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Gründer von wer-kennt-wen.de : „Mit 4000 Nutzern geplant, jetzt sind es fünf Millionen“

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Patrick Ohler und Fabian Jager: „Wir wollen unsere Nutzer nicht mit technischen Funktionen überlasten” Bild:

Patrick Ohler und Fabian Jager haben den Coup des Jahres im Internet gelandet. In ihrem sozialen Netzwerk Wer-kennt-wen sind Menschen zwischen 14 und 95 Jahren aktiv. Mit nur 46 Mitarbeitern sind sie nun dem Marktführer StudiVZ auf den Fersen.

          Patrick Ohler und Fabian Jager haben den Coup des Jahres im Internet gelandet. In ihrem sozialen Netzwerk Wer-kennt-wen sind Menschen zwischen 14 und 95 Jahren aktiv. Mit nur 46 Mitarbeitern sind sie nun dem Marktführer StudiVZ auf den Fersen.

          Herr Jager, Herr Ohler, wer hatte die Idee zu Wer-kennt-wen?

          Ohler: Die Idee hatte Fabian - in der Mensa, als wir auf das Essen gewartet haben. Er stellte die Frage: Warum gibt es kein soziales Netzwerk für alle Alters- und Interessengruppen, wo ich meine Nachbarn, meine Oma und meine Freunde finde? Die damaligen Netzwerke wie OpenBC, heute Xing, oder StudiVZ waren ja eher für spitze Zielgruppen gemacht.

          Welche Chancen haben Sie sich damals gegen StudiVZ, Facebook oder MySpace ausgerechnet? Wie sehr haben Sie darauf gehofft, dass das passiert, was dann passiert ist?

          Jager: Gar nicht. Die Idee war, gemeinsam ein Projekt zu machen, um unsere Kenntnisse aus dem Studium umzusetzen. Wir wären auch mit einer Community mit 4000 Mitgliedern zufrieden gewesen. Mehr haben wir uns damals nicht vorstellen können. Nun sind es mehr als 5 Millionen Nutzer.

          Wie haben Sie die Netzwerkeffekte in Gang gesetzt?

          Ohler: Am Anfang haben wir nur unsere Freunde eingeladen. Wichtig war uns, die Plattform so einfach wie möglich zu machen, damit sich wirklich alle zurechtfinden konnten.

          Jager: Gleichzeitig haben wir von Anfang an darauf geachtet, nur echte Menschen mit echten Namen im Netzwerk zu haben. Aber das hört sich jetzt so an, als wären wir von Anfang an erfolgreich gewesen. Das war nicht so. Wir haben am Anfang unsere Bekannten und Verwandten eingeladen und mussten eine lange Durststrecke überwinden. Anfang 2007 waren wir uns überhaupt nicht mehr sicher, ob Wer-kennt-wen noch funktioniert. Der Schlüsselpunkt war dann im März 2007. Dann ging es steil bergauf. Dann ging die Arbeit aber erst richtig los, vor allem in der Technik. Wir haben schnell gemerkt, dass wir eine komplett neue Softwarearchitektur brauchen, um so viele Nutzer bewältigen zu können. In dieser Phase flachte das Wachstum ab, und wir hatten das Risiko, an diesem Punkt kleben zu bleiben. Aber mit dem Start der neuen Architektur setzte sich der alte Wachstumspfad fort.

          Wer hat Ihnen das Geld für den Ausbau gegeben?

          Ohler: Wir haben am Anfang nur einen mittleren vierstelligen Betrag investiert und recht schnell angefangen, das Google-Werbeprogramm Adsense einzubinden. Dadurch hat sich die Seite selbst getragen.

          Nun hat sich RTL mit 49 Prozent an Wer-kennt-wen beteiligt. Wie finanziert sich das Netzwerk heute?

          Ohler: Google Adsense spielt nach wie vor eine Rolle, ist aber in den Hintergrund geraten. Wir nutzen Google als Restplatzvermarktung. Ansonsten haben wir über den RTL-Vermarkter IP Deutschland inzwischen Zugang zu den großen Werbekunden, die bei uns klassische Online-Werbeformen buchen. Daneben haben wir mehrere Kooperationen, zum Beispiel mit brands4friends. Wir weisen Nutzer auf brands4friends hin und partizipieren dann an deren E-Commerce-Erlösen. Ein noch ganz kleines Geschäft sind die Wer-kennt-wen-Partys. Veranstalter wollen für einen Abend den Namen Wer-kennt-wen, denn viele Nutzer wollen sich auch im realen Leben treffen. Außerdem gibt es jetzt den WKW-Shop. Aber der Haupterlösstrom ist und bleibt die klassische Online-Werbung. Wir denken aber auch über mobile Anwendungen nach, für die wir dann auch Geld verlangen können. Diese Anwendungen sind für das erste Halbjahr 2009 geplant.

          Nun erzielt Wer-kennt-wen noch keinen Gewinn. Es gibt inzwischen viele Zweifel, dass die klassische Online-Werbung in sozialen Netzwerken überhaupt funktioniert und jetzt in der Krise zusätzlich unter Druck kommt. Spüren Sie den Abschwung?

          Jager: Nein, wir sehen in unseren Zahlen bisher keinen Abschwung. Über Umsatz und Gewinn geben wir aber keine Auskunft.

          Aktuelle Statistiken zeigen ein Abflachen des WKW-Wachstums. Ist die Wachstumsstory bald vorbei

          Ohler: Wir haben festgestellt, dass das Wachstum im Moment etwas zurückgeht, wissen aber noch nicht, ob das saisonale Gründe hat. Wir wachsen zwar nicht mehr exponentiell, haben aber immer noch ein gutes lineares Wachstum. Eine Sättigung stellen wir aber nicht fest. Die tägliche Nutzung liegt zwischen zwei und drei Millionen.

          Stellen Sie weiter Mitarbeiter ein?

          Jager: Natürlich.

          Nun gibt es den Trend, dass die Gründer eines Start-ups in einer gewissen Reifephase einen erfahrenden Vorstandsvorsitzenden an Bord holen. Planen Sie das auch?

          Ohler: Nein, solche Pläne gibt es nicht. Wir können uns aber vorstellen, das Führungsteam zu verbreitern.

          Das heißt?

          Ohler: Wenn man Teil eines großen Konzerns ist, gibt es bestimmte Anforderungen hinsichtlich Reporting und Abrechnungen. Da wir beide Informatiker und keine Betriebswirte sind, führen wir Gespräche, einen weiteren Geschäftsführer für diese Dinge einzustellen.

          Ihr Konkurrent StudiVZ hat sich gerade aus dem Ausland zurückgezogen, weil dort keine Chance gegen Facebook gesehen wurde. Haben Sie Pläne für eine Auslandsexpansion?

          Jager: Wir werden uns stärker auf das deutschsprachige Ausland konzentrieren, aber ein Auftritt in einer fremden Sprache ist nicht geplant.

          WKW gilt als das das erste echte Volksnetzwerk. Wie alt sind ihre Nutzer?

          Jager: Das Durchschnittsalter liegt bei knapp über 30 Jahren, aber die Spannbreite geht von 14 bis 95 Jahre.

          Der Weltmarktführer Facebook setzt stark auf Technik. Wie wichtig ist das Thema Technik für Sie?

          Jager: Wir wollen unsere Nutzer nicht mit technischen Funktionen überlasten. Mit großen neuen Funktionen gehen wir daher sehr vorsichtig um. Eine Öffnung für externe Entwickler oder der Beitritt zur Brancheninitiative Open Social sind daher kein Thema für uns.

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