03.09.2008 · Googles Ufo ist in der Browserwelt gelandet. „Chrome“ attackiert den Internet Explorer von Microsoft und Mozillas Firefox. Nicht alle werden sich auf Googles Seite schlagen. Aber vermutlich viele Nutzer. Doch zunächst ist Chrome nur ein Browser.
Von Marco DettweilerNun ist Googles Ufo also gelandet. In den Farben rot, grün, gelb und blau schwebt „Chrome“ in die Browserwelt ein. Wen die Außerirdischen aus Mountain View angreifen wollen, ist klar: Microsoft mit seinem Internet Explorer. Doch auch das Mozilla-Projekt mit seinem Firefox muss sich fürchten, ebenso Apple mit dem hauseigenen, aber auch auf Windows installierbaren Safari-Browser. Letztlich muss auch das norwegische Unternehmen Opera Software ASA mit seinem gleichnamigen Browser Opera zittern. Schließlich greift kein anderer als Google an. Neugierig sind die Bewohner des Internet auf jeden Fall: Am ersten Tag wurde Chrome weit mehr als eine Million Mal heruntergeladen.
Doch sollte Chrome nicht halten, was Google verspricht (Leistung, Stabilität und Sicherheit), werden die Internetnutzer das bunte Etwas wieder zurück ins All schicken. Was zählt, ist die Anwendung. FAZ.NET hat seine Leser gefragt, was sie von dem neuen Browser halten. Die Kommentare reichten von „Gähn und warum dieser Hype“ (Morten Andersen) bis hinzu „Das ist der Anfang vom Ende Microsofts“ (Ulrich Baumhögger). Wir haben uns Chrome natürlich auch angeschaut und den Browser getestet. Anregungen unserer Leser werden im Folgenden unser Urteil stützen oder aber in Frage stellen. Also Google Chrome: Wer hat die besserer Waffe im Browserduell?
Opera-Abklatsch oder kleine Revolution?
Nach Herunterladen einer kleinen Datei installiert sich das Programm zügig. Ein erstmaliger Start von Chrome und schon wird es schlicht und weiß. Bunt ist nur das Logo, die Benutzeroberfläche orientiert sich am Google-Style der Suchmaschine. Die technische Besonderheit, die Google im Vorfeld angekündigt hatte, fällt auch im Webdesign auf. Die von Explorer, Firefox, Safari und Opera bekannten Tabs befinden sich an oberster Stelle, also nicht unter-, sondern oberhalb des URL-Eingabefeldes (in Chrome-Sprache „Omnibox“). „Die Beschreibung der revolutionären neuen Funktionen entlockt einem Opera-Benutzer bestenfalls ein Gähnen. Abreißen von Tabs, die dann zu neuen Fenstern werden, oder die übersichtliche Download-Verwaltung oder Verlaufsliste sind dort alte Hüte.“ (Volker Gringmuth)
Auch Nutzer des neuen Internet Explorer 8 Beta 2 werden davon nicht sonderlich überrascht sein. Dort wenden die Entwickler ein ähnliches Verfahren an, in dem jedem Tab ein eigener Prozess zugewiesen wird. Stürzt ein Tab ab, bleiben die anderen stabil und laufen weiter. Diese Architektur wird sich wohl in Zukunft durchsetzen, da ja der einfache Umgang mit Tabs geradezu dazu auffordert, möglichst viele zu öffnen und daher ein Programmabsturz ziemlich nervt. Sehr schön gelöst bei Chrome: Packt der Nutzer einen Tab mit der Maus und zieht ihn „raus“ aus der Leiste, wandelt sich der Tab zu einem eigenen Fenster.
In diesem Zusammenhang gefällt auch eine andere Eigenschaft. Durch den Klick auf das Seitenzeichen am Ende der URL-Leiste kann man den Punkt „Anwendungsverknüpfung erstellen“ auswählen, der aus der gerade angezeigten Seite eine Verknüpfung auf Desktop, Startmenü oder Schnellstartleiste erstellt. Diese Anwendung bekommt erst richtig Fahrt, wenn der Nutzer offline arbeitet mit Programmen der Gears-Plattform. Denn dann benutzt er Webanwendungen wie Textverarbeitung, Tabellenkalkulation oder Mailprogramme, die Desktop-Programme ersetzen, ohne online sein müssen.
Schnell oder nicht schnell?
Schnell soll er sein, Googles neuer Browser. Unsere Leser meinen „Google Chrome ist blitzschnell“ (Jakob Park), „das Rendering läuft wahnsinnig schnell und stabil.“ (Bernhard Bahners) „Sehr beeindruckend die Schnelligkeit und Stabilität“ findet Ralf Brandenburg. Moritz Jösch glaubt: „Was die Performance angeht, so ist er wesentlich schneller als der Firefox. Vor allem beim Start, aber auch beim Aufbau von sehr komplexen Seitenstrukturen mit vielen Skripten. Im Vergleich zum IE (Internet Explorer) konnte ich keine großen Unterschiede feststellen.“ Spiegel Online schreibt, der Seitenaufbau laufe „geradezu verblüffend schnell“. Wir konnten diese Geschwindigkeitsunterschiede im Vergleich zum Explorer und Firefox nicht feststellen, auch nicht bei Seiten wie Youtube, wo - wie Spiegel Online meint - es kaum noch Wartezeit nach dem Klick auf ein Video gäbe.
