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Im Gespräch mit Chad Hurley „Youtube hat eine Reichweite wie Fernsehsender“

10.02.2009 ·  Youtube ist mit Abstand die größte Videoseite der Welt, kann aber bisher kein Kapital daraus schlagen. Vorstandschef Chad Hurley setzt nun auf die Hilfe der Muttergesellschaft Google. „Youtube ist ein Eckpfeiler in Googles Display-Werbestrategie.“

Von Holger Schmidt
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100 Millionen Amerikaner haben im Dezember fast 6 Milliarden Videos auf Youtube geschaut. In aller Welt nutzen sogar 300 Millionen Menschen die Seite. So gigantisch groß die Popularität der Videoplattform ist, so verschwindend gering ist aber ihr wirtschaftlicher Erfolg: Geschätzte 0,002 Dollar Umsatz erzielt Youtube in Amerika mit jedem angeschauten Video. Daher musste Eric Schmidt, Vorstandschef der Muttergesellschaft Google, kürzlich einräumen, Youtube werde auch 2009 nach einem Geschäftsmodell suchen müssen. So wie 2008 und auch schon 2007. Was Chad Hurley, den Mitgründer und Chef von Youtube, aber nicht sein Selbstvertrauen gekostet hat. „Youtube ist ein Eckpfeiler in Googles Display-Werbestrategie“, sagte Hurley dieser Zeitung. „Wir schaffen eine zusätzliche Gelegenheit für Display-Werbung, die durch die Doubleclick-Akquisition enorm groß geworden ist“, sagte Hurley.

Display-Werbung steht für alle graphischen Werbeformen wie die Banner und ist für Google spätestens mit der Übernahme des Werbedienstleisters Doubleclick zu einem wichtigen Wachstumsfeld geworden. Denn Doubleclick ist der Weltmarktführer in der Auslieferung graphischer Werbung auf Internetseiten. Mit Youtube verfügt Google über riesige, bisher weitgehend ungenutzte Werbeflächen und mit Doubleclick über den Dienstleister, der die Werbung im Netz verteilt. Die logische Folge: „Wir sind in die technische Werbeplattform von Doubleclick integriert. Es ist für Werbetreibende nun sehr leicht, Werbebanner auf Youtube zu plazieren“, sagte Hurley. Sollte dieser Weg eines Tages funktionieren, könnte der Hebeleffekt den Umsatz sehr schnell in die Höhe katapultieren.

„Es wird mehrere Modelle geben, nicht nur eines“

Diese Verbindung entbindet Youtube aber nicht von der Notwendigkeit, funktionierende Werbeformate und damit ein eigenes Geschäftsmodell zu entwickeln. Der Suche nach dem überragenden Geschäftsmodell erteilte Hurley aber eine Absage: „Es wird mehrere Modelle geben, nicht nur eines. Die Menschen schauen immer auf die eine Lösung, aber die Möglichkeiten, auf Youtube Geld zu verdienen, sind sehr vielfältig“, sagte Hurley. Youtube erziele gute Ergebnisse mit Banner-Werbung, die unter dem Video eingeblendet werde. Dazu komme die Möglichkeit, Werbung in die Videos zu integrieren, verbunden mit der Möglichkeit zum Kommentieren. „Daneben haben wir E-Commerce-Funktionen wie Click-to-buy, mit dessen Hilfe die Nutzer Musik oder DVDs über Youtube kaufen können. Viel mehr E-Commerce-Funktionen werden in den nächsten Jahren dazukommen“, sagte Hurley.

Überhaupt steckt die Video-Welt gerade im Umbruch. „Die Welt des Fernsehens und der Online-Videos vermischen sich. Man kann Youtube auf dem Fernsehen schauen, man kann Fernsehen im Internet sehen“, sagte Hurley. Medienunternehmen stellen inzwischen ihre Videos auf Youtube, um die Reichweite zu erhöhen. Nach Berichten amerikanischer Blogger arbeitet Youtube an einem System, dass diese Unternehmen auch ihre eigene Werbung auf Youtube schalten können.

„Nun, das ist ein nachvollziehbarer Schritt der Fernsehindustrie“

Die Fernsehsender, die das Internet zunächst skeptisch betrachtet haben, wollen nicht das Schicksal der Musikindustrie teilen und sind inzwischen treibende Kräfte im Markt geworden. Allen voran die großen Medienunternehmen NBC Universal und News Corp., deren Gemeinschaftsunternehmen Hulu.com Filme und Serien in bester Qualität im Netz bereitstellt. Der Umsatz, den die beiden Unternehmen damit erzielen, werde in diesem Jahr schon Youtube überholen, schätzen Marktbeobachter. Hulu.com gilt ebenso als Antwort der Fernsehindustrie auf Youtube wie TV.com des amerikanischen Medienunternehmens CBS. Hurley sieht diese neue Konkurrenz aber gelassen. „Nun, das ist ein nachvollziehbarer Schritt der Fernsehindustrie. Sie finden heraus, dass die Chancen im Internet für die werbetreibenden Unternehmen möglicherweise effizienter sind als im Fernsehen.“ Die Werbewirkung lasse sich im Netz viel besser messen als im Fernsehen. „Man kann sehr genau sehen, wie viele Menschen sich das Video angeschaut haben und von wo aus der jeweilige Nutzer das Video auf Youtube angesteuert hat. Das werden die Werbekunden 2009 sehr genau analysieren und ihre Schlüsse daraus ziehen“, sagte Hurley.

Er hofft nun auf wachsenden Kostendruck in den werbetreibenden Unternehmen. „Youtube hat eine Reichweite wie große Fernsehsender. In der aktuellen ökonomischen Situation werden die werbetreibenden Unternehmen, die viel Geld für Fernsehwerbung ausgeben, verstärkt nach messbaren Werbeformen suchen. Das Google-Werbesystem hat in Bezug auf Effizienz klare Vorteile“, sagte Hurley.

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