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Internet AOL streicht ein Viertel seiner Stellen

04.08.2006 ·  Der amerikanische Internetdienstleister AOL will sein Internet-Zugangsgeschäft in Europa verkaufen und binnen sechs Monaten weltweit bis zu 5000 Arbeitsplätze streichen. In Europa beschäftigt das Unternehmen 3000 Menschen, davon 1500 in Deutschland.

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Der Internet-Konzern AOL hat angekündigt, daß gut ein Viertel seiner weltweit 19.000 Mitarbeiter bis spätestens Anfang 2007 das Unternehmen verlassen müssen. Grund ist vor allem der geplante Verkauf des Internet-Zugangsgeschäfts in Europa, dessen Mitarbeiter daher besonders betroffen sein werden, wie eine mit dem Vorgang vertraute Person sagte.

Die Time-Warner-Tochter teilte am Donnerstag mit, AOL-Chef Jon Miller habe seine Mitarbeiter am Morgen darüber informiert, daß etwa 5000 von ihnen voraussichtlich nur noch maximal sechs Monate für das Unternehmen arbeiten würden. Zugleich bekräftigte er, der Verkauf des Internet-Zugangsgeschäfts in Europa werde weiter verfolgt. AOL-Kreisen zufolge betonte er aber, es sei derzeit nicht klar, ob die 3000 in diesem Bereich Beschäftigten tatsächlich nach dem Verkauf ihre Arbeitsplätze verlieren würden.

Auswirkungen in Deutschland unklar

AOL versuche, daß sie von Käufern des Geschäfts übernommen würden. „Da die Verhandlungen noch laufen, kann man im Augenblick nicht sagen, wie sich ein Verkauf auswirken wird“, sagte ein AOL-Sprecher in Hamburg. „In Deutschland kann man deshalb noch nicht von einem Stellenabbau sprechen. Alles dazu ist derzeit reine Spekulation.“ AOL beschäftigt in Deutschland an den Standorten Hamburg, Duisburg und Saarbrücken insgesamt 1500 Menschen.

AOL erwartet bis Ende 2007 durch Restrukturierungsmaßnahmen Belastungen von bis zu 350 Millionen Dollar. Zugleich plant das Unternehmen, seine Betriebskosten im kommenden Jahr um mehr als eine Milliarde Dollar zu kürzen. Die Aktien der AOL-Mutter Time Warner gingen am Donnerstag mit 0,12 Prozent im Minus bei 16,65 Dollar aus dem Handel.

Etliche Bewerber für das Zugangsgeschäft

Am Mittwoch hatte AOL erklärt, daß der Verkauf seines Internet-Zugangsgeschäfts in Europa auf gutem Wege sei. Das Unternehmen sei zuversichtlich, daß der Verkauf bis Herbst über die Bühne gehe. Für das Internet-Zugangsgeschäft von AOL Deutschland sind neben den Internet-Anbietern United Internet und Freenet die Telekom-Konzerne Telecom Italia, KPN und Versatel für die nächste Bieterrunde ausgewählt worden, wie eine mit dem Verkaufsprozeß vertraute Person sagte. „Mitte August werden die Gebote in der zweiten Runde erwartet.“ Für das britische AOL-Zugangsgeschäft böten BSkyB, Orange und Carphone Warehouse, hieß es von der mit dem Verkauf vertrauten Person. In exklusiven Gesprächen für das französische Zugangsgeschäft von AOL ist Neuf Cegetel.

Das Unternehmen biete rund 300 Millionen Euro, hieß es in den Kreisen. AOL hatte zudem angekündigt, seinen Breitbandkunden keine Gebühren mehr für E-Mail- und andere Internetdienste berechnen. Mit dem Strategiewechsel will das Unternehmen mehr Besucher auf ihre Seiten locken und mit Werbung Geld verdienen. Das Gratis-Angebot zielt vor allem auf Nutzer ab, die über andere Anbieter ins Internet gehen, aber ihre E-Mail-Adresse bei AOL behalten wollen. AOL hatte viele seiner Kunden an Konkurrenten wie Google und Yahoo verloren, die diese Dienste schon lange umsonst anbieten.

AOL hatte in den Vereinigten Staaten zum Quartalsende nur noch 17,7 Millionen Nutzer und damit 3,1 Millionen weniger als vor einem Jahr. In Europa hatte AOL noch 5,6 Millionen Nutzer und dort innerhalb von Jahresfrist 571.000 Kunden verloren.

Quelle: FAZ.NET mit Material von Reuters, dpa
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