Vielleicht liegt der Grund darin: Andere Browser haben das Problem, dass mit zunehmender Nutzungsdauer die Geschwindigkeit nachlässt, weil die Speicherverwaltung chaotische Zustände hinterlässt. Google hat hier aufgeräumt und kann auf Speicherbereiche wieder zugreifen, die nicht gebraucht werden. Das regelt der Memory Manager. Insofern scheinen Aussagen über die Schnelligkeit von Chrome immer abhängig vom Zeitpunkt der Nutzung. Es könnte also sein, dass Chrome seine Schnelligkeit erst nach mehreren Stunden ausspielt.
Websuche verdeckt durchführen
Dass man bei Chrome ein Produkt aus dem Hause Google bedient, zeigt sich bei der Eingabe eines Wortes in die Adressleiste (Omnibox). Wie bei anderen Browsern üblich schlagen in der Leiste Adressen auf, die man bereits benutzt hat und die man per Tabulator- oder Pfeiltaste vervollständigen oder auswählen kann. Hinzu kommt bei Chrome ein Aufklappmenü, das Vorschläge für die hauseigene Suchmaschine macht. „Google nach Jeans durchsuchen“. Das ist insofern sehr anwenderfreundlich, weil man dann ein „Omni“-Eingabefeld hat: Der Nutzer sucht auf einen Schlag nach einer URL in seinem Browser und nach dem Thema bei Google. Allerdings wird hier ebenso deutlich, wie Google zu Geld kommt. Es wird nämlich auch die bezahlte Google-Werbung angezeigt wie etwa bei dem Wort „Jeans“ der Link „zafu.com“. Übrigens: Grafisch nett aufbereitet ist die angezeigte URL. Nur der Domainname wird fett angezeigt, weitere Verzeichnisse bleiben blass.
Nach Öffnen des Programms erscheint eine Zusammenstellung der „am häufigsten gesuchten“ Seiten. Die Webseiten werden als Miniatur abgebildet. Das sieht schön aus, könnte aber zu hässlichen Situationen führen, wenn die falsche Person auf den Bildschirm schaut. Für Leute, die keine Spuren hinterlassen wollen, hat Google aber auch gesorgt. Der Nutzer kann im „anonymen Modus“ surfen. Er kann ein „neues Inkognito-Fenster“ öffnen. Die Chrome-Hilfe sagt, wann dieser Modus eingesetzt werden kann: „Angenommen, Sie planen eine Überraschung oder ein Geburtstagsgeschenk und möchten Ihre Websuche verdeckt durchführen.“ Microsofts Explorer wird diese Funktion auch haben und Apples Safari kennt sie schon. Man spricht in diesem Zusammenhang etwas abfällig vom „Pornomodus“.
Starke, aber keine übermächtige Konkurrenz
Keine Frage: Chrome ist ein schlanker, schicker, schneller und stabiler Browser. Das sind im Wesentlichen Explorer, Firefox, Safari und Opera auch. Chrome hat ein paar neue Eigenschaften, die ihn von den anderen Browsern unterscheiden. Aber es ist nicht erkennbar, warum er die Konkurrenten vom Markt verdrängen und sich die Nutzer Chrome unbedingt aufspielen sollten. Bei unseren Lesern herrscht Uneinigkeit: „In einem ersten Kurztest kann ich nur sagen: Dieser Browser ist Firefox 3 und Internet Explorer 7 um mindestens 1 Jahr hinterher.“ (Robert Dillansky) Dahingegen ist Ulrich Baumhögger überzeugt: „Wow, Google hat das gute alte Webkit (bekannt aus Safari, Konqueror, Nokia usw.) neu verpackt und damit eine echte Revolution vollbracht! Ich werde jetzt jedenfalls gleich mein Windows löschen und künftig nur noch Chrome für alles verwenden.“ (Ulrich Baumhögger) Andere glauben, „dass der Chrome mehr zur Konkurrenz des Firefox wird als zum Internet Explorer.“ (Moritz Jösch)
Die Faszination und gleichzeitige Gefahr, die von Google ausgeht, ist die konsequente Umsetzung der Unternehmensphilosophie. Alle Produkte, die der kalifornische Konzern umsetzt, sollen miteinander verschmelzen. Chrome passt da bestens mit hinein wie etwa das Zusammenspiel mit der Gears-Plattform zeigt. Und irgendwann hat der Nutzer nicht mehr Windows, Linux oder Mac Os mit vielen Programmen auf seinem Computer, sondern nur noch Google.
Und hier die vollständigen Kommentare unserer Leser: Wer hat die bessere Waffe im Browserduell?
Opera hat die Nase vorn
Volker Gringmuth (volkergringmuth)
- 03.09.2008, 18:29 Uhr
Schneller
John Gehlen (spacedrummer)
- 03.09.2008, 18:55 Uhr
Google-Marketing
Alexander Heß (proj.aurora)
- 03.09.2008, 20:14 Uhr
opera führt
Michael Brüggemann (bruegge1952)
- 04.09.2008, 08:03 Uhr
Schreibfehler oder Irrtum?
Gunnar Werner (Bruslas)
- 04.09.2008, 10:43 Uhr
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