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Ian Goodfellow : Shooting-Star der künstlichen Intelligenz

Ian Goodfellow arbeitet und forscht für Google Brain. Bild: NVIDIA

Er ist 31 Jahre alt und ein Hoffnungsträger in der künstlichen Intelligenz: Ian Goodfellow lässt Computer sich gegenseitig schlauer machen. Alles begann in einer Bar.

          Nicht auf dem Google-Campus, nicht in der Facebook-Unternehmenszentrale, nicht im renommierten MIT-Forschungslabor: wenn es um die in der künstlichen Intelligenz (KI) derzeit angesagte Methode namens „Deep Learning“ geht, entstand eine der vielversprechendsten grundlegenden Ideen der jüngeren Vergangenheit in einer Bar in der kanadischen Stadt Montreal. Sie trägt den Namen „Les 3 Brasseurs“. Eine Gruppe Informatikstudenten traf sich dort, um die Promotion eines Freundes zu feiern.

          Alexander     Armbruster

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Einer davon war Ian Goodfellow. Die Freunde gerieten in eine fröhlich-leidenschaftliche Diskussion darüber, was schlaue Computer können. Und konkret über die Frage, ob es möglich ist, ihnen beizubringen, was bis ins allerletzte Detail zu einem echten Foto gehört, einer Aufnahme der Wirklichkeit also. Das klingt zunächst nicht sonderlich spektakulär. Tatsächlich steckt dahinter sehr viel – und Goodfellow gelang ein echter Durchbruch, dessen ganzes Potential und dessen ganze Wucht sich erst langsam erschließen.

          Als Goodfellow vor einiger Zeit gegenüber dem Internetdienst „Wired“ Details dieser einer Legende gleichenden Begebenheit verriet, formulierte er das so: „Wenn eine künstliche Intelligenz sich die Welt in realistischen Details vorstellen kann – lernen kann, sich realistische Bilder oder Klänge vorzustellen –, unterstützt dies die künstliche Intelligenz darin, die Struktur der Welt zu verstehen, die wirklich existiert.“ Er nahm dabei Bezug auf ein Bonmot des verstorbenen Physiknobelpreisträgers Richard Feynman, der einmal sagte: „Was ich nicht kreieren kann, das verstehe ich nicht.“ Angewendet auf sein eigenes Gebiet, erklärte Goodfellow analog: „Was eine künstliche Intelligenz nicht erzeugen kann, das versteht sie nicht.“ Das ändert sich gerade.

          Googles Brain

          Der 31 Jahre junge Forscher ist derzeit einer der wichtigsten Hoffnungsträger der künstlichen Intelligenz. Natürlich ist das längst nicht nur den Spitzenforschern an den Universitäten aufgefallen, sondern beispielsweise auch den Entscheidern des Technologieunternehmens Alphabet (Google). Dort, in der auf künstliche Intelligenz fokussierten Unternehmung „Google Brain“, arbeitet Goodfellow momentan.

          Quasi nebenher hat er ein ungefähr 800 Seiten dickes Lehrbuch über Deep Learning geschrieben, das sich an anfangende wie fortgeschrittene Studenten richtet. „Es ist das einzige umfassende Buch zum Thema“, lobte der schillernde amerikanische Unternehmensgründer Elon Musk (Tesla, SpaceX) das Werk. Für Musk war Goodfellow da übrigens schon kein Unbekannter mehr – er war über seine eigene KI-Unternehmung „Open AI“ vorübergehend Goodfellows Arbeitgeber, bevor dieser wiederum zurück zu Google wechselte.

          Ausgangspunkt für Goodfellows Laufbahn war indes die amerikanische Universität Stanford. Dort studierte er Informatik, zunächst ohne das ausdrückliche Ziel, künstliche Intelligenz zu seinem Schwerpunkt zu machen. Dazu kam er nicht zuletzt auch durch eine Vorlesung des mittlerweile selbst berühmt gewordenen Forschers Andrew Ng, der später „Google Brain“ mit auf den Weg brachte und dann KI-Forschungschef des chinesischen Internetunternehmens Baidu werden sollte.

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