Herr Winners, Sie haben am Dienstag 21 Millionen Euro in die niederländische Reiseplattform Zoover investiert. Was versprechen Sie sich von dem Geschäft?
Wir haben mit Zoover ein sehr internationales Reisebewertungsportal gekauft, mit dem wir unser eigenes Angebot Holidaycheck ideal ergänzen können. Dazu haben wir nun mit Weer Online ein Wetterportal. Wir hatten vor zwei Jahren versucht, im Wetterbereich zuzukaufen, was uns damals nicht gelungen ist. Jetzt können wir auf unseren Seiten wie holidaycheck.de Wetterinformationen ausspielen und haben dazu die Möglichkeit, aus Wetter, Reise oder Nachrichten ein Thema zu bauen.
Wie wird die Übernahme die Lage auf dem europäischen Markt für Reisebewertungsportale verändern?
Unser Wettbewerber ist weiterhin Trip Advisor. Wir werden in den Niederlanden und Deutschland aber nun eine klar marktführende Stellung einnehmen.
Sie haben mit 51 Prozent die Mehrheit an Zoover erworben. Werden Sie auch den Rest übernehmen?
Wir haben mit den Gründern erfolgsabhängige Earn-Out-Klauseln vereinbart: Wenn das Geschäft gut läuft, werden wir die restlichen Anteile bis 2017 für 10 Millionen bis 45 Millionen Euro übernehmen.
Mit der Übernahme investieren Sie noch einmal in Ihr Reiseempfehlungsportal Holidaycheck, in das Sie schon viel Geld gesteckt haben.
Das ist richtig. Das Unternehmen macht dieses Jahr aber auch einen Umsatz von fast 80 Millionen Euro und wächst trotz hohem Wettbewerbsdruck deutlich zweistellig. International haben wir durch organisches Wachstum noch nicht die kritische Größe erreicht, obwohl wir seit 2008 fast 18 Millionen Euro investiert haben, davon alleine 6 Millionen Euro in diesem Jahr. Mit dem Zukauf von Tjingo sowie Zoover kaufen wir jetzt profitable Unternehmen, die schon signifikante Ergebnisbeiträge erzielen. Dadurch wollen wir schneller international wachsen.
Möglicherweise schlittert die Wirtschaft in Europa in eine leichte Rezession. Merken Sie das an Ihrem zweiten Standbein, der Anzeigenvermarktung?
Nein. Wir sind im ersten Halbjahr bei den Online-Anzeigen um 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahreshalbjahr gewachsen. In der Breite entwickelt sich das Geschäft weiterhin sehr gut, jedoch sind einzelne Branchen, etwa die Finanzindustrie, momentan verhalten bei Werbeausgaben. In Summe aber profitieren wir von der Verlagerung von Werbebudgets ins Netz.
Wie entsteht das Wachstum im Online-Werbegeschäft genau?
Die Internetnutzung nimmt weiter zu. Im Moment verlagert sich die Nutzung des Internets signifikant - vom stationären Internet am PC auf mobile Geräte. Optimierte Nachrichtenseiten haben inzwischen bis zu 50 Prozent mobilen Traffic, E-Commerce-Seiten bis zu 30 Prozent. Die Menschen nutzen ihr iPad oder Smartphone, lesen Nachrichten und kaufen auch zunehmend Reisen oder Produkte. Wenn Sie dann die Plattformen auf mobile Geräte hin optimieren, können Sie Reichweite und Monetarisierung überproportional steigern.
Aber auch andere versuchen gerade in mobiler Werbung voranzukommen, beispielsweise die sozialen Medien Twitter und Facebook. Spüren Sie deren Atem schon im Nacken?
Jeder hat mobile Seiten. Und de facto ist es so, dass diejenigen, die auf den stationären Seiten unsere Wettbewerber sind, auch im mobilen Bereich mit uns konkurrieren. Unser mobiler Traffic wächst signifikant, und diese Reichweite können wir sehr gut vermarkten.
Sie haben schon vor einiger Zeit das Werbemodell von Facebook angezweifelt. Gilt das immer noch?
Ja. Auch durch den Börsengang von Facebook hat sich unser Stand nicht viel verändert. Wir sind im deutschen Internet mit Tomorrow Focus einer der größten Werbetreibenden - und wir versuchen, unser Geld möglichst effizient auszugeben. Wir müssen leider unverändert feststellen, dass Facebook-Werbung nicht funktioniert. Sie funktioniert nicht in Form von Umsätzen, die durch Facebook bei uns entstehen, sie funktioniert auch nicht in Form von messbarer Markenbildung.
Wird das so bleiben?
