22.04.2006 · An der Wall Street kommen die Methoden von Hedge Fonds zunehmend unter Druck. Mehrere Unternehmen und Investoren haben jüngst Hedge Fonds und Analysegesellschaften verklagt. Sie werfen ihnen Kursmanipulation vor.
An der Wall Street kommen die Methoden von Hedge Fonds zunehmend unter Druck. Mehrere Unternehmen und Investoren haben jüngst Hedge Fonds und Analysegesellschaften verklagt, weil sie ihnen Kursmanipulation vorwerfen. Im Zentrum stehen Leerverkäufe der Hedge Fonds, mit denen sie auf fallende Kurse wetten. Leerverkäufer leihen Aktien, verkaufen sie und hoffen, die Papiere später billiger wieder zurückkaufen und mit Gewinn zurückgeben zu können.
Leerverkäufer, im Jargon der Wall Street Short-Seller genannt, waren schon in der Vergangenheit ins Schußfeld geraten. Kritiker werfen ihnen die Schädigung langfristig orientierter Investoren vor, weil sie Aktienkurse unabhängig vom fundamentalen Wert eines Unternehmens bewegen können. Das geht manchmal so weit, daß die Aktivitäten als „unamerikanisch“ bezeichnet werden. Manche Wirtschaftswissenschaftler halten die Short-Seller aber für ein wichtiges Gegengewicht auf dem Aktienmarkt, weil sie verhindern, daß die Kurse übertrieben weit steigen. Short-Seller waren die ersten, die Probleme bei Unternehmen wie Enron ausmachten, bevor die wegen Bilanzbetrugs pleite gingen.
Ermittlungen der Börsenaufsicht SEC
Ende März hat eine Anwaltskanzlei aus New Jersey im Namen von Investoren des kleinen kanadischen Arzneimittelherstellers Biovail den großen Hedge Fonds SAC Capital, den Analysten David Maris von der Bank of America sowie die Analysegesellschaft Gradient Analytics aus Arizona auf 4 Milliarden Dollar Schadensersatz verklagt. Die Kläger werfen SAC vor, die Analysten mit Informationen versorgt zu haben, damit diese negative Bewertungen verfassen. SAC habe dann von Wetten auf den fallenden Kurs profitiert. Zuvor hatte Biovail selbst eine ähnliche Klage eingereicht. Biovail bietet ehemalige Mitarbeiter von Gradient als Zeugen auf. Sie behaupten, daß SAC-Manager den Inhalt von Analysen regelrecht diktiert sowie in manchen Fällen die Verzögerung der Veröffentlichung verlangt haben. Die Börsenaufsicht SEC ermittelt in diesem Fall.
Die Beschuldigten weisen die Vorwürfe zurück und machen andere Faktoren wie enttäuschende Geschäftsprognosen oder Ermittlungen der SEC für den schweren Kursverfall von Biovail im Jahr 2003 verantwortlich, von dem sich das Unternehmen nie wieder erholt hat. Die Vorwürfe gegen Leerverkäufer bekommen in Amerika zudem Brisanz, weil sich das renommierte Fernsehmagazin „60 Minutes“ der Biovail-Geschichte angenommen hat und kein positives Bild der Hedge-Fonds-Branche zeichnete. Die wenig transparenten Hedge Fonds stehen ohnehin im Visier der Börsenaufsicht. SAC Capital ist mit einem verwalteten Vermögen von 8 Milliarden Dollar einer der größten und einflußreichsten Fonds der Branche. Gründer Steven Cohen soll jüngsten Schätzungen zufolge im vergangenen Jahr rund eine Milliarde Dollar verdient haben.
Computerprogramme, um Ineffizienz aufzuspüren
Die Analysefirma Gradient hat durch die Klagen einen hohen Bekanntheitsgrad erreicht. Die Anfänge der bis dahin nur Anlageprofis bekannten Firma gehen auf das Jahr 1992 zurück, als zwei Professoren Computerprogramme entwickelten, um Ineffizienz im Aktienmarkt aufzuspüren. Nach Erfolgen wie der frühen Warnung vor Schwierigkeiten beim Donut-Hersteller Krispy Kreme wurde die Firma zu einer einflußreichen Adresse für die Wall Street. Kunden zahlen 40.000 Dollar im Jahr, um Zugang zu Datenbank und Auswertungen von Gradient zu haben.
