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Handyprogramm Die Generation Whatsapp

 ·  300 Millionen Menschen tippen Nachrichten und verschicken Bilder über ein Handy-Programm. Whatsapp hat die Kommunikation der Welt verändert.

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© F.A.S. Vergrößern Das Kommunikationsprogramm hat bereits 300 Millionen Nutzer

Man muss nicht ins Silicon Valley fahren, um zu begreifen, warum eine Firma mit 45 Angestellten und Graffiti an den Wänden in einem Bürohaus ohne Firmenschild über eine Milliarde Dollar wert sein soll. Klar, es wäre schön gewesen, Jan Koum zu treffen, 1976 in der Ukraine geboren, es wäre toll, Brian Acton zu sprechen, Jahrgang 1972 und Amerikaner, das Gründungsteam von Whatsapp. Doch es ist nicht notwendig, weil die beiden mit ihrem Handyprogramm zum Chatten und Verschicken von Fotos schon heute die Kommunikation auf der ganzen Welt verändert haben, auch unsere. Und damit zeigen, wo der phantastische Preis von einer Milliarde Dollar für eine so kleine Firma herkommt.

Nutzer des Handyprogramms: Generation Whatsapp

Ähnlich wie bei SMS kann man über Whatsapp mit dem Handy Nachrichten schicken an Menschen, deren Nummer man gespeichert hat. Anders als bei SMS aber funktioniert das kostenlos, und man kann Fotos und Videos anhängen und Gruppenchats mit Freunden einrichten. Unter Studenten und Schülern hat Whatsapp mit dieser einfachen Idee die anderen Kommunikationsmöglichkeiten längst überholt. Stand heute öffnen 300 Millionen Menschen rund um den Erdball das Programm Whatsapp auf ihren Handys - und tippen, tippen, tippen. Vor einem Monat waren es noch 250 Millionen Whatsapper. Den Monat davor: 200 Millionen.

Die Grenzen der Zwinkersmiley-Generation überschritten

Die Büros der Entwicklertruppe stehen in Mountain View. Die Zentrale von Facebook, Börsenwert 100 Milliarden Dollar, ist zehn Autominuten den Highway 101 hinauf entfernt. Facebook hat mehr als eine Milliarde registrierte Mitglieder, aber wie viele Karteileichen darunter sind, die kaum noch auf der Seite schreiben, ist nicht klar. Whatsapp-CEO Jan Koum schreibt auf Twitter, die Zahl von aktiven Nutzern und passiven zu vergleichen sei wie der Unterschied zwischen einem Ferrari 250 GTO und einem Skateboard. Das klingt flott, aber die Frage, warum Whatsapp Facebook überholen könnte, kann besser die 13 Jahre alte Schülerin Jule Meck erklären, im Garten ihres Elternhauses in Bad Soden. Jule hat seit drei Wochen ein neues iPhone, auf dem sie endlich Whatsapp benutzen kann, so wie praktisch jeder in ihrer Klasse. In den drei Wochen hat sie knapp 5000 Nachrichten über Whatsapp geschrieben und gut 5000 Nachrichten über Whatsapp erhalten, das sind ungefähr 500 geschriebene und erhaltene Nachrichten pro Tag: Fragen nach dem Befinden der Freundin, nach den Hausaufgaben, Fotos vom gemeinsamen Ausflug, Smileys, einfach alles läuft über die App. Für Facebook bleibt da nicht mehr viel Zeit. „Facebook nutze ich kaum noch“, sagt Jule.

So geht es vielen. Selten zuvor hat eine derart simple Idee eine solche Massenbewegung ausgelöst: „Ich bin der Whatsapper“, rappt der Berliner Sänger MC Fitti auf seinem neuen Album, und in „Neon“, der Fachzeitschrift für Herzensangelegenheiten, schreiben sich Whatsapp-geschädigte Liebende ihren Frust von der Seele: „Die Zeile unter seinem Namen springt von ,online’ zu ,zuletzt gesehen um 00:38’, und die Chancen, dass er mir schreibt, sinken mit jedem Mal mehr, wenn die Zahlen hinter den Nullen sich verändern...“ Für Nicht-Whatsapper klingt das wie eine Fremdsprache. Wer Whatsapp nutzt, weiß, wie unangenehm es sein kann, wenn ein Freund zwar offenbar online ist (das wird am eigenen Handy angezeigt), aber auf die eigene Nachricht nicht antwortet.

Mittlerweile hat das Whatsapp-Phänomen die Grenzen der Zwinkersmiley-Generation überschritten. Auch Väter, Mütter, Bundesärztekammer-Präsidenten nutzen Whatsapp, statt SMS zu schreiben. Eltern kontrollieren ihre Kinder über die App, Klassenlehrer geben über die Gruppenfunktion Hilfestellung bei den Hausaufgaben.

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