Home
http://www.faz.net/-gqm-z7ys
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Googles Plan zur Netzneutralität Die Angst vor dem Zweiklassen-Internet

Im Streit über die Netzneutralität haben Google und Verizon einen Vorschlag präsentiert: Breitbandbetreiber sollen den Datenverkehr nicht verlangsamen oder blockieren dürfen. Mobilfunkanbieter sollen davon ausgenommen bleiben - Netzaktivisiten fürchten ein Zweiklassen-Internet.

© dpa Vergrößern Netzneutralität: Angst vor einem Zweiklassen-Internet

Eigentlich müssten die beiden Unternehmen bei dem Thema Gegenspieler sein, aber bei der Netzneutralität bilden sie nun eine Allianz: Die Telekommunikationsfirma Verizon und der Internetkonzern Google haben einen Vorschlag unterbreitet, welche Regeln bei datenintensiven Anwendungen im Netz wie Video oder Telefonie in den Vereinigten Staaten angewandt werden sollen. Die Datenmengen im Internet werden immer größer - und die Bandbreite vor allem in Mobilnetzen erreicht ihre Grenzen, wie Nutzer von Smartphones in Städten wie San Francisco oder New York täglich schmerzvoll erfahren können (siehe Datenverkehr: Stau im Internet ).

Hinter der Netzneutralität steht der Gedanke einer gleichberechtigten Datenübertragung. Anbieter von schnellen Internet-Leitungen sollen keine Informationen blockieren oder verlangsamen dürfen. Zugleich sollen sie keine Gebühren dafür verlangen dürfen, einzelnen Kunden schnellere Leitungen zur Verfügung zu stellen, damit deren Daten den User zu Hause eher erreichen.

Mehr zum Thema

Ausgenommen wären Mobilfunkanbieter

Nach dem Vorschlag von Google und Verizon soll Breitbandbetreibern verboten werden, Datenverkehr zu verlangsamen, zu blockieren oder höhere Gebühren dafür zu verlangen. Eine erkaufte Bevorzugung von Kunden sollte es nicht geben, sagten die Vorstandschefs Ivan Seidenberg (Verizon) und Eric Schmitt (Google) in einer Telefonkonferenz mit Journalisten am Montag. Ausnahmen soll es für Anwendungen geben, die vom öffentlichen Internet getrennt sind, etwa die Fernüberwachung von Patienten oder die Steuerung des Stromnetzes. Die Regeln soll die Aufsichtsbehörde FCC überwachen, die sich bis vor kurzem darum bemühte, einen Kompromiss unter den beteiligten Firmen zu erreichen. Als Strafe ist ein Betrag bis zu zwei Millionen Dollar vorgesehen. Ausgenommen wären Mobilfunkanbieter. Daran stören sich Aktivisten, die für einen freien und neutralen Zugang zum Netz plädieren. So sagt Gigi Sohn von der Vereinigung Public Knowledge, dass das mobile Internet geopfert werde - ausgerechnet jetzt, wo es eine immer wichtigere Rolle im Leben der Bürger spiele.

Infografik / Verkehrsvolumen im deutschen Breitbandnetz (mit Quellenangabe) © FAZ.NET Vergrößern

Besonders enttäuscht sind die Aktivisten von Google. Das Unternehmen setzte sich in den vergangenen Jahren leidenschaftlich für Netzneutralität ein. Vereinigungen wie Public Knowledge fürchten ein Zweiklassen-Internet, das für die Firmen schneller ist, die mehr Geld bezahlen können. Der Vorschlag von Google und Verizon verletze die Neutralität. Die Firmen weisen diese Vorwürfe zurück.

Netzbetreiber versus YouTube und Skype

Die nationale Bundeskommission für Kommunikation (FCC) hatte vergeblich versucht, eine Einigung zwischen Netzbetreibern und Internetunternehmen zu erwirken. Ihre Bemühungen erstreckten sich sowohl auf herkömmliche Zugänge wie Telefonleitungen und den Mobilfunk. Viele Firmen wollen gerade letzteren Bereich aus den Regelungen ausnehmen, weil sie ihn als lukratives Wachstumsfeld erachten, da immer mehr Menschen Smartphones wie den Blackberry oder das iPhone nutzen. Viele Telekommunikationsunternehmen wollen die Mobilfunkübertragung zudem von der Netzneutralität aussparen, um unter anderem gezielter gegen Viren oder Kinderpornografie vorgehen zu können.

