden Dollar geklettert. Im Jahr 2002 hatte Ebay ein Handelsvolumen von rund drei Milliarden Dollar abgewickelt. Inzwischen entspricht das Ebay-Handelsvolumen etwa einem Fünftel des deutschen Versandhandelsgeschäftes. Ebay ist damit größer als der Versandhändler Quelle.

Quelle: ht./ Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.03.2004, Nr. 75 / Seite 19
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