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Halbleiter Ausblicke zeigen: Halbleiter-Aktien sind eben Zykliker

09.12.2005 ·  Intel und National Semiconductor haben am Donnerstag die amerikanischen Börsianer enttäuscht. Doch das liegt mehr an deren überhöhten Erwartungen als an den Unternehmen.

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Zwei Unternehmen sorgten am Donnerstag für Kursrückgänge an den amerikanischen Börsen. Das waren zum einen Intel, die immer für einen Kursrutsch gut sind, zum anderen die in Deutschland nicht ganz so bekannte, in Amerika aber fast eben so beachtete National Semiconductor.

Die Aktie gab am Donnerstag um 1,45 Prozent auf 27,28 Dollar nach, was beim Blick auf die vorgelegten Zahlen für das im November zu Ende gegangene zweite Quartal zunächst nicht einleuchtet. National Semiconductor hat dank der lebhaften Nachfrage der Anbieter von drahtlosen Produkten für Endverbraucher einen Anstieg des Nettogewinns um 27 Prozent auf 114,7 Millionen Dollar oder 32 Cents je Aktie verbucht und übertraf damit die Erwartungen der Analysten. Diese waren im Mittel von einem Ergebnis von 0,28 Dollar ausgegangen.

Handys und MP3-Player stützen National Semiconductor

Der Konzern verwies bei Vorlage der Zahlen darauf, daß im Vorjahr etliche Sonderfaktoren eine Rolle gespielt hatten. So wurde seinerzeit ein Vorsteuergewinn von 8,8 Millionen Dollar aus dem Verkauf von Vermögenswerten sowie ein Vorsteuergewinn von zehn Millionen Dollar im Zusammenhang mit einem Rechtsstreit verbucht, ebenso ein Gewinn von 4,2 Millionen Dollar aus Steuergutschriften.

Der Umsatz stieg um 21 Prozent auf 544 Millionen Dollar und damit zum ersten Mal seit einem Jahr wieder. „Der Großteil des Wachstums stammt aus dem Bereich der Verbraucherelektronik wie Mobiltelefonen und MP3-Playern“, sagte der für das operative Geschäft zuständige Vorstand Don Macleod.

Derzeit konzentriert sich das Unternehmend darauf, einfachere Chips herzustellen, die aufgrund der zunehmenden Komplexität elektronischer Geräte verstärkt nachgefragt werden. Aus der Prozessoren-Entwicklung hat man sich indes zurückgezogen.

Intel stößt immer deutlicher an Grenzen

Was den Marktteilnehmern nicht gefiel, war die Tatsache, daß sich die guten Ergebnisse für das vergangene mit einem verhaltenen Ausblick für das kommende Quartal mischte. Für das dritte Quartal prognostizierte der Halbleiterhersteller einen gegenüber den drei Monaten bis zu drei Prozent rückläufigen Umsatz. Analysten rechnen mit einem Umsatz von 510,5 Millionen Dollar. Im September hatte das Unternehmen einen Anstieg des Umsatzes um rund fünf Prozent gegenüber dem ersten Quartal in Aussicht gestellt. Analysten hatten zuletzt einen Umsatz von 520,3 Millionen Dollar erwartet.

Intel teilten am Donnerstag nach Börsenschluß mit, im laufenden Quartal werde nun mit einem Umsatz zwischen 10,4 und 10,6 Milliarden Dollar gerechnet. Bislang hatte der Konzern 10,2 bis 10,8 Milliarden Dollar vorhergesagt. „Die Mitteilung wird als leichte Enttäuschung empfunden“, sagte Cody Acree, Analyst bei Stifel, Nicolaus& Co. Auch die Prognose für die Brutto-Gewinnmarge schränkte Intel ein. Jetzt werde mit 63 Prozent plus/minus einem Prozentpunkt gerechnet. Bislang waren 63 Prozent „plus/minus einige Prozentpunkte“ genannt worden.

Die Prognose für die Brutto-Marge sei im Grunde unverändert, sagte Bruce Bartlett von Lord Abbett& Co. „Es ist aber wichtig, weil einige Leuten jetzt glauben könnten, daß Intel nun die bestmögliche Marge erreicht hat und das negativ interpretieren.“ Selbst wenn das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht ist - es ist in greifbarer Nähe. Die Aktien von Intel verloren nachbörslich 2,5 Prozent auf 25,05 Dollar. Bereits im regulären Handel hatten sie 1,7 Prozent nachgegeben und über die Woche 6,4 Prozent.

Intel im Seitwärtstrend

Abermals zeigt sich, daß die Markterwartungen an die Halbleiter-Industrie zu hoch waren. Der Chip-Markt hat seinen Höhepunkt überschritten und trotz immer wieder guter Nachfrage wird das Wachstum einfach nicht mehr die Größen erreichen, die es einmal hatte. Diese Erkenntnis scheint sich aber noch nicht bei allen Marktteilnehmern durchgesetzt zu haben.

Intel hat zudem noch ein weiteres Problem. Da mittlerweile in nahezu 90 Prozent aller weltweit verkauften Personal Computer Intel-Chips verbaut sind, kann das Unternehmen nicht mehr stärker wachsen als der Weltmarkt.

Intel ist dabei mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen (KGV) von 18 auf Basis des laufenden und 16 auf Basis des kommenden Jahres noch vergleichsweise moderat bewertet. Indes ist die charttechnische Tendenz eindeutig seitwärts. Seit rund vier Jahren beginnt sich die Aktie in einem enger werdenden Kursband einzupendeln, das mittlerweile seit rund anderthalb Jahren zwischen 22 und 28 Dollar verläuft.

National Semiconductor: Mittelfristig positiv, langfristig seitwärts

Bei National Semiconductor hingegen sind die charttechnischen Zeichen besser. Zwar liegt das Zehn-Jahres-Hoch von knapp 41 Dollar mittlerweile fünfdreiviertel Jahre zurück, doch hat das Papier ausgehend vom letzten Zwischentief bei 9,39 Dollar im Juli 2003 einen deutlichen Aufwärtstrend etabliert, der ihr zuletzt vergangenen Freitag ein Fünf-Jahres-Hoch bei 28,22 Dollar verschaffte. Seitdem hat sie wieder 3,3 Prozent verloren. Gegen die Aktie spricht indes eine mit KGVs von 24,6 und 20,4 hohe Bewertung, die wohl Aufschwunghoffnungen miteinschloß. Die Korrektur nimmt sich indes geringfügig aus.

Da der Handel bei Chip-Aktien stark technisch und von Marktnachrichten geprägt ist, besteht eine große Wahrscheinlichkeit, daß mit dem nächsten Anziehen des Sentiments im Technologie-Sektor auch die Aktien der beiden Schwergewichte ihren Trend fortsetzen. Intel benötigt aber zu einem Ausbruch aus der Handelsspanne bereits eine kleine Revolution am Chipmarkt, die nicht zu erwarten steht. Bei National Semiconductor besteht zwar berechtigte Hoffnung, daß die Aktie ihren Aufwärtstrend noch eine Weile fortsetzen kann, doch die Dynamik dürfte angesichts der hohen Bewertung mit zunehmender Annäherung an das Zehn-Jahres-Hoch abnehmen. In diesem Fall ist davon auszugehen, daß sich der tendenzeill bestehende, sehr langfristige Seitwärtstrend der Aktie durchsetzt. Halbleiter-Aktien sind und bleiben eben zyklisch.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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