30.08.2005 · Daß fünf Unterhaltungselektronik-Geräte zusammen im Wohnzimmer stehen, wird wohl schon bald Vergangenheit sein. Die neuen Geräte sind Allrounder: Sie müssen Fernsehen, Internet und Videotelefonie können.
Von Patrick BernauWird es T-Mobile in zehn Jahren nicht mehr als selbstständiges Unternehmen geben? Marktforscher Jan ten Sythoff von Frost&Sullivan fände das gut - T-Mobile sollte seiner Ansicht nach gemeinsam mit den Internet- und Festnetztöchtern T-Online und T-Com in einer verschmolzenen Telekom aufgehen: „Ich glaube nicht, daß die Telekom mit dem Zusammenschluß von T-Online und T-Com weit genug gegangen ist.“
Die technische Entwicklung könnte die Telekom Sythoffs Analyse zufolge zu so einem Schritt zwingen. Telefon und Internet wachsen zusammen, auch Handy und Festnetz sind immer schwieriger zu trennen. Der Kunde will dann alles aus einer Hand. Im Juni hat British Telecom ein Telefon eingeführt, mit dem der Nutzer unterwegs über das Handynetz und zu Hause über das Internet telefonieren kann.
Alles in einem
Bei der IFA wird Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke ein ähnliches Gerät vorstellen. Eines Tages könnte es einen einheitlichen Anrufbeantworter für Handy und Festnetz geben oder einen gemeinsamen Speicher für Telefonnummern. Solche Dienste kann eine Firma besser anbieten, wenn Handy und Festnetz organisatorisch eine Einheit sind.
Solche Entwicklungen gibt es nicht nur beim Telefon: Auch Fernsehen und Internet wachsen zusammen, in einigen Regionen gibt es heute schon Internet aus dem Fernsehkabel. Deshalb konkurrieren Kabelanschlußfirmen mit Telefon- anbietern darum, wer den Kunden Internet liefert - und künftig auch das Internettelefon. Das wirkt sich auf die Geräte aus. Sie müssen bald alles können: Fernsehen, Internet und Videotelefonie.
Platz im Wohnzimmer verteidigen
Die Hersteller bereiten sich vor. Der Netzwerkausrüster Cisco hat den Unterhaltungselektronik-Lieferanten Kiss gekauft, der Computerhersteller Dell bietet Fernseher an - ein Angriff auf traditionelle Hersteller von Unterhaltungselektronik. Doch die bleiben gelassen: „Die Computerhersteller haben viele Nutzer verschreckt, weil ihre Geräte zu schwierig zu benutzen sind“, sagt der Chef-Produktmanager von Grundig Intermedia, Thomas Haida. Mit ihren starken Marken könnten die Unterhaltungselektroniker ihren Platz im Wohnzimmer leicht verteidigen.
Auch Jan ten Sythoff hält Marken für den entscheidenden Faktor im neuen Wettbewerb. Am besten vorbereitet sei Sony. Deren Geräte verkauften sich zwar zur Zeit nur schwer. Aber die Firma biete alle Produkte vom Fernseher bis zum Computer an - und könne sie gut kombinieren.
Patrick Bernau Jahrgang 1981, Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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