Facebook hat für viele Nutzer die E-Mail-Kommunikation reduziert und ergänzt um Bilder und Videos. Doch am Ende bleibt es ein Kommunikationswerkzeug. Und Werbung dort hat noch nie große Marken geschaffen. Aber wir beobachten das genau. Mit dem Börsengang ist viel Geld in das Unternehmen geflossen. Die Frage ist, wie dieses jetzt investiert wird. Wenn Facebook zum Beispiel eine Universalsuche einführen und soziale Ergebnisse optimieren würde, mit einem Werbemodell à la Google, dann könnte sich das Blatt schnell wenden. Und das wäre auch gut für alle, weil Google nicht mehr der Monopolanbieter im Suchbereich wäre. Für mich sind die nächsten 12 bis 18 Monate entscheidend, ob Facebook wirklich ein nachhaltiges Werbemodell ist - oder auch nicht.
Im Wettbewerb mit den Amerikanern haben Sie immer wieder gefordert, dass mehr dafür getan werden muss, europäische Internet-Champions zu schaffen. Wie weit ist die Branche?
Wir entwickeln uns langsam, aber stetig. Zalando ist heute sicher schon ein europaweiter Champion. Wir selbst sind mit Holidaycheck nach der Internationalisierung in verschiedenen Ländern tätig, in den Niederlanden, in Polen, in Frankreich.
Sollte die Politik mehr steuern?
Ich glaube, dass die deutsche Politik auch durch den Erfolg der Piratenpartei erkannt hat, dass sie das Thema ernster nehmen muss. Zudem ist in unseren Gesprächen klar erkennbar, dass jetzt auch den Politikern klar ist, dass Märkte offen bleiben sollten. Das war vor einem Jahr noch anders. Brauchen wir als Industrie Subventionen? Nein. Mir würde schon völlig reichen, wenn die EU-Kommission offene Märkte sicherstellt. Das heißt, dass die Amerikaner, die in Amerika Milliardengewinne machen, nicht einfach die Märkte aufkaufen und letztlich den Wettbewerb auf ein bis zwei amerikanische Spieler reduzieren. Die Google-Suche muss unbedingt neutral und fair bleiben. Es ist aus meiner Sicht ein Unding, wenn Google eigene Produkte bewusst vor die der Wettbewerber plaziert.
Braucht es auch Initiativen wie die gerade von der Kommissarin Neelie Kroes ins Spiel gebrachten europäischen Standards für Cloud Computing?
Ja, wir brauchen einheitliche Spielregeln. Es kann nicht sein, dass unsere amerikanischen Wettbewerber sich in Irland ansiedeln, einem Land, das bekannt laxe Regelungen im Datenschutz hat, und wir als Unternehmen in Deutschland viel strengeren Datenschutzregeln unterliegen und dadurch Geschäft verlieren. Das zu vereinheitlichen ist auch ein Teil von fairem Marktspiel.
Soll sich denn der europäische Datenschutz eher am irischen oder am deutschen Modell orientieren?
Wichtig für mich ist, dass wir eine einheitliche faire Lösung haben. Sonst werden Unternehmen Deutschland schlichtweg verlassen müssen, weil sie hier nicht konkurrenzfähig sind.
Bis Ende des Jahres werden Sie Tomorrow Focus verlassen, um als Digital- Vorstand beim Hauptaktionär Hubert Burda Media einzuziehen. Sie haben die AG vom Verlust- zum Profitbringer gedreht. Hinterlassen Sie Ihrem Nachfolger auch aktuell ein gut bestelltes Feld?
Fakt ist, dass wir dieses Jahr weiterhin wachsen , mit zweistelligen Zuwachsraten in allen Geschäftsbereichen. Besonders freuen wir uns dieses Jahr über die Entwicklung bei unserer Partnervermittlung Elitepartner, und das trotz hoher Wettbewerbsintensität.
Sie sprechen vom Wettbewerb mit den Konkurrenten Parship und E-Darling. Wer wird am Ende denn vom Markt gehen?
Der Markt hat klar zuviele Mitspieler. Wir sind deutlich profitabel und wir sind uns bei den anderen unsicher, ob es genauso ist. Am Ende der Konsolidierung werden vielleicht zwei Player übrigbleiben.
So weit zu kommen, hat sie aber auch viel gekostet.
Das ist so, und das wird auch weiter so sein. Online-Transaktionsgeschäfte sind einfach sehr werbeintensiv. Wir werden bei Elitepartner alleine dieses Jahr 15 Millionen Euro in Werbung stecken. Aber das ist ja das Schöne: Wenn man Geld verdient, kann man auch Werbung machen. Wenn nicht, dann wird es schwierig.
