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Internet Aktionär fordert Zerschlagung von Freenet

24.06.2007 ·  Nach der gelungenen Fusion von Mobilcom und Freenet fordert die britische Fondsgesellschaft Hermes die Zerschlagung der Freenet AG. Hermes hat sowohl für das Internet-Geschäft als auch für den Mobilfunk schon Käufer im Auge.

Von Johannes Ritter, Hamburg
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Die britische Fondsgesellschaft Hermes setzt die Hamburger Freenet AG schwer unter Druck. Der Vorstand sollte einen kompletten oder teilweisen Verkauf des Konzerns an industrielle Partner prüfen, sagte Stephan Howaldt, Vorstandsvorsitzender der Hermes Focus Asset Management Europe, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Freenet-Vorstandsvorsitzender Eckard Spoerr lehnt dies entschieden ab.

Hermes ist mit 5,2 Prozent an Freenet beteiligt. Die Fondsgesellschaft, die sich in der Vergangenheit auch schon bei TUI und VW als bissiger Kritiker hervorgetan hat, verwaltet ein Vermögen von rund 100 Milliarden Euro. Die Freenet AG ist aus der Fusion des Mobilfunkdienstleisters Mobilcom mit dem Internetunternehmen Freenet.de hervorgegangen. Der Konzern hat im vergangenen Jahr rund 2 Milliarden Euro umgesetzt.

Verkauf des Mobilfunk- und des Internetgeschäfts

„Der Vorstand muss die Augen öffnen und andere strategische Optionen prüfen“, sagte Howaldt. Er ließ klar durchblicken, dass er eine Zerschlagung (er selbst sprach von „Entflechtung“) der Freenet AG für erwägenswert hält: Es sei nötig, über den Verkauf sowohl der Mobilfunksparte als auch des Internetgeschäfts nachzudenken. „In diesem hartumkämpften Geschäft sind Größenvorteile zunehmend wichtig“, sagte Howaldt. Doch die Bieterkämpfe zur Übernahme der Wettbewerber Talkline und AOL Deutschland habe das Unternehmen eben verloren.

„Freenet hat einige Akquisitionschancen nicht wahrnehmen können. Jetzt gibt es für das Unternehmen fast nichts mehr zu kaufen“, monierte der Fondsverwalter. Daher sollte der Vorstand jetzt den umgekehrten Weg einschlagen und den Verkauf der eigenen Geschäfte prüfen. Welche Käufer in Frage kommen könnten, wollte Howaldt nicht sagen. In der Branche heißt es, am Internetgeschäft könnten Wettbewerber wie United Internet, Arcor, Telefonica und Telecom Italia (Hansenet) interessiert sein. Für erwägenswert hält Howaldt eine Fusion der Mobilcom mit dem Wettbewerber Drillisch, der bereits mit 8 Prozent an Freenet beteiligt ist.

Soziale Verantwortung für die 3600 Mitarbeiter

Freenet-Vorstandschef Eckard Spoerr kann all diesen Vorschlägen nichts abgewinnen. „Wir haben 18 Monate für die Fusion von Mobilcom und Freenet gekämpft. Diese jetzt rückgängig zu machen und Teile des Konzerns zu verkaufen ist nicht im Sinne des Unternehmens“, sagte Spoerr der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Man werde unbeirrt der Strategie folgen, die beiden Unternehmensteile zusammenzuführen und auf dem Wachstumsfeld des mobilen Internets weiterzuentwickeln. Als Vorstand habe er nicht nur die Interessen der Aktionäre zu berücksichtigen, sondern auch eine soziale Verantwortung für die 3600 Mitarbeiter des Konzerns.

Außer Hermes scheint auch der Hedge-Fonds-Manager Florian Homm, der über die Firma Absolute Capital Management mit 3 Prozent an Freenet beteiligt ist, einer Zerschlagung des Konzerns das Wort zu reden. Auch der New Yorker Finanzinvestor K-Capital Partners, der schon bei dem Oldenburger Fotoentwickler Cewe Color für mächtig Unruhe gesorgt hat, dürfte in diese Richtung denken. Howaldt glaubt jedenfalls, weitere Paketaktionäre unabgestimmt hinter sich zu haben: „Ich wäre überrascht, wenn andere Aktionäre nicht ähnlich denken würden wie wir.“

Rückendeckung des größten Einzelaktionärs

Spoerr sagte dagegen, er habe die Rückendeckung des größten Einzelaktionärs, der Vatas Holding, die im Mai 18,7 Prozent des Freenet-Kapitals von TPG übernommen hat: „Vatas unterstützt unsere Strategie und will nicht, dass wir Geschäftsteile verkaufen.“ Daher scheint Spoerr der Freenet-Hauptversammlung am 20. Juli gelassen entgegenzusehen. Howaldt kündigte an, dass Hermes in dieser Aktionärsversammlung mit Gegenanträgen - etwa bei den Neuwahlen zum Aufsichtsrat - aufwarten werde, falls der Vorstand nicht auf die Vorschläge und Kritik reagiere, sondern weitermache wie bisher.

Er kritisierte das vom Aufsichtsrat bereits genehmigte sogenannte Aktienwertsteigerungsprogramm. Dieses könne bei einer Verdoppelung des Aktienkurses dazu führen, dass den beiden Freenet-Vorständen und den Spitzenmanagern des Unternehmens möglicherweise bis zu 50 Millionen Euro zuflössen.

Bilanz wird weniger transparent

„Das ist absolut überdimensioniert. Wir werden den Vorstand auffordern, auf einen Teil der Wertsteigerungsrechte zu verzichten“, sagte Howaldt. Spoerr lehnt dies ab, zumal er Howaldts Rechnung für falsch hält. Der über einen Zeitraum von 5 bis 6 Jahren maximal erzielbare Betrag aus den Phantomaktien liege weit unterhalb von 50 Millionen Euro.

Auch die zum ersten Quartal bei Freenet wieder eingeführte Aktivierung von Kundenakquisitionskosten ist Howaldt ein Dorn im Auge, weil dies die Transparenz in der Bilanz deutlich verringere. Im Gegensatz zu anderen Freenet-Aktionären plädiert Hermes aber nicht für eine Anhebung der Dividende: „Wir verlangen keine höhere Sonderausschüttung“, sagte Howaldt. Freenet will für das vergangene Geschäftsjahr 6 Euro je Aktie ausschütten. Bezogen auf alle Aktien, fließen so 576 Millionen Euro aus der Kasse, die damit komplett leergepumpt wird.

Quelle: F.A.Z., 25.06.2007, Nr. 144 / Seite 11
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