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Internet "Der E-Commerce wird uns durch die Krise tragen"

28.04.2009 ·  Stefan Winners, Vorstandschef von Tomorrow Focus, erwartet auch den Einzug des Web 2.0 in den Online-Handel. Ohne starkes Nachrichtenportal funktioniere der Handel aber nicht.

Von Holger Schmidt
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Konjunkturkrise hin oder her - die Menschen kaufen. Zumindest im Internet. 50 Prozent Umsatzzuwachs hat Holidaycheck, das Reiseportal des Burda-Unternehmens Tomorrow Focus, in den ersten drei Monaten gegenüber dem Vorjahr erzielt. Auch bei den Computerhändlern Computeruniverse und Cyberport, ebenfalls Burda-Beteiligungen, brummt das Geschäft. 30 Prozent Zuwachs in diesem Jahr lassen bisher nichts von Krise erahnen. "Der E-Commerce wird uns durch die Krise tragen", sagt daher Stefan Winners, der Vorstandsvorsitzende der Tomorrow Focus AG.

Antizyklisch heizt er den Aufwärtstrend an: "Wir haben im vergangenen Jahr fast 12 Millionen Euro für Werbung ausgegeben. In diesem Jahr werden es mit fast 20 Millionen Euro deutlich mehr", sagt Winners und nutzt die Schwäche einiger Wettbewerber aus, die in der Krise sparen müssen. Jetzt sei die Gelegenheit günstig, Marktanteile zu erobern. Auch seine Partnervermittlung Elitepartner ist auf Wachstumskurs: Der Umsatz liege zu Jahresbeginn mehr als 70 Prozent höher als im Vorjahr.

Aus Electronic Commerce wird Social Commerce

Den elektronischen Handel sieht er vor einem Umbruch. Die Richtung heißt Social Commerce, also die Einbindung der Nutzer, die zum Beispiel authentische Produktbewertungen schreiben. "Social Commerce, Live und Event Shopping sowie Einkaufsclubs werden als Elemente in die etablierten Online-Shops einziehen", erwartet Winners. Einkaufsclubs wie Vente Privée, Brands4Friends oder Buy VIP, die meist Auslaufmodelle der Markenhersteller zu stark reduzierten Preisen verkaufen, haben sich gut entwickelt und viele Nachahmer angelockt.

"Die Wirtschaftskrise wird allerdings für eine Konsolidierung auf diesem Markt sorgen. Meiner Ansicht nach bleiben von den mehr als 50 Anbietern nur fünf übrig. Die anderen werden keine ausreichende Finanzierung mehr bekommen", sagt Winners. Überleben werden die Anbieter mit guten Bezugsquellen, die zudem strategische Kooperationen mit großen Einzelhändlern eingehen, ist seine Einschätzung.

Shoppingclubs schrecken große Anbieter auf

Immerhin haben die Shoppingclubs die etablierten Anbieter gehörig aufgeschreckt. Der Internet-Marktplatz Ebay verkauft inzwischen auch Auslaufmodelle der Markenhersteller in zeitlich befristeten Aktionen. Andere Händler gehen ebenfalls in Richtung Web 2.0. Der Versandhändler Otto will mit Communitys seine Kunden stärker einbinden; ihre Bewertungen sollen den Verkauf ankurbeln. Dahinter verbirgt sich auch die Absicht, die Abhängigkeit von Google zu mindern, denn noch immer zahlen die Händler viel Geld an die Suchmaschinen, um potentielle Käufer auf ihre Seiten zu locken.

Nach einer Studie des Marktforschungsunternehmens Hitwise haben die Online-Händler in Großbritannien es schon geschafft, den Nutzerzustrom von Google zu senken und dafür mehr potentielle Käufer von Web-2.0-Seiten anzulocken. Allerdings ist das Social Shopping auch nicht kostenlos zu haben. Um die Qualität der Nutzerbewertungen zu garantieren, beschäftigt Holidaycheck 25 sogenannte Community-Manager, die für die Prüfung der Richtigkeit der Bewertungen zuständig sind.

Nachrichtenportale als Rampe für E-Commerce

Die Konzentration auf den elektronischen Handel bedeutet für Winners aber keineswegs, auf das Portalgeschäft verzichten zu können, selbst wenn die graphische Online-Werbung zurzeit eine Durststrecke durchmacht. Nur "lausige Pennys" könne man mit Online-Werbung verdienen, hatte sein Verleger Hubert Burda im Januar seinem Frust Luft gemacht. Doch Winners steht klar zum Portalgeschäft: "Eine starke Vermarktung und ein starkes Nachrichtenportal wie Focus.de sind unverzichtbar, schon als Rampe für dahinterliegende E-Commerce-Angebote. Wir wollen weiter ein bis zwei Themen im Jahr hochfahren", sagt Winners. Das Finanzportal Findocs oder die Ärztevergleichsseite Jameda sind nur Beispiele für diese Strategie. Immerhin liegen die Einnahmen von Focus.de auf Vorjahresniveau.

Die Konjunkturkrise werde eine Konsolidierung in der Online-Werbung auslösen. "Die Billiganbieter sind nach der Krise weg. Auch unter den Start-ups wird es eine Bereinigung geben, vor allem unter den Klonen amerikanischer Seiten", erwartet Winners. Suchmaschinen und Partnerprogramme (Affiliate-Marketing) werden nach seiner Ansicht die zentralen Säulen des Online-Marketings. Für die Inhalteanbieter werde die zielgenaue Auslieferung der Werbung (Targeting) in diesem Jahr ebenso stark an Bedeutung gewinnen wie die Videowerbung, die zwar noch klein ist, aber schnell wächst. Die Werbung auf Mobiltelefonen werde mit der Einführung der Pauschaltarife für die Datenübertragung attraktiv. Hier sei die Herausforderung, den Markt nicht Google zu überlassen, dessen Betriebssystem Android zurzeit Marktanteile gewinnt. Ebenfalls positiv sieht er die Online-Werbemarktplätze, da sie Werbeplätze sehr effizient vermarkten könnten.

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