Bei dem Theme der Netzneutralität stehen sich die Netzbetreiber und Anbieter von Dienstleistungen im Internet gegenüber. Die Netzbetreiber, in den Vereinigten Staaten etwa Verizon, AT&T oder Comcast, haben Milliarden in den Ausbau der Leitungen investiert. Diese wollen sie wieder reinholen. Zudem sollen normale Internetnutzer nicht unter den gigantischen Datenmengen von Vielnutzern leiden. Auf der anderen Seite stehen die Anbieter von Dienstleistungen wie Skype oder das zu Google gehörende Videoportal YouTube, dass mit seinen zunehmend hochauflösenden Filmen eine immer größere Bandbreite benötigt, um flüssiges Sehvergnügen zu garantieren. Diese Firmen befürchten, dass die Netzbetreiber bald Extragebühren von ihren Kunden kassieren könnten, wenn sie viele Gigabytes an Daten aus dem Netz saugen.

Quelle: FAZ.NET mit apn und Reuters

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Googles Internet Überwachungskapitalisten unter sich

Eric Schmidt, der Verwaltungsratschef von Google, ist gerade auf Deutschlandtour. Er redet unseren Politikern ein, sie müssten vom Internet die Finger lassen. Doch wie spricht er, wenn er unter seinesgleichen ist? Wir haben mitgehört. Mehr Von Christopher Lauer

14.10.2014, 17:02 Uhr | Feuilleton
Die Forderung nach neuen Spielregeln für Google

Bei einem Streitgespräch mit Google-Chef Eric Schmidt forderte Sigmar Gabriel, die Marktmacht des amerikanischen Internet-Giganten zu begrenzen. Mehr

15.10.2014, 09:18 Uhr | Politik
Apples neues iPad Das Gefummel mit der Sim-Karte hört bald auf

Diese Neuigkeit wurde während der Keynote gar nicht erwähnt. Im neuen iPad steckt eine Sim-Karte, die unabhängig von einem speziellen Mobilfunkanbieter ist. Mehr

17.10.2014, 06:15 Uhr | Technik-Motor
Googles Vision von der totalen Vernetzung

Aktienkurse, Katzenvideos, Nachrichten: Wer im Internet sucht, der findet - und das meist mithilfe der Suchmaschine Google. Doch der Technologiekonzern will längst mehr sein: Das Internetunternehmen hat sich selbst zum Weltverbesserer erklärt. Und schraubt schon heute an einem komplett vernetzten Morgen Mehr

03.09.2014, 11:04 Uhr | Wirtschaft
50 Cent pro Gigabyte Ungarn will Internetsteuer einführen

Die Regierung in Ungarn will den Datenverkehr im Internet besteuern. Je Gigabyte sollen rund 50 Cent an den Staat abgeführt werden. Mehr Von Stephan Löwenstein

22.10.2014, 13:54 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 10.08.2010, 12:56 Uhr


Aktienkurse
Name Kurs Änderung
  Nasdaq 100 --  --
  Facebook --  --
  Google --  --
  Apple --  --
  Zynga --  --

Amazon gegen Microsoft

Von Thiemo Heeg

Beide Konzerne legten ihre Quartalszahlen mit unterschiedlichen Auswirkungen vor. Die Amazon-Aktie brach um 10 Prozent ein, das Microsoft-Papier stieg um 5 Prozent. Wer ist nun das bessere Unternehmen? Mehr

Grafik des Tages Die Probleme von Yahoo

Einst war Yahoo ein Internet-Gigant, dann kam Google: Heute ist der Konzern nur noch ein Schatten seiner selbst. Wo genau liegen die Probleme? Mehr


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --