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Internet Baidu.com - Phantasie ist alles

24.08.2005 ·  Von Null auf eine Marktkapitalisierung von 2,66 Milliarden Dollar - so läßt sich Geschichte des chinesischen Internet-Unternehmens Baidu.com beschreiben. Trotz aller Chancen ist die Aktie maßlos überbewertet.

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Von Null auf eine Marktkapitalisierung von 2,66 Milliarden Dollar - so läßt sich die jüngste Interneterfolgsgeschichte beschreiben, die das chinesische Unternehmen Baidu.com geschrieben hat.

Das chinesische Pendant zur populären Suchmaschine Google brachte Anfang des Monats 4,35 Millionen Aktien zu 27 Dollar an die Börse, die gleich in den ersten beiden Handelstagen um bis zu 470 Prozent auf knapp 154 Dollar stiegen. Danach kam es zunächst zu einer Gegenreaktion bis auf 100 Dollar, der ein leichter Abwärtstrend folgte.

Deutliche Umsatz- und Ertragssteigerungen ...

Der Kurs fiel am Montag bis auf etwas mehr als 70 Dollar. Allerdings ging es von da wieder nach oben. Alleine in den vergangenen beiden Tagen hat das Papier wieder 14 Prozent zugelegt. Dabei scheint es sich um eine Spekulation auf die Ertragszahlen des zweiten Quartals gehandelt zu haben.

Baidu.com hat den Gewinn im zweiten Quartal im Vergleich mit der Vorjahresperiode mehr als versiebenfacht, angetrieben vom Anzeigengeschäft. Der Nettogewinn stieg auf 12,1 Millionen Yuan, umgerechnet 1,2 Millionen Euro oder 0,39 Yuan je Aktie, teilte das Unternehmen aus Beijing mit. Der Umsatz hat sich auf 69,7 Millionen Yuan fast verdreifacht.

Die Zahl der Online-Kunden konnte Baidu.com im zweiten Quartal auf 41.248 mehr als verdoppeln. Der durchschnittliche Umsatz pro Kunde lag bei 1.613,90 Yuan, was einem Anstieg um 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. „Baidu wird auch weiterhin zielgerichtet in Produkte, Technologie und Marketing investieren, um die Marktführerschaft zu behalten“, sagte Finanzvorstand Shawn Wang . Das Unternehmen kommt in China auf einen Marktanteil von 37 Prozent, ermittelte Analysis International in Beijing. Auf die amerikanischen Suchmaschinen Google und Yahoo entfallen 23 Prozent beziehungsweise 21 Prozent.

Baidu.com ist nach dem Modell von Google gestrickt. Das Unternehmen verdient an Anzeigen, die auf den Trefferseiten geschaltet werden. Für das laufende Quartal erwartet Baidu.com einen Umsatzanstieg auf 77,4 bis 81,2 Millionen Yuan. Das sind grundsätzlich Wachstumsraten und Erwartungen, die sich sehen lassen können. Vor allem auch dann, wenn man Googles Erfolg berücksichtigt.

... sind auch dringend nötig

Gleichzeitig scheint der chinesische Markt unglaubliche Chancen zu bieten. Bis ins Jahr 2007 werden voraussichtlich 35 Millionen Chinesen Waren über das Internet kaufen und verkaufen, verglichen mit 12 Millionen im Jahr 2004, berichtete iResearch, eine chinesische Internet-Analysegesellschaft. Das Transaktionsvolumen dürfte von 3,4 Milliarden Yuan auf 21 Milliarden Yuan steigen.

Das hört sich gut an. Allerdings läßt sich die Entwicklung nicht quantifizieren. Immerhin ist der chinesische Markt nicht vergleichbar mit anderen. Denn eine große Bevölkerung spricht nicht unbedingt auch für eine starke Kaufkraft. Zweitens stellt sich die Frage, ob die Infrastruktur schon so weit ausgebaut ist, daß sich der Markt tatsächlich so stark ausdehnen könnte.

Drittens ist der Zugang zum Web in China stark reguliert und kontrolliert. Auch das könnte ein Hemmnis für die Entwicklung sein. Viertens sind die Chancen in diesen Bereichen inzwischen bekannter als in der Vergangenheit. Entsprechend härter dürfte der Wettbewerb sein. Immerhin haben „Spieler“ wie Ebay und Yahoo nicht nur beträchtliche Finanzmittel zur Verfügung, sondern auch einen gewissen Know-How-Vorsprung.

Selbst wenn der Markt tatsächlich stark wachsen sollte, stellt sich immer noch die Frage der Bewertung. Ein Kurs von etwa 80 Dollar unterstellt immerhin, daß sich der Gewinn in den kommenden sieben Jahren von Quartal zu Quartal jeweils verdoppeln wird. Das sind hohe Erwartungen. Aus diesem Grund muß der spekulative Charakter der Aktie wohl kaum betont werden. Wer das Papier erwirbt, muß wissen was er tut.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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