Bereits im vergangenen Jahr hatte der exzentrische Vorstandschef des verlustträchtigen Internetunternehmens Overstock.com, Patrick Byrne, Gradient sowie den Hedge Fonds Rocker Partners verklagt. Die Vorwürfe von Overstock, das Restposten von Markenartikeln im Internet anbietet, gleichen denen von Biovail. Die SEC hatte bei ihren Ermittlungen der Angelegenheit unter Androhung von Zwangsmaßnahmen zunächst auch Informationen von Journalisten angefordert, die kritisch über Overstock berichtet hatten. SEC-Chef Christopher Cox hatte die Mitarbeiter der eigenen Strafverfolgungssparte deswegen aber öffentlich gemaßregelt (Siehe auch: Wie die SEC Journalisten unter Druck setzte).
Kritische Finanzjournalisten auf der schwarzen Liste
Das heißt aber nicht, daß die SEC nicht auf anderem Wege prüfen wird, welche Informationen Journalisten von Analysten erhalten haben. Die SEC will nun von Gradient erfahren, welche Informationen an Presse und Investoren geschickt worden sind. Es ist nach Ansicht von Wertpapierrechtlern vertretbar, daß die Kommunikation von Informanten mit Journalisten geprüft wird, wenn die Behörde vermutet, daß die Presse genutzt wurde, um Falschinformationen zu verbreiten.
Kritische Finanzjournalisten sind auch auf der schwarzen Liste von Overstock-Chef Byrne. Er hatte sie in Anspielung auf die Bösewichter in der „Krieg der Sterne“-Saga während einer Telefonkonferenz mit Analysten einmal als Anhänger eines Sith Lord bezeichnet. Er suggerierte damit dunkle Mächte, die es auf sein Unternehmen abgesehen haben. Byrne hat Journalisten auch schon mal als „Kondome“ tituliert, die von ruchlosen Hedge Fonds genutzt und dann weggeworfen werden. Aber Byrne hat offenbar genug Einfluß, um mit seinen Verschwörungstheorien bei der SEC Gehör zu finden.
Overstock und Biovail sind nicht die ersten Unternehmen, die gegen Shorts vorgehen. Der Hedge Fonds Gotham Partners hatte 2002 einen kritischen Bericht über die Versicherung MBIA veröffentlicht, deren Aktien er zuvor leerverkauft hatte. MBIA wurde störrisch und stichelte den New Yorker Generalstaatsanwalt Eliot Spitzer an, wegen Marktmanipulation zu ermitteln. Die Ermittlungen verliefen allerdings im Sande. Ende 2004 begannen Spitzer und die SEC dann mit Ermittlungen gegen MBIA wegen fragwürdiger Bilanzierungspraktiken, die den Aktienkurs längere Zeit belastet haben.
Sollen Kinderlose einen „Solidarzuschlag" zahlen?
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.757,94 | +0,44% |
| FAZ-INDEX | 1.508,12 | +0,49% |
| TecDAX | 780,92 | +0,91% |
| MDAX | 10.353,00 | +0,97% |
| SDAX | 5.020,82 | −0,06% |
| REX | 421,24 | −0,10% |
| Eurostoxx 50 | 2.493,96 | +0,23% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,55 | +0,36% |
| Dow Jones | 12.781,00 | −0,76% |
| Nasdaq 100 | 2.556,01 | −0,75% |
| S&P500 | 1.343,23 | −0,54% |
| Nikkei225 | 9.260,34 | +2,30% |
| EUR/USD | 1,3014 | −0,36% |
| Rohöl Brent Crude | 118,57 $ | −0,39% |
| Gold | 1.733,00 $ | +0,64% |
| Bund Future | 139,05 € | +0